Ulrika Wedberg – Vorstandsvorsitzende bei WOLFRAM

Aus der Reihe „Frauen und Technik“ in Kooperation mit der Industriellenvereinigung Steiermark: Mag. Ulrika Wedberg.  Ulrika Wedberg ist seit 2009 Vorstandsvorsitzende bei WOLFRAM Bergbau und Hütten AG, jener steirischen Firma, die sie selbst zuletzt für den globalen Konzern SANDVIK ‚zukaufte‘.

Mag. Ulrika Wedberg ist seit 2009 Vorstandsvorsitzende bei WOLFRAM Bergbau und Hütten AG (Foto WOLFRAM)
Mag. Ulrika Wedberg ist seit 2009 Vorstandsvorsitzende bei WOLFRAM Bergbau und Hütten AG (Foto WOLFRAM)

Gemütlich bei einem Kaffee sitzend erzählt mir die gebürtige Schwedin, was sie in die Steiermark brachte, wie sie als Juristin in der ‚Technik-Welt‘ landete und wie es ihr als Führungsperson geht.

Sie ist Vorsitzende des Vorstandes bei WOLFRAM – einem strategisch sehr wichtigen Teil des globalen SANDVIK Konzerns. Das steirische Unternehmen ist ein weltweit führender Anbieter höchstwertiger Pulver auf Basis des Metalls Wolfram. Dieses wird zur Herstellung von Hightech-Komponenten in der Werkzeug-, Automobil-, Luftfahrt-, Energie-, Infrastruktur-, Elektronik- und Bergbauindustrie eingesetzt. Wolfram, das den höchsten Schmelzpunkt aller Metalle besitzt, kommt hauptsächlich bei der Herstellung von Hartmetallwerkzeugen zum Einsatz.

Ulrika Wedberg, eine gebürtige Schwedin, erzählt Hedi Grager, was sie in die Steiermark brachte und wie sie als Juristin in der ‚Technik-Welt‘ landete (Foto Reinhard Sudy)
Ulrika Wedberg, eine gebürtige Schwedin, erzählt Hedi Grager, was sie in die Steiermark brachte und wie sie als Juristin in der ‚Technik-Welt‘ landete (Foto Reinhard Sudy)

„Ich bin Schwedin, bin in Sundsvall aufgewachsen und habe auf der Universität Uppsala mit dem Jus-Studium begonnen. Beendet habe ich es 1996 in Regensburg in Deutschland, wo ich eine wirklich schöne Zeit verbrachte.“ Bis 1997 war Ulrika Wedberg hier als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität tätig, danach arbeitete sie ein Jahr lang in der Frankfurter Niederlassung einer schwedischen Kanzlei.“

1998 ging sie zurück nach Schweden, machte eine Referendarzeit und begann mit der Richterausbildung. „Die Arbeit beim Gericht zweiter Instanz war mir dann aber doch zu formell und als mir eine Freundin erzählte, dass SANDVIK eine Juristin mit Deutsch-Kenntnissen sucht, habe ich mich beworben und bekam die Stelle.“ Der SANDVIK Konzern teilt sich in drei Geschäftsbereiche: SANDVIK Material Technology, SANDVIK Mining and Rock Technology, dazu gehört auch eine Firma in Zeltweg, und SANDVIK Machining Solutions mit dem Hauptfokus auf Hartmetall-Werkzeuge für Maschinen, Autos, Windkraftwerke, Flugzeuge usw.

Mag. Ulrika Wedberg erklärt mir, dass man "für die Bearbeitung von Stahl Hartmetallwerkzeuge braucht, und dieses Hartmetall macht man aus Wolframkarbid und Kobalt (Foto Reinhard Sudy)
Mag. Ulrika Wedberg erklärt mir, dass man „für die Bearbeitung von Stahl Hartmetallwerkzeuge braucht, und dieses Hartmetall macht man aus Wolframkarbid und Kobalt (Foto Reinhard Sudy)

