Gwendolin Szyszkowitz–Schwingel: Herzensprojekt Lugau City Lights

Für die erfolgreiche Filmproduzentin Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel hat sich jetzt mit „Lugau City Lights“ ein Herzensprojekt verwirklicht. (Foto Christian Jungwirth)Für die erfolgreiche Filmproduzentin im Bereich Unternehmens-, Animations- und Dokumentarfilme Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel hat sich jetzt mit „Lugau City Lights“ ein Herzensprojekt verwirklicht. 

Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel ist eine erfolgreiche Filmproduzentin im Bereich Unternehmens-, Animations- und Dokumentarfilme. (Foto Christian Jungwirth)
Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel ist eine erfolgreiche Filmproduzentin im Bereich Unternehmens-, Animations- und Dokumentarfilme. (Foto Christian Jungwirth)

Ich traf ‚Gwen‘ erstmalig vor einigen Jahren in Berlin. Damals führte sie gemeinsam mit ihrer Cousine Barbara Wressnig ihre erfolgreiche Pony Productions Television & Film GmbH. Als sie dann 2014 Berlin verließ, „habe ich quasi ein Jahr lang geweint“, verrät sie mir bei unserem jüngsten Treffen in Graz, wo sie gerade Kurzurlaub bei der Familie machte. „Der Grund war ganz profan, es war die Arbeit meines Mannes. Er bekam das Angebot, die ARD Degeto, eine Tochterfirma der ARD in Frankfurt, als Redaktionsleiter zu gestalten. Diese Chance bekam er von der Medienmanagerin Christine Strobl, der Tochter von Wolfgang Schäuble, selbst eine sehr erfahrene Fernsehmanagerin. Und das ist so ein Moment im Leben eines Fernsehmachers, in dem mein Mann einfach nur ja sagen konnte, lächelt Gwen. „Dafür musste er aber vor Ort sein und so ging es vor 5 Jahren Richtung Frankfurt. Diese Stadt ist schon faszinierend. Aber da ich ja Islandpferde liebe, suchte ich einfach den Ort in der Umgebung, wo es das beste Islandpferde-Gestüt gab“, lacht Gwen wieder fröhlich. „Und so wurde Bad Homburg unser neues Zuhause, eine Kurstadt am Taunus mit toller Infrastruktur. Und sie erinnert mich an Graz.“

Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel liebt Island-Pferde, hier mit 'Hrafn vom Schlossberg'. (Foto Christian Jungwirth)
Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel liebt Island-Pferde, hier mit ‚Hrafn vom Schlossberg‘. (Foto Christian Jungwirth)

Auf meine Frage, ob sich ihre Arbeit eigentlich geändert habe, antwortet sie mit ‚Jein‘. „Ich habe noch ein Jahr lang probiert, die Pony Productions in Berlin mit meiner Cousine ‚Babsi‘ weiter zu führen. Aber meine Tochter war damals zwei und es war einfach zuviel. So gründete ich 2015 mein Unternehmen Wilde.Stein.“ Sie lacht, als sie meinen Blick sieht, und erklärt mir: „Wilde.Stein war ein Rastplatz auf der A5, an dem ich am Weg nach Berlin immer vorbeigefahren bin. Das fand ich cool. Nun werde ich manchmal als Frau Wilde oder Frau Stein angesprochen“, erzählt sie humorvoll.

Ihre Produktionsfirma ist die einzige in Bad Homburg, „und die Menschen hier finden das total spannend. Sonst gibt es hier ‚nur‘ Kurkliniken.“ Auf meine Frage, ob sie schon Ehrenbürgerin sei, meint sie schmunzelnd: „Das strebe ich noch an.“ Für ihre Firma sei es sehr gut, dass das Rhein-Main-Gebiet nur eine überschaubare Kreativszene hat. „Ich bin froh und glücklich, dass meine Firma hier so gut angekommen ist, ich hier viel weniger Konkurrenz als in Berlin habe und viel produzieren kann.“ Dafür holt sie sich aus ihrem Netzwerk gerne RegisseurInnen und Kameramänner bzw. Frauen aus Berlin nach Bad Homburg.

