Manuel Rubey – ein unglaublich vielseitiger Schauspieler

Der großartige Schauspieler, Musiker und Kabarettist Manuel Rubey war zuletzt auf österrei-chischen Bühnen entweder mit seiner Band, der Familie Lässig, oder seinem Kabarettpartner Thomas Stipsits zu sehen. Derzeit präsentiert er mit „Goldfisch“ sein erstes Soloprogramm – und sich selbst darin als „herziger Großstadtneurotiker“. 2019 wurde er für den Stuttgarter Tatort ‚Der Mann, der lügt‘ von der Deutschen Akademie für Fernsehen in der Kategorie ‚Schauspieler Hauptrolle‘ nominiert.

Derzeit tourt Manuel Rubey mit seinem ersten Soloprogramm „Goldfisch“ durch Österreich. (Foto Reinhard Sudy)
Derzeit tourt Manuel Rubey mit seinem ersten Soloprogramm „Goldfisch“ durch Österreich. (Foto Reinhard Sudy)

Ich treffe den sympathischen Schauspieler vor Weihnachten in Graz, wo er seine ersten Auftritte mit einem Soloprogramm im Grazer Theatercafe hat. Und ich gratuliere ihm erstmal zu seiner Hochzeit ein paar Tage zuvor. Schmunzelnd bedankt er sich und meint, dass das mit der Geheimhaltung nicht ganz geklappt hat. Er heiratete seine langjährige Lebenspartnerin, die Architektin Stefanie Nolz, und lebt mit ihr und seinen zwei Töchtern in in Gars am Kamp.

Schauspieler Manuel Rubey in einem sehr offenen Interview mit Journalistin Hedi Grager. (Foto Reinhard Sudy)
Schauspieler Manuel Rubey in einem sehr offenen Interview mit Journalistin Hedi Grager. (Foto Reinhard Sudy)

Künstlerische Ader
Manuel selbst lebte in Wiener Neudorf und ging in die Waldorf-schule. „Mein Großvater war ein sicherheitsdenkender Chef einer Versicherung, mein Vater ein Künstlertyp – da sind Welten aufeinandergeprallt. In den Augen meines Großvaters war ein Künstler, der nicht regelmäßig im Fernsehen auftrat oder sehr reich war, nicht der richtige Schwiegersohn.

Sonntags sind wir während meiner Kindheit immer zu den Großeltern nach Steinbrunn ins Burgenland gefahren.“ Schmunzelnd erzählt er weiter: „Da gab es einen Fernseher, den wir zu Hause nicht hatten. Und Schnitzel, die Oma hat wahnsinnig gut gekocht.“  

Seine künstlerische Ader hat Manuel wohl von beiden Elternteilen. „Meine Mutter ist Medizinerin, hat aber sehr gerne gesungen. Wir waren auch viel in Museen. Ich weiß nicht, ob das vererbbar ist, vielleicht kommt es darauf an, wie man aufwächst. Ich glaube, dass ein künstlerisches Talent oder Kreativität in jedem Menschen schlummert, und ich glaube eher an die Prägung in der Lebenszeit als ans tatsächlichen Erbgut.“

Früh war Manuel klar, dass er so rasch als möglich auf eigenen Beinen stehen wollte. „Ich wusste, es gibt zwar die große Liebe meiner Eltern, aber nicht den hohen finanziellen Background, und deshalb habe ich mir recht schnell das Ziel gesetzt, dass auf wirtschaftlicher Ebene alles funktionieren muss. Mir ist Geld nicht so wichtig, ich schau aber schon darauf, weil ich weiß wie unangenehm es ist, kein Geld zu haben.“

Schauspieler Manuel Rubey: "Ich glaube, dass ein künstlerisches Talent oder Kreativität in jedem Menschen schlummert, und ich glaube eher an die Prägung in der Lebenszeit als ans tatsächlichen Erbgut.“ (Foto Reinhard Sudy)
Schauspieler Manuel Rubey: „Ich glaube, dass ein künstlerisches Talent oder Kreativität in jedem Menschen schlummert, und ich glaube eher an die Prägung in der Lebenszeit als ans tatsächlichen Erbgut.“ (Foto Reinhard Sudy)