„Sehen Sie, für die Bearbeitung von Stahl braucht man Hartmetallwerkzeuge – und Hartmetall macht man aus Wolframkarbid und Kobalt. Und wir stellen hier Wolframkarbid her – so schließt sich die Kette“, erklärt mir Ulrika Wedberg. „Nach 6 Jahren als Unternehmensjuristin wollte ich aber wieder eine neue Herausforderung und wechselte zum Geschäftsbereich Machining Solutions von SANDVIK, wo ich die Business Development Abteilung leitete und u.a. zuständig für „Mergers und Acquisitions“ war, also dem Kauf und Verkauf von Unternehmen. Und die letzte Firma, die ich gekauft habe, war die Firma WOLFRAM Bergbau und Hütten AG, wo ich jetzt seit 2009 arbeite.“ Sie lächelt bei meiner Frage, wie es ihr in der Steiermark gefalle, und meint: „Sehr gut.“

'Normale' Arbeitstage gibt es bei Ulrika Wedberg keine. "Der Tag wird ja nie so, wie man es plant, aber so ist das Leben." (Foto WOLFRAM)
‚Normale‘ Arbeitstage gibt es bei Ulrika Wedberg keine. „Der Tag wird ja nie so, wie man es plant, aber so ist das Leben.“ (Foto WOLFRAM)

Einmal in einem technischen Umfeld zu arbeiten, damit rechnete Ulrika Wedberg eigentlich nicht. Und doch interessierte sie sich schon als Kind für technische Abläufe. So erzählt sie schmunzelnd: „Als Kind hatte ich ein Buch ‚So funktioniert es‘. Darin war beschrieben, wie z.B. Strom ins Haus kommt, wie Wasserleitungen funktionieren usw. Das alles war für mich schon faszinierend. Und auch bei SANDVIK, das von technischen Innovationen lebt, muss man als Juristin natürlich versuchen, gewisse Dinge zu verstehen, denn Verträge müssen das reflektieren, was die Geschäftsleute wollen. Es hat mir viel Spaß gemacht und ich habe viel dabei gelernt.“

Sehr offen erzählt sie weiter: „Die größte Herausforderung für mich war es anfangs zuzugeben, dass ich etwas nicht verstehe. Aber das lernt man nach einer Weile und mit einer gewissen Reife, jetzt lasse ich mir alles erklären.“

"Ich hatte immer das Glück, von Vorgesetzten unterstützt zu werden und in Schweden immer Chefs hatte, die an mich glaubten.“ (Foto Reinhard Sudy)
„Ich hatte immer das Glück, von Vorgesetzten unterstützt zu werden und in Schweden immer Chefs hatte, die an mich glaubten.“ (Foto Reinhard Sudy)

Die ‚Probleme‘, in einer männer-dominierten Welt zu arbeiten, kennt sie. „In der juristischen Abteilung waren wir mehr Frauen, aber ich habe auch Männer mit herablassender Einstellung zu Frauen erlebt. Ich selber hatte eigentlich immer das Glück, unterstützt zu werden und in Schweden immer Chefs hatte, die an mich glaubten.“ Eine Frau als Chef hatte sie aber noch nie. Neben ihr sind bei der WOLFRAM in mehreren anderen Bereichen ebenso Frauen in Führungspositionen. Und natürlich arbeiten Frauen in den verschiedensten Abteilungen des Unternehmens.

Nach einem ‚normalen‘ Tag befragt meint sie: „Der Tag wird ja nie so, wie man es plant, aber so ist das Leben. Ich fahre morgens eine Stunde nach St. Martin im Sulmtal, – wenn ich nicht Kunden, Lieferanten oder die Einheit in Indien besuche – checke meine Mails, bin in Meetings mit verschiedenen Mitarbeitern oder arbeite verschiedene Themen ab“ Ulrika Wedberg pflegt einen Führungsstil der offenen Tür. Bei Konflikten ist es der bodenständigen Führungskraft wichtig, diese rasch, konkret und offen anzusprechen.