Wilde.Stein hat eigentlich zwei Standbeine. „Das sind einmal die Unternehmens- und Dokumentarfilme, also klassische Filme. Wir machen mittlerweile viele Reportagen. Das Motto ist immer ‚Der Mensch im Mittelpunkt‘. Das zweite Standbein ist die Berichter-stattung über Filme auf social media. Auch Filme haben jetzt die Möglichkeit, sich über social media zu präsentieren, und das in Form von Trailern und Ankündigungen. Wir bewerben Filme unsere Kunden innerhalb der social media Welt, die eine große Chance ist und um die man einfach nicht mehr herumkommt.“

Das Team von LUGAU CITY LIGHTS (Foto mdr / Sabine Panossian)
Das Team von LUGAU CITY LIGHTS (Foto mdr / Sabine Panossian)

Filmbranche im Umbruch
Gwen ist jetzt schon seit 20 Jahren in der Branche tätig. Auf die größte Veränderung angesprochen meint sie: „Das sind zwei Dinge. Auf der einen Seite es ist unglaublich, wie die Technik sich verändert hat. Früher konntest du eigentlich keine eigenen Filme machen, denn eine gute Kamera und der Schnittplatz waren so gut wie unbezahlbar. Mittlerweile kannst du Kameras und Schnittpro-gramme kaufen und auch mit einem Handy drehen. Jeder Mensch, der sich interessiert, ist also in der Lage, selbst Filme zu machen. Was aber andererseits wichtiger wird, ist die Kreativität. Die Technik ist einfacher und leistbarer geworden, dafür wurden Regie und Redaktionsleistung umso wichtiger. Hier braucht man Know How, Erfahrung und natürlich Talent zum Geschichten-erzählen. Das macht den Unterschied.“

Gwen erklärt weiter, wie wichtig in ihrem Bereich auch der Umgang mit Menschen sei. „Es gibt sehr kreative Menschen, aber wenn ihnen die social skills fehlen, kann ich nicht mit ihnen arbeiten.“

Für die Filmemacherin Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel ist der Umgang mit Menschen sehr wichtig: "Wir machen mittlerweile viele Reportagen. Das Motto ist immer ‚Der Mensch im Mittelpunkt‘. (Foto Wilde.Stein)
Für die Filmemacherin Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel ist der Umgang mit Menschen sehr wichtig: „Wir machen mittlerweile viele Reportagen. Das Motto ist immer ‚Der Mensch im Mittelpunkt‘. (Foto Wilde.Stein)

Massiv habe sich auch verändert, dass auf mehreren Kanälen gearbeitet wird. Für die Film- und Fernsehbranche sind Amazon und Netflix ein Schock gewesen, gleichzeitig sind sie aber auch ein ‚Golden Age‘. „Ich war Anfang des Jahres in der Berliner Konzernzentrale von Facebook, die fangen ebenfalls an zu produzieren, und aktuell werden schon erste Serien gedreht. Das ist für uns Filmemacher natürlich sehr interessant und wir können in Zukunft für weitere Kunden arbeiten und produzieren.“

Es ist wirklich spürbar, wieviel Spaß Gwen ihr Job macht. „Oh, ja“, lacht sie. „Menschen sind ein zentrales Thema und ich finde, dass sich in meiner Branche und auf dieser Welt so wahnsinnig tolle Menschen aufhalten. Ich bin so froh über diese ‚verrückten‘ Kreativen, die das Leben so aufregend machen.“ Begeistert schwärmt sie weiter: „Ich liebe nichts mehr, als einen Anruf zu bekommen, dass ich beispielsweise am nächsten Tag auf der Islandpferde Weltmeisterschaft drehen muss, und ich sagen kann, kein Problem, ich bin da. Das liebe ich wirklich, denn es ist nicht 9 to 5, es sind keine Themen, die sich wiederholen, sondern ich lerne immer wieder neue Aufgabenbereiche, Geschichten und Menschen kennen – eigentlich wie bei Dir. Und das ist immer wieder neue Inspiration. So beginnen jetzt die Dreharbeiten zu einem Film über das letzte aktive Bergwerk im Schwarzwald. Da verbringe ich eine Woche mit den Kumpels unter Tage, darauf freue ich mich schon wahnsinnig, denn ich habe keine Ahnung von dieser Welt und kann so in sie eintauchen.“

"Lugau City Lights passt heuer zum Jubiläum ‚30 Jahre Mauerfall‘", erklärt Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel. "Es ist wirklich mein Baby, weil ich diese wahre Geschichte so faszinierend finde." (Foto Wilde.Stein)
„Lugau City Lights passt heuer zum Jubiläum ‚30 Jahre Mauerfall‘“, erklärt Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel. „Es ist wirklich mein Baby, weil ich diese wahre Geschichte so faszinierend finde.“ (Foto Wilde.Stein)

