Schauspieler Philipp Hochmair liebt Extrem-Rollen

Philipp Hochmair ist am 17. Juli auf den Grazer Kasematten in "Jedermann Reloaded" zu sehen. (Foto Reinhard Sudy)Philipp Hochmair schlüpft in all seine Rollen mit einer unglaublichen Leidenschaft und Kraft. Das wird er auch am 17. Juli wieder machen, wenn er auf den Grazer Kasematten in Jedermann Reloaded zu sehen und vor allem zu hören sein wird. Veranstaltet wird dieser großartige Abend von Isabella Holzmann, Agentur Holzmann, die Philipp Hochmair auch schon im Greith-Haus begrüßen konnte, und der Grazer Spielstätten GmbH.

Großartige Vorstellung von Philipp Hochmair mit "Jedermann Reloaded" im Greith Haus. (Foto Ulrike Rauch)
Großartige Vorstellung von Philipp Hochmair mit „Jedermann Reloaded“ im Greith Haus. (Foto Ulrike Rauch)

Im Greith-Haus konnte ich Philipp Hochmair & Die Elektrohand Gottes erleben und auch wenn das schon einige Zeit her ist, bleibt mir seine großartige Darstellung und seine Bühnenpräsenz unvergessen.

Ich hatte damals das Glück, dass Philipp Hochmair sich vor seinen abendlichen Vorstellungen etwas Zeit zum Plaudern mit mir nahm, obwohl er direkt von einem Dreh in Prag kam und auch schon um 5 Uhr morgens wieder zu Dreharbeiten für „Blind“ in Wien abgeholt wurde. Ich erlebte einen sehr relaxten Schauspieler, leger gekleidet und barfuß, als wir uns ein ruhiges Platzerl für unser Gespräch suchten. Von meinen bisherigen Treffen bei Events kannte ich ihn eher als extrem quirlig. „Ach weißt Du, wenn viel los ist, will man etwas draus machen, sozusagen auf den Wellen reiten“, meinte er dazu.

Interview mit dem großartigen Schauspieler Philipp Hochmair vor seinem Auftritt als "Jedermann" im Greith-Haus. (Foto Reinhard Sudy)
Interview mit dem großartigen Schauspieler Philipp Hochmair vor seinem Auftritt als „Jedermann“ im Greith-Haus. (Foto Reinhard Sudy)

Vom Theater zum Film
Auf seine Nominierung für die Romy 2019 und seine Auszeichnung als „Bester Darsteller“ bei der Diagonale Graz angesprochen, meint der 45-Jährige bescheiden: „Ich habe noch nicht so viele Auszeichnungen erhalten, aber natürlich freut man sich, wenn die Arbeit wahrgenommen und man gelobt wird. Gerade die Vorstadtweiber und Blind waren für mich große Etappen in meinem Leben. Ich komme aus dem Theater, und es war das erste Mal, dass Theatererfahrung gebraucht wurde, also im großen Bogen zu denken wie in der Blind-Geschichte. Die Staffel Vorstadtweiber dreht ja nicht chronologisch sondern kreuz und quer. Deshalb war es schon schwierig, die Darstellung der Entwicklung meiner immer schlimmer werdenden Rolle in den 10 Folgen der 3. Staffel hinzubekommen. Das war für mich ein weiter Weg und es hat mich schon sehr gefreut, dass das jetzt auch gelobt wird.“

Philipp Hochmair wurde als „Bester Darsteller“ bei der Diagonale Graz ausgezeichnet und erhielt 2019 eine Romy. (Foto Reinhard Sudy)
Philipp Hochmair wurde als „Bester Darsteller“ bei der Diagonale Graz ausgezeichnet und erhielt 2019 eine Romy. (Foto Reinhard Sudy)

Ich konfrontiere Philipp mit den Bezeichnungen, mit denen ihn Medien beschreiben: Spielwütiger, Sprechvirtuose oder auch Rampensau. „Rampensau ist undefiniert“, kommt es etwas nachdenklich. Aber wenn man es positiv sieht, auf jeden Fall. Ich finde es lustig, wenn etwas passiert.“

Philipp Hochmair‘s Ursprung ist das Theater. „Die Erfahrung, die ich da machen konnte, in komplexen Rollen, an tollen Häusern und mit tollen Kollegen, konnte ich beispielsweise bei den Vorstadtweibern wundervoll einsetzen. Ich komme gerade direkt vom Set aus Prag, wo ich mit Marvin Krenn die große Netflix Serie Freud gedreht habe. Gestern Mitternacht war Drehschluss und jetzt bin ich hier. Den Abend hier im Greith Haus zu gestalten, ist eine Extremerfahrung, denn die Menschen sitzen bis an die Bühnenkante, alles ist getreten voll. Das ist irgendwie ein schön sprudelnder Vorgang, und was ich hier austesten und fühlen kann, kann ich dann wieder vor der Kamera einsetzen. Mein Soloprogramm finde ich eine schöne Abwechslung und alles, was man in Kombination machen kann, finde ich spannend und erfrischend.“