Rollen und Rituale
Manuel ist ein unglaublich vielseitiger Künstler und schlüpft in die unterschiedlichsten Rollen. Ich spreche ihn auf seine sehr herausfordernde Rolle in ‚Gruber geht‘ an. „Das war definitiv eine meiner herausfordernsten, möglicherweise sogar die schwierigste Rolle. Dies nicht von der schauspielerischen Herausforderung, denn es fällt mir nicht wahnsinnig schwer, mir Dinge vorzustellen. Aber bei Krankheiten musste ich eher aufpassen, dass ich mir sie nicht zu sehr einbilde und dann wirklich habe. Auch die Auseinandersetzung mit der Hypochondrie und der Angst war teilweise schon ein Grenzgang für mich.“

Manuel Rubey ist ein unglaublich vielseitiger Künstler und schlüpft in die unterschiedlichsten Rollen. (Foto Reinhard Sudy)
Manuel Rubey ist ein unglaublich vielseitiger Künstler und schlüpft in die unterschiedlichsten Rollen. (Foto Reinhard Sudy)

Mich interessiert natürlich, ob er seine Rolle auch ‚mit nach Hause nimmt‘, und erfahre von Manuel: „Ja, auch bei meinem Solo. Ich habe das lange komplett von mir gewiesen. Meine Frau, die mich schon lange kennt und damit gut umgehen kann, sagt, dass dies vor allem bei größeren Rollen passiert und es sich auf das Familienleben und unsere Beziehung auswirkt.“ Sehr offen erklärt der Schauspieler weiter, dass es bei ‚Falco‘ besonders schlimm war. „Ich war monate-lang unerträglich. Ich würde das sehr gerne kontrollieren können, würde den Beruf gerne ablegen wenn ich heimgehe, aber es gelingt mir nicht so ganz.“

Manuel Rubey mit Kabarettpartner Thomas Stipsits. (Foto Reinhard Sudy)
Manuel Rubey mit Kabarettpartner Thomas Stipsits. (Foto Reinhard Sudy)

Wie viele seiner Kollegen versucht er nach anstrengenden Drehtagen, Ausstiege aus fordernden Rollen zu finden. „Das beschäftigt mich schon länger. Ich habe auf einer Psychiatrie Zivildienst gemacht, habe mich dabei über die Art-Brut-Künstler aus Gugging eingelesen. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie meine damalige Chefin als erstes sagte, dass wir ganz klare Rituale definieren müssen, wie wir diesen Arbeitsbereich abends verlassen. Sie hat uns Übungen gezeigt, wie z.B. ganz bewusst die Türe zu schließen. Das ist mir später wieder eingefallen, als es für mich als Schauspieler zu einem Thema wurde. Auch mein Vater beeinflusste mich diesbezüglich, denn ich erinnere mich genau daran, dass er seine Tischlerbank abends immer total zusammengeräumt und sein Werkzeug geputzt hat. Das war ihm sehr wichtig. Er fand es schrecklich, wenn er Werkzeug herborgte und es dann schmutzig zurück bekam – was bei meinen Töchtern jetzt wieder vorkommt“, schmunzelt Manuel. „Ich habe derzeit nur ein einziges Ritual: ich spiele nicht in Privatklamotten. Ich brauche ein Arbeitsgewand, das ich dann ausziehen kann. So versuche ich, meine Rolle bewusst in der Garderobe zu lassen. Aber auch das gelingt nur bedingt.“

Manuel Rubey, hier mit Schauspiel-Kollegin Andrea Sawatzki, spielt nur im "Arbeitsgewand". "Das kann ich ausziehen und versuche so, meine Rolle bewusst in der Garderobe zu lassen." (Foto privat)
Manuel Rubey, hier mit Schauspiel-Kollegin Andrea Sawatzki, spielt nur im „Arbeitsgewand“. „Das kann ich ausziehen und versuche so, meine Rolle bewusst in der Garderobe zu lassen.“ (Foto privat)