Alexander Kühne und Lugau City Lights
Jetzt komme ich auf ihr neuestes Baby zu sprechen. „So neu ist es gar nicht, es wurde schon 2017 produziert, passt aber heuer zum Jubiläum ‚30 Jahre Mauerfall‘. Es ist wirklich mein Baby, weil ich diese Geschichte so faszinierend finde. Alexander Kühne, ein guter Bekannter, sagte mir 2016, dass er ein Buch geschrieben hat und ich möge es lesen. Es war eine autobiografische Geschichte und ich war von den Socken. Es geht darum, etwas trotz aller Widerstände zu machen. Er wollte eine Disco in seinem Heimatdorf Lugau machen, was natürlich nicht ging, weil es wie so gut alles in der DDR verboten war – aber er machte es trotzdem. Diese wirkte wie ein Magnet für viele Menschen in der damaligen DDR. Wie gesagt, eigentlich unmöglich und trotzdem funktionierte es.“ Voller Energie erzählt Gwen weiter: „Die Idee zum Dokumentarfilm kam von mir und ich bin auch wahnsinnig stolz darauf. Ich hatte schon zwei Dokus für den MDR über Helene Fischer und das Leben von Jan Josef Liefers in der DDR gemacht. Ich habe aber bei der Beschäftigung mit der Thematik festgestellt, dass die Geschichte von Alexander Kühne noch viel realistischer und näher am DDR-Leben war. So führte Jan Josef Liefers dort ein eher privilegiertes Leben in der Stadt, Alexander Kühne hingegen war Kohlearbeiter am Land. Da gab es schon große Unterschiede und das hat mich sehr fasziniert. Dieses Projekt, über Jahre einen Underground Musikclub vorbei am Regime zu führen, verkaufte sich dann auch sehr schnell“, schmunzelt sie.

Dokumentarfilm "LUGAU CITY LIGHTS - Ein DDR-Dorf schreibt Popgeschichte" produziert von Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel. (Foto Wilde.Stein)
Dokumentarfilm „LUGAU CITY LIGHTS – Ein DDR-Dorf schreibt Popgeschichte“ produziert von Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel. (Foto Wilde.Stein)

Gwen fuhr mit Alexander Kühne nach Lugau. „Kleiner kann ein Dorf nicht sein, eine Kirche ohne Gottesdienst, kein Geschäft, es ist nichts mehr dort. Aber es steht noch diese Gaststätte, wo früher die Parties stattgefunden haben. Und Frank Liebscher, einer aus dieser alten Clique, öffnet diese auch heute noch an 3 Tagen in der Woche. Dann sitzen da 2 bis 3 Menschen und trinken ihr Bier. Ab du an finden auch Konzerte oder Parties statt – immer gut besucht. Es ist wirklich unglaublich, dass es diesen Ort noch gibt, nach all den Jahren, wo kaum jemand noch dort lebt. Ich habe mir gesagt, dass wir nicht nur bekannte Künstler wie ‚Rammstein‘ sondern auch die Menschen von damals wieder dorthin bringen müssen.

LUGAU CITY LIGHTS - Ein DDR-Dorf schreibt Popgeschichte wird am 21. November um 23:35 Uhr im MDR ausgestrahlt. (Foto Wilde-Stein)
LUGAU CITY LIGHTS – Ein DDR-Dorf schreibt Popgeschichte wird am 21. November um 23:35 Uhr im MDR ausgestrahlt. (Foto Wilde-Stein)

Anfang August 2019 war es soweit und 500 Menschen kamen und feierten mit uns die Welturaufführung von „Lugau City Lights“.“ Sie kann es noch immer nicht ganz nachvollziehen, woher alle kamen. „Es gibt wohl immer noch ein Netzwerk von Punkern und Musikern, die sich an den Ort erinnern und einfach dem Ruf gefolgt sind. Es lagen sich an diesem Abend Menschen in den Armen, die sich seitdem nicht wieder gesehen haben und auch das erste Mal wieder nach Lugau zurück gekehrt sind. Das Glücksgefühl lässt sich schwer in Worte fassen…“

Mit ihrer Schwester Aglaia, eine erfolgreiche Schauspielerin, wird Gwendolin jetzt ein Kinderbuch veröffentlichen. "Ein schönes Projekt mit dem großartigen Grazer Fotografen Christian Jungwirth." (Foto privat)
Mit ihrer Schwester Aglaia, eine erfolgreiche Schauspielerin, wird Gwendolin jetzt ein Kinderbuch veröffentlichen. „Ein schönes Projekt mit dem großartigen Grazer Fotografen Christian Jungwirth.“ (Foto privat)

Reich an Erfahrung und Blick in die Zukunft
Gwen wurde letztes Jahr 40. „Es ist ein gutes Alter, denn man hat einiges an Erfahrung gesammelt und das genieße ich sehr. Der Film Lugau City Lights ist ein bisschen mein Meisterstück. Weißt Du, es dauert, bis man ‚Fernsehen machen kann‘ und ich finde es spannend, diese Erfahrungen in neue Projekte umzusetzen, die ich in den 20 Jahren gesammelt habe.