"Mein Soloprogramm Jedermann Reloaded finde ich eine schöne Abwechslung zum Film und zum Theater,“ meint Philipp Hochmair. (Foto Reinhard Sudy)
„Mein Soloprogramm Jedermann Reloaded finde ich eine schöne Abwechslung zum Film und zum Theater,“ meint Philipp Hochmair. (Foto Reinhard Sudy)

Neugierig frage ich ihn, wie lange er mit der Antwort gebraucht hat, als er angefragt wurde, für den erkrankten Tobias Moretti den Jedermann zu spielen. „Eine Sekunde“, lacht er. „Ich hatte aber schon Lampenfieber“, erklärt er sehr offen, „die Freude kam erst ein halbes Jahr später, würde ich sagen. Man wird da in eine Krisensituation katapultiert und muss diese lösen. Ich habe mich eher als einen Spezialisten gesehen, der eine Notlandung machen muss“, schmunzelt er,  gibt aber zu, dass beim Applaus schon Freude aufkam. „Aber bevor das überhaupt geschafft war, war es Konzentration, eine große Stille. Es ist irgendwie unvorstellbar, was man da macht, und wenn es langsam vorstellbar wird, kann man sich freuen, dass es geklappt hat, und dass es nur Sieger gab. Tobias wurde ja bald gesund und machte es erfolgreich weiter.“

Philipp Hochmair & Die Elektrohand Gottes genießen den Applaus nach ihrer Vorstellung im Greith-Haus. (Foto Ulrike Rauch)
Philipp Hochmair & Die Elektrohand Gottes genießen den Applaus nach ihrer Vorstellung im Greith-Haus. (Foto Ulrike Rauch)

Gute Kunst schafft gute Energie
Ich spreche ihn auf einen seiner Aussprüche an, dass gute Kunst gute Energie schafft. Aber was ist gute Kunst? „Das weiß ich nicht, es ist immer ein Experiment, das man vorher nicht kennt. Die Musiker meiner Band und ich haben uns gefunden. Das Greith Haus hat mich gesucht, und jetzt sind wir hier, auch wenn wir dafür einiges verschieben mussten. Und plötzlich gibt es einen guten Spirit. Wenn man locker sein darf, schauen darf, wo Impulse sind, dann entsteht auch etwas Gutes. In der Schauspiel-Schulklasse haben Brandauer und ich zusammen improvisiert, ohne Regeln. Das hat mir so gefallen, dass man sich einfach in eine so positive Energie bringt, mit so positiver Energie arbeiten kann und dieser Strom einen irgendwohin spült. Man weiß oft vorher nicht, wie es ausgehen wird und das ist auch gut so.“

Seine Rolle als Kommissar in "Blind" ist eine weitere extreme Erfahrung für den großartigen Schauspieler Philipp Hochmair. (Foto Reinhard Sudy)
Seine Rolle als Kommissar in „Blind“ ist eine weitere extreme Erfahrung für den großartigen Schauspieler Philipp Hochmair. (Foto Reinhard Sudy)

„Blind“
Seine Rolle als Kommissar in Blind ist eine weitere extreme Erfahrung für den großartigen Schauspieler. „Es ist eine Erfahrung, die man selbst nicht haben kann, deshalb sucht man  Berührungspunkte im eigenen Leben. Er ist ja auch ein gejagter Typ, der nach Heilung sucht, sich Extremsituationen aussetzt – um dann auch Extremcharaktere spielen zu können. Morgen werde ich übrigens schon um 5 Uhr in Wien abgeholt für weitere Dreharbeiten.“ Schlaf wird bei Philipp anscheinend überbewertet. 