‚dress up and play‘
Für die Vorbereitung auf eine Rolle hat er zwei völlig unterschied-liche Vorbilder, „die beide passen, wie ich finde. Ich habe Tilda Swinton auf der Berlinale gehört, als sie nach dem Geheimnis der Schauspielerei gefragt wurde und sie sagte ‚dress up and play‘. Und es gibt von mir als Kind wirklich nur Fotos, auf denen ich verkleidet war, immer mit Hut oder geschminkt. Ich glaube jetzt sagen zu können, dass das manchmal für mittelgroße Rollen, wo alles passt, funktioniert. Ich lerne den Text, schlüpfe in ein geiles Kostüm und lege einfach los. Aber dann gibt es das Gegenteil, wie bei Philipp Seymour Hoffmann, der sich monatelang in alles hineingedacht hat und für eine Rolle so lange nach einem Menschen sucht, der sozu-sagen mit einem Gang, einem Blick, einem Sprachfehler, der Art, ein Hemd zu tragen oder was auch immer eine Initialzündung für ihn wird und er daraus seine Figur zu bauen beginnt. Schicht für Schicht für Schicht. Zwischen diesen beiden Extremen wechsle ich. Es hängt immer von der Rolle ab, vieles auch von meinem Bauchgefühl. Für manche Rollen muss ich viel wissen, manche spielen sich einfach von selber.“

Das Programm für seine Kabarett-Rollen ergibt sich für Manuel Rubey meist aus der Beobachtung der Menschen. (Foto Reinhard Sudy)
Das Programm für seine Kabarett-Rollen ergibt sich für Manuel Rubey meist aus der Beobachtung der Menschen. (Foto Reinhard Sudy)

Kabarett-Programm
Das Programm für seine Kabarett-Rollen ergibt sich für Manuel aus der Beobachtung der Menschen, bei der Arbeit mit Thomas Stipsits war es ausschließlich so. Über die Zeit kann sich dann ein eigener Charakter entwickeln – oder auch ein Sammelsurium an Charakteren. „Bei meinem aktuellen Solostück habe ich erstmal versucht, von mir als Person auszugehen und dazu eine neue Person zu entwickeln. Ich habe eine diebische Freude daran, offen zu lassen, was wirklich stimmt und was nicht. Aber bei meinem Soloprogramm arbeite ich wirklich mit meinem bisherigen Leben und meinen Kindern“, erklärt er mit einem Schmunzeln. So ist die Bühnenfigur, die er sich geschaffen hat, die eines Mannes, der ein bisserl überfordert ist – mit der Welt, dem Beziehungsleben, dem Vatersein, dem Goldfischsitten. Von Frau und Töchtern verlassen, lebt er jetzt in den Garderoben seiner Tour-Spielstätten.

Manuel Rueby: "Für mein Kabarett-Publikum ist es meine Mammutaufgabe, dass sie im besten Fall lachen können aber auch ein bisschen berührt werden.“ Im Bild mit Journalistin Hedi Grager. (Foto Reinhard Sudy)
Manuel Rueby: „Für mein Kabarett-Publikum ist es meine Mammutaufgabe, dass sie im besten Fall lachen können aber auch ein bisschen berührt werden.“ Im Bild mit Journalistin Hedi Grager. (Foto Reinhard Sudy)