In einem Kinder-Film, den sie gemeinsam mit ihrer Schwester Aglaia macht, geht es um Freiheit unter dem Motto ‚Sei frech und wild und wunderbar‘, frei nach Astrid Lindgren. Im Bild das Team vom Szyszkowitz - Kinderbuch. (Foto Christian Jungwirth)
In einem Kinder-Film, den sie gemeinsam mit ihrer Schwester Aglaia macht, geht es um Freiheit unter dem Motto ‚Sei frech und wild und wunderbar‘, frei nach Astrid Lindgren. Im Bild das Team vom Szyszkowitz – Kinderbuch. (Foto Christian Jungwirth)

Ich möchte in Zukunft mehr in Österreich machen. Auch mit meiner Schwester Aglaia werde ich ein Filmformat produzieren.“ Mit ihr wird sie jetzt im Eigenverlag auch ein Kinderbuch veröffentlichen, ein schönes Projekt mit dem Fotografen Christian Jungwirth. „Im Film geht es um Freiheit unter dem Motto ‚Sei frech und wild und wunderbar‘, frei nach Astrid Lindgren. „In eine Gruppe von Kindern spielen unsere eigenen mit, die Abenteuer auf dem Pferdehof erleben, und das ohne Sonnenschutzmilch“, lachte sie.

Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel findet, dass "40 ist ein gutes Alter, denn man hat einiges an Erfahrung gesammelt und das genieße ich sehr." (Foto Christian Jungwirth)
Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel findet, dass „40 ist ein gutes Alter, denn man hat einiges an Erfahrung gesammelt und das genieße ich sehr.“ (Foto Christian Jundwirth)

Familienleben
Gwen hat zwei Töchter, Lola ist 7 und Louise fast 3, die ganztags betreut sind. „Aber ich hole sie zwischen 3 und 5 Uhr nachmittags, dann mache ich mein Handy aus und erst, wenn sie um 20 Uhr schlafen gehen, schalte ich es wieder ein. Meine Kinder wachsen bei mir am Pferdehof auf und Lola reitet schon ohne Sattel im Galopp“, erzählt die stolze Mutter. „Auch Louise wird bald reiten. Ich stehe drauf, dass die Kinder natürlich aufwachsen.“ Sie erinnert sich gerne an ihre eigene großartige Jugend. „Wir waren auf der Wiese und haben ohne Computer aber mit viel Phantasie gespielt.“

Sie blickt auf die Uhr, denn „meine Tochter macht gerade die Kinderabteilung im Kastner unsicher“, lacht Gwen. Louise ist wie ihre Mutter: „Typ Pferde stehlen“, erfahre ich. „Gott sei Dank habe ich in meinem Mann Sascha einen gemäßigteren Mann“, schmunzelt sie.

Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel auf Thori vom Panoramahof: "Ich reite seit 30 Jahren Islandpferde. Das ist für mich die beste Pferderasse." (Foto Ulrich Neddens)
Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel auf Thori vom Panoramahof: „Ich reite seit 30 Jahren Islandpferde. Das ist für mich die beste Pferderasse.“ (Foto Ulrich Neddens)

Da ist in ihrer jetzigen Lebensphase das Büro für sie Freizeit die eine Dienstreise ihr Urlaub. „Auf der Dienstreise ist der Focus arbeiten, und wenn ich fertig bin, lege ich mich ins Hotelzimmer oder auf den Balkon.“

Was die erfolgreiche Produzentin noch verraten kann ist, dass sie momentan sehr viel für den SWR produziert. „Wir sind immer auf der Suche nach besonderen Geschichten. Aktuell sitze ich über einen Film über Islandpferde-Reiter. Ich reite ja selbst seit 30 Jahren Islandpferde. Das ist für mich die beste Pferderasse und der beste Ausgleich, den es für mich gibt. Islandpferde und Fernsehen haben wohl eine große Zukunft vor sich“, lächelt Gwen.

Großes Beitragsfoto: Filmemacherin Gwendolin Szyszkowitz-Schwingel. (Foto Christian Jungwirth)

www.wilde-stein.de   

 

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