"Auch wenn die Produkte von WOLFRAM keine unmittelbaren Verbraucherprodukte sind, arbeitet die Firma immer mehr mit social media, einfach um Präsenz zu zeigen", erklärt die Vorstandsvorsitzende Ulrika Wedberg (Foto WOLFRAM)
„Auch wenn die Produkte von WOLFRAM keine unmittelbaren Verbraucherprodukte sind, arbeitet die Firma immer mehr mit social media, einfach um Präsenz zu zeigen“, erklärt die Vorstandsvorsitzende Ulrika Wedberg (Foto WOLFRAM)

Auch wenn die Produkte von WOLFRAM keine unmittelbaren Verbraucherprodukte sind, arbeitet die Firma immer mehr mit social media, einfach um Präsenz zu zeigen. Wenn es um das Finden von Mitarbeitern geht, arbeitet WOLFRAM eng mit der TU in Wien zusammen. „Wir holen auch Lehrlinge herein und werden verstärkt in Schulen gehen, um hier Interesse für das Element Wolfram zu wecken.“

Die Mutter eines fünfjährigen Sohnes war früher sehr viel vor allem in Rohstoffländern unterwegs. „Das war schon toll, aber das versuche ich jetzt natürlich meiner Familie zuliebe einzuschränken.“ Von ihrem Mann erhält sie sehr viel Unterstützung. „Er ist Schwede, arbeitet auch bei SANDVIK und ist mit mir nach Österreich gegangen. Er hat einen großen Anteil am Familienleben getragen, war nach der Geburt unseres Sohnes ein Jahr zu Hause. Ich ging nach 10 Monaten wieder arbeiten. Im Gegensatz zu Österreich gibt es in Schweden viele Väter, die zu Hause bleiben.“

Wenn sie beruflich in Schweden zu tun hat, besucht Ulrika Wedberg gerne ihre Mutter, Schwester mit Familie und Freunde. „Öfters kommen sie aber zu uns.“

Sie lacht, als ich sie bitte, sich mit drei Worten zu beschreiben. „Ich wusste ja, dass Sie mir diese Frage stellen und habe meine Antwort an meinem Mann getestet. Und er hat zugestimmt bei zielstrebig, neugierig und freundlich.“

Ulrika Wedberg ist Sport sehr wichtig. "Ich laufe sehr gerne und bin 2015 den Grazer Halbmarathon und 2016 den New York Marathon gelaufen (Foto Reinhard Sudy)
Ulrika Wedberg ist Sport sehr wichtig. „Ich laufe sehr gerne und bin 2015 den Grazer Halbmarathon und 2016 den New York Marathon gelaufen (Foto Reinhard Sudy)

Sehr wichtig ist ihr Sport. „Ich laufe sehr gerne und bin 2015 den Grazer Halbmarathon und 2016 den New York Marathon gelaufen. Das war zwar sehr anstrengend, aber ich bin durchgekommen. Laufen ist für mich ein wunderbarer Ausgleich, laufen ohne Ziel ist fast wie Meditation.“ Gemeinsam mit ihrem Mann fährt sie gerne Ski, reist und trifft Freunde. „Ich shoppe auch gerne, nur zu selten“, schmunzelt sie wieder fröhlich. Haustiere hat sie keine. „Wir haben einen Roboter für den Rasen, das ist unser Haustier“, lacht sie wieder.

Sie verrät mir noch, dass sie eine große Naschkatze ist. Zu Hause kocht ihr Mann. „Wir essen zweimal warm, mittags und abends und er kocht gerne und gut.“ Wie bei den Schweden üblich, gibt es jeden Freitag mexikanische Taccos. „Dabei kann man gemütlich zusammensitzen und Kinder mögen das sehr gerne.“

Ulrika Wedberg fühlt sich in Graz sehr wohl. „Es ist eine tolle Stadt zum Leben.“ Für die Zukunft wünscht sie sich natürlich Gesundheit. „Ich liebe meinen Job – eigentlich kann alles so bleiben wie es ist.“

Großes Beitragsfoto: Mag. Ulrika Wedberg, Vorstandsvorsitzende der  WOLFRAM Bergbau und Hütten AG (Foto WOLFRAM)

 

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