Erholen kann er sich beim Spazieren gehen oder gemeinsam mit seiner Band. „Spielen ist ein Extremsport. Ich mache daher Yoga und interessiere mich auch sehr für die ayurvedische Ernährung und Lebensart. Ich esse aber schon auch Fleisch, um Kraft zu haben. Es ist absolut nicht einfach“, gibt er offen zu, „aber ich habe das Glück, dass ich keine 5-köpfige Familie ernähren, einen Urlaub planen oder mit dem Hund spazieren gehen muss. Ich kann mich meiner Arbeit voll zur Verfügung stellen, und im Moment sprudelt es auch sehr lebendig, ich bin wirklich in einer glücklichen Situation.“

Der großartige und vielseitige Schauspieler Philipp Hochmair ganz entspannt im Interview vor seinem Auftritt im Greith-Haus. (Photo Reinhard Sudy)
Der großartige und vielseitige Schauspieler Philipp Hochmair ganz entspannt im Interview vor seinem Auftritt im Greith-Haus. (Photo Reinhard Sudy)

Durst nach anderen Rollen verspüre er momentan nicht, meint er. „Diese Extremrollen, zwischen denen ich gerade switche, sind so interessant, geben mir eine super Energie und die möchte ich gerne genießen und bewusst erleben, was gerade passiert.“

Es ist für mich spürbar, wie sehr Philipp Hochmair Freude daran hat, zwischen seinen Extremrollen zu wechseln. „Das ist ja das Spannende daran. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich heute eine so gute Laune habe, denn ich habe kaum geschlafen. Aber das lädt auch auf. Ich unterhalte mich gerne mit dir, fühle mich hier wohl. Es sind so nette Leute hier und es gibt wunderbare steirische Produkte zu essen. Ich hatte auch ein tolles Telefonat mit Gerhard Roth, seine Tochter hat ja das Projekt in Prag umgesetzt und so schließt sich der Kreis – und solche Zusammenhänge freuen mich.“

Sollte er einmal genug von seinem „Extrem-Leben“ bekommen, möchte er Bauer im Innviertel werden, erzählt mir Philipp Hochmair im Interview. (Foto Reinhard Sudy)
Sollte er einmal genug von seinem „Extrem-Leben“ bekommen, möchte er Bauer im Innviertel werden, erzählt mir Philipp Hochmair im Interview. (Foto Reinhard Sudy)

Sollte Philipp Hochmair einmal genug von seinem „Extrem-Leben“ bekommen, möchte er Bauer im Innviertel werden. „Das ist für mich eine Traumvorstellung, mit Tieren zu leben. Im Moment zwar nicht realisierbar, aber eine schöne Traumvorstellung.“

Vita Philipp Hochmair, geboren 1973 in Wien
Schauspielstudium am Max-Reinhardt-Seminar in Wien (Meisterschüler von Klaus Maria Brandauer) sowie am Conservatoire National Supérieur d’Art Dramatique in Paris.
2003-2009 Protagonist am Wiener Burgtheater (Aufnahme in die dortige Ehrengalerie).
2009-2016 Ensemblemitglied am Hamburger Thalia Theater.
Wichtigste Rollen: Mephisto, Dorfrichter Adam, Jedermann, Torquato Tasso. Diverse Uraufführungen von Peter Handke und Elfriede Jelinek.
Im Sommer 2018 sprang Philipp Hochmair erfolgreich für den erkrankten Tobias Moretti als Jedermann bei den Salzburger Festspielen ein.
Philipp Hochmair ist Darsteller in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen. Unter anderem Golo Mann in Die Manns – Ein Jahrhundertroman (Heinrich Breloers), Die Vaterlosen (Marie Kreutzer), Der Glanz des Tages (Tizza Covi, Rainer Frimmel), Die Auslöschung (Nikolaus Leytner), Kater (Händel Klaus) und Tiere (Greg Zglinski).
Größere Bekanntheit erlangt er als Minister Schnitzler in der ORF/ARD-Serie Die Vorstadtweiber. 
2018 fungierte Philipp Hochmair als Testimonial für die „Know your Status“-Kampagne des Vereins Life+ (Life Ball). Im November 2018 trat Philipp Hochmair mit seinem Rock-Spektakel „Jedermann Reloaded“ im ausverkauften Wiener Stephansdom auf. Der Erlös dieser karitativen Aktion kam einem südafrikanischen Aids-Hospiz zugute. 
In der Krimi-Serie Blind ermittelt mimt er den blinden Kommissar Alexander Haller in der Hauptrolle. 
2019 gewinnt Philipp Hochmair mit der Romy den Österreichischen Publikumspreis in der Kategorie „Beliebtester Schauspieler“. 
Hochmair tourt national und international mehrsprachig mit seinen Soloprojekten Werther! (nach Goethes Briefroman), Prozess (nach Franz Kafka), Amerika (nach Franz Kafka).  Jedermann Reloaded ist Hochmairs Rockkonzert-Variante von Hofmannsthals ‚Jedermann’ mit seiner Band Elektrohand Gottes). Im November 2018 erschien das Rock-Spektakel auf CD, LP und auf iTunes und Spotify.

Großes Beitragsfoto: Philipp Hochmair in „Jedermann Reloaded“ im Greith-Haus (Foto Ulrike Rauch)

www.philipphochmair.com   
www.jedermann-reloaded.de

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