Bei einem früheren Interview hat mir Manuel sein Interesse an Serien mit Potential zur Weiterentwicklung bekundet und ich möchte wissen, ob auch sein Soloprogramm Potential zur Weiterentwicklung hat. „Ja, das ist ein Weg, der gerade wahnsinnig aufwühlend und spannend ist, je nach Tagesverfassung. Er ist so ergebnisoffen, dass ich es nicht sagen kann, es beschäftigt mich aber. Ich habe jetzt bereits einige Male vor Publikum gespielt und ich glaube, dass sich noch viel verändern wird, auch meine Art zu spielen. Bis es so ist, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Manuel erklärt mir, dass er eine große Achtung hat vor Menschen, die sich eine Eintrittskarte kaufen, einen Babysitter organisieren und in seine Vorstellung kommen. „Sie sollen einen schönen Abend haben.“ Gleichzeitig möchte er mit seinem Kabarett nicht  zu gefällig werden. „Ich komme aus der Theaterecke und weiß, dass ich meinem Publikum einiges zumuten kann, aber eben nicht zuviel. Dafür würde ich gerne eine gute Mischung finden und meine Mammut-aufgabe ist, dass sie im besten Fall lachen können aber auch ein bisschen berührt werden.“

Manuel Rubey mit seinem Kommissar-Kollegen Richy Müller vom Tatort Stuttgart. (Foto privat)
Manuel Rubey mit seinem Kommissar-Kollegen Richy Müller vom Tatort Stuttgart. (Foto privat)

Für mich tut sich die Frage auf, ob er jemals zufrieden ist. „“Nein“, bekomme ich zu hören. „Es geht mir besser in meinen subjektiv besten letzten 5 Jahren. Ich arbeite sehr intensiv daran, mich nicht zu ernst zu nehmen. Weißt Du, ich habe den schönen Satz gelesen: ‚Schlaf ist der beste Beweis dafür, dass die Welt uns nicht braucht‘. Das hilft mir einerseits, gleichzeitig aber, wie du richtig erkannt hast, beschäftigen mich die Dinge ewig lang. Ich arbeite an meiner Balance, gehe stundenlang spazieren und schaffe es mittlerweile schon, zwischendurch auch mal nichts zu tun.“

Schauspieler Manuel Rubey: "Ich glaube, Humor ist die Königsdisziplin in unserem Beruf, und ich glaube, es gibt nichts Befreienderes als zu lachen. (Foto Reinhard Sudy)
Schauspieler Manuel Rubey: „Ich glaube, Humor ist die Königsdisziplin in unserem Beruf, und ich glaube, es gibt nichts Befreienderes als zu lachen. (Foto Reinhard Sudy)

Humor? – ich hoffe schon
Ich persönlich finde es gut, schwierige Themen auf eine humorvolle Art zu präsentieren, und möchte seine Meinung dazu hören. „Humor ist überhaupt ganz ganz wichtig. Ich glaube, Humor ist die Königsdisziplin in unserem Beruf, und ich glaube, es gibt nichts Befreienderes als zu lachen. Wenn jemand lacht, kann er nicht aggressiv sein.“ Manuel ist Humor bei den Drehbüchern zwar wichtig, aber immer wichtiger wird, mit wem er was tut, wer am Set ist. Den Humor für die Figur und die Szene zu finden, aber auch die Leute am Set mit Humor zu überraschen, interessiert ihn. „Warum kann ein Mordkommissar nicht auch einen guten Schmäh haben? Ich finde das einen guten Weg.“

Jetzt möchte ich natürlich noch wissen, ob er privat Humor hat. Manuel lächelt in seiner unglaublich sympathischen Art und meint: „Ich hoffe schon. Es ist aber eher so, dass meine Familie meine Witze mittellustig findet. Aber ich lache gerne und umgebe mich gerne mit fröhlichen Menschen.“

Zwei großartige Schauspieler und Kabarettisten: Manuel Rubey und Thomas Stipsits. (Foto Ingo Pertramer)
Zwei großartige Schauspieler und Kabarettisten: Manuel Rubey und Thomas Stipsits. (Foto Ingo Pertramer)

Manuel Rubey hat aber auch eine schwermütige Seite, und ich frage ihn, was ihm Kraft gibt. Zu lesen war, dass er sehr gerne läuft. „Ich habe mit einem Suchtexperten und Psychiater zu rauchen aufgehört, und dass mir das nach 20 