Christa Zengerer – Vorständin der MAG Maschinen- und Apparatebau AG

Aus der Reihe „Frauen und Technik“ in Kooperation mit der Industriellenvereinigung Steiermark: Dipl.-Ing. Christa Zengerer, Vorständin der MAG Maschinen- und Apparatebau AG.

Dipl.-Ing. Christa Zengerer, Vorständin der MAG Maschinen- und Apparatebau AG: "Forschung sichert unser Überleben am Weltmarkt." (Foto MAG)
Dipl.-Ing. Christa Zengerer, Vorständin der MAG Maschinen- und Apparatebau AG: „Forschung sichert unser Überleben am Weltmarkt.“ (Foto MAG)

DI Christa Zengerer studierte Werkstoffwissenschaften an der Montanuniversität Leoben und ist Vorständin bei der MAG Maschinen- und Apparatebau AG, dem Weltmarkführer für Lackdrahtmaschinen. Etwas anderes als ‚Technisches‘ konnte sie sich nie vorstellen.

Weltmarkführer für Lackdrahtmaschinen
Lackdraht befindet sich in so gut wie jedem Gerät, das mit elektrischem Strom arbeitet – vom Handy bis zum Generator, vom Computer bis zu Elektromotoren. Seit mehr als 60 Jahren produziert das steirische Unternehmen MAG die weltweit hochwertigsten Lackdrahtmaschinen, die mit wenig Energie auskommen. Die MAG Maschinen- und Apparatebau AG entstand aus der Firma ELDRA, einem 1948 gegründeten, klassischen Lackdrahterzeuger. „Damals gab es keine Maschinenhersteller für Lackdrahtmaschinen, ELDRA setzte sich mit einem Team besonders damit auseinander – erst nur für ELDRA, und 1962 hat sich dann die MAG herausentwickelt und ist in den Lackdrahtmaschinenbau eingestiegen.“

Im Interview erzählt Vorständin DI Christa Zengerer: "Etwas anderes als ‚Technisches‘ konnte ich mir nie vorstellen." (Foto Reinhard Sudy)
Im Interview erzählt Vorständin DI Christa Zengerer: „Etwas anderes als ‚Technisches‘ konnte ich mir nie vorstellen.“ (Foto Reinhard Sudy)

Die in Gratwein geborene Steirerin Christa Zengerer wollte schon immer etwas ‚Technisches‘ studieren. „Dieser Wunsch war immer in mir und ich habe mich schon von Kindheit an mit technischen Dingen beschäftigt“, erzählt sie mir mit einem Lächeln. Einen alternativen ‚Traumjob‘ gab es für die engagierte 48-Jährige nie. „Ganz kurz gab es vielleicht einmal den Wunsch, Lehrerin zu werden, aber das war schnell vorbei“, lacht sie fröhlich. Nach ein paar Vorlesungen auf der TU Graz entschied sie sich aber für die Montanuniversität Leoben. „Mir gefiel das familiär geführte Umfeld dort und auch die große Nähe zur Praxis. Ich habe es keine Sekunde bereut, dort zu studieren.“ Damals begannen gemeinsam mit ihr 70 Personen das Studium Werkstoffwissenschaften, 25 haben es beendet, davon 2 von den anfangs 3 Frauen. „Mittlerweile hat sich das Frauenverhältnis geändert und es studieren jetzt wesentlich mehr Frauen in Leoben.“

Sie selbst empfand ihre Studienzeit insgesamt als sehr angenehm, sogar lustig und ist auch heute noch mit vielen Kollegen in engem Kontakt. Dass man es als Frau immer schwerer hat, kann sie nicht bestätigen. „Wenn man sich seinen Platz erkämpft und Respekt verschafft hat, hat man es in gewisser Weise sogar leichter.“

Studenten der Montanuniversität sind gefragt
Während ihrer Studienzeit arbeitete sie bereits in einem Sand- und Schotterwerk, wo auch ihr Vater beschäftigt war. „Nach dem Studium habe ich dann direkt bei der MAG begonnen.“ Christa Zengerer verrät, dass es nach Abschluss der Montanuniversität für jeden extrem viele Jobangebote gibt und Vertreter verschiedenster Firmen sozusagen Schlange stehen. Während viele ihrer Kollegen dann in großen Konzernen zu arbeiten begannen, entschied sie sich für die MAG. „Das kleinere, innovative Unternehmen mit überschaubarer Firmenstruktur, das international tätig ist und familiär geführt wird, hat mich fasziniert.“ Sie hat es nie bereut.

Christa Zengerer begann bei der MAG im Qualitätsmanagement. „Bereits nach drei Jahren hat man von Eigentümerseite erkannt, dass noch mehr Potential in mir steckt“, lacht die sympathische Vorständin, „seit 2003 bin ich Mitglied der Geschäftsleitung und seit 2010 im Vorstand, zusammen mit DI Gerald Pascher. Christa Zengerer ist für die Bereiche Technik, Produktion und Verkauf verantwortlich –„sein Bereich sind die Finanzen, der Rest gehört mir“, lacht sie.

Vorständin Dipl.-Ing. Christa Zengerer: "Ein Schwerpunkt des innovativen Unternehmens MAG ist die Forschung und Entwicklung. (Foto Reinhard Sudy)
Vorständin Dipl.-Ing. Christa Zengerer: „Ein Schwerpunkt des innovativen Unternehmens MAG ist die Forschung und Entwicklung. (Foto Reinhard Sudy)

Ein Schwerpunkt des innovativen Unternehmens ist die Forschung und Entwicklung. Interessant erzählt Christa Zengerer auch von den Konkurrenten, die in Italien und China sitzen. „Da diese aber keine Forschung und Entwicklung betreiben, kopieren sie ausschließlich von uns. Deshalb können wir unsere Existenz nur sichern, wenn wir immer einen Schritt voraus sind. Der Druck ist wirklich enorm groß, immer Neues zu präsentieren.“ Das passiert dann alle 2 Jahre auf der ‚Wire‘ in Düsseldorf, der weltweit wichtigsten Messe der Draht- und Kabelindustrie. Natürlich ist auch Betriebsspionage ein großes Thema für die Führungsverantwortlichen. 2005 z.B. stahlen sogar einige Mitarbeiter wichtige Unterlagen und versuchten, ein Konkurrenzunternehmen aufzubauen.

Stolz berichtet Christa Zengerer von der Entwicklung der ‚Mozart Zero‘, eine Lackdrahtmaschine zur Reduzierung des Energieverbrauchs bei der Fertigung. „Eigentlich ist sie ja schon alt, aber bisher hat es noch keiner geschafft, sie zu kopieren.“ Im Vergleich zu früheren Modellen kann sie damit jährlich so viel Strom sparen, wie 571 Haushalte verbrauchen. Ein weiterer Vergleich wäre, dass, wenn ein mittelgroßer Lackdrahterzeuger seinen gesamten Maschinenpark auf Mozart Zero umstellen würde, die Fabrik pro Jahr so viel Strom sparen könnte wie alle privaten Haushalte von Graz in einem Jahr verbrauchen. Für den ‚Mozart Zero‘ erhielten sie 2012 den Fast Forward Award und 2013 waren sie unter den Top 6 von über 600 Bewerbungen für den Staatspreis Innovation.

Christa Zengerer bezeichnet sich als ‚Teamplayer‘, alleine im stillen Kämmerlein zu arbeiten, konnte sie sich noch nie vorstellen (Foto Reinhard Sudy)
Christa Zengerer bezeichnet sich als ‚Teamplayer‘, alleine im stillen Kämmerlein zu arbeiten, konnte sie sich noch nie vorstellen (Foto Reinhard Sudy)

Teamplayer und Bauchentscheidungen 
Als Führungskraft setzt sie sich natürlich regelmäßig mit ihren Abteilungsleitern zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. „Teamorientierung ist ganz wichtig, aber natürlich muss es einen geben, der letztendlich entscheidet.“ Christa Zengerer bezeichnet sich als ‚Teamplayer‘, alleine im stillen Kämmerlein zu arbeiten, konnte sie sich noch nie vorstellen. Ausschlaggebend für ihren Erfolg sieht sie ihren inneren Antrieb und die Freude an ihrer Arbeit. „Und ich kann alles sehr gut auf das Wesentliche reduzieren, auch wenn etwas noch so kompliziert ist.“

Bei der Einstellung von Mitarbeitern ist ihr natürlich eine entsprechende Qualifikation wichtig, aber sie müssen auch teamfähig sein. „Ich entscheide mich grundsätzlich immer sehr schnell. Schon wenn ich jemanden sehe und kurz mit ihm spreche erkenne ich, ob es passt. Natürlich ist Manches nur anhand von Fakten zu entscheiden, aber grundsätzlich treffe ich Entscheidungen aus dem Bauch heraus.“

Ein Arbeitstag sieht bei ihr „eigentlich ganz normal aus. Ich bin kein Verfechter von extrem langen Arbeitstagen und habe einen relativ geregelten Ablauf. Ich beginne zwischen 6.30 und 7 Uhr und bin spätestens zwischen 16 und 18 Uhr weg. Ich habe kein Problem, meine Arbeit in dieser Zeit zu schaffen.“ Da die Kunden der MAG weltweit verstreut sind, ist Christa Zengerer auch sehr viel unterwegs, 1 bis 2 Wochen monatlich.  

Da die Kunden der MAG weltweit verstreut sind, ist Christa Zengerer auch sehr viel unterwegs, 1 bis 2 Wochen monatlich (Foto MAG)
Da die Kunden der MAG weltweit verstreut sind, ist Christa Zengerer auch sehr viel unterwegs, 1 bis 2 Wochen monatlich (Foto MAG)

Christa Zengerer privat
Christa Zengerer lebt mit ihrem Lebenspartner im Grazer Umfeld, Kinder hat sie keine. „Mein Job ist schon zeitintensiv, aber es lässt sich alles gut organisieren.“ Da auch ihr Partner beruflich sehr viel unterwegs ist, haben sie Verständnis füreinander und „wir müssen nur aufpassen, dass wir nicht zu oft zur selben Zeit beruflich weg sind“, schmunzelt sie. An den Wochenenden versucht sie aber konsequent, zu Hause zu sein.

Erfolg ist für die taffe Businessfrau mit Glück verbunden. „Wenn mir Dinge gelingen, die ich mir vornehme, beruflich wie auch privat, ist mein Erfolg mit einem Glücksgefühl verbunden.“ Christa Zengerer beschreibt sich selbst als sehr ungeduldig, mit einem guten Hausverstand und als sehr fröhlich. „Selbst in schwierigsten Verhandlungen muss ein Spaß eingebaut werden, auch wenn mein Gegenüber noch so ‚extra dry‘ ist“, lacht sie wieder.

Die Steirerin ist sehr sportlich, spielt Tennis und fährt gerne Ski. „Ich muss nicht gewinnen, messe mich aber gerne und werde gerne gefordert. Ich habe kein Problem zu verlieren, kämpfe aber bis zum Umfallen. Überhaupt bin ich der Überzeugung, dass man alles erreichen kann, dafür aber kämpfen muss. Ich gebe nie auf und mir fallen auch immer neue Lösungen ein.“ Social media nutzt sie nicht. „Ich bin sozusagen noch vom alten Schlag“, lacht sie wieder.

Für ihre Erholung hat Christa Zengerer einen Geheimort: Naxos. „Zweimal im Jahr bin ich dort und da kann ich 12 Stunden im Liegestuhl liegen und aufs Meer schauen." (Foto Reinhard Sudy)
Für ihre Erholung hat Christa Zengerer einen Geheimort: Naxos. „Zweimal im Jahr bin ich dort und da kann ich 12 Stunden im Liegestuhl liegen und aufs Meer schauen.“ (Foto Reinhard Sudy)

Für ihre Erholung hat sie einen Geheimort: Naxos. „Zweimal im Jahr bin ich dort und da kann ich 12 Stunden im Liegestuhl liegen und aufs Meer schauen.“ Ihr Handy ist zwar nicht ausgeschaltet, aber wird nur selten abgehoben. Erholung findet sie aber auch zu Hause in ihrem Garten – und das am besten mit einem ausgezeichneten Essen, einem guten Glas Wein und umgeben von lieben Freunden. „Ich war schon beinahe auf der ganzen Welt, aber ich bin sehr dankbar, dass ich in Österreich lebe. Es ist wirklich eines der schönsten Länder der Erde und wir schätzen gar nicht genug, wie gut es uns hier geht.“

Großes Beitragsfoto: Dipl.-Ing. Christa Zengerer ist Vorständin der MAG Maschinen- und Apparatebau AG (Foto MAG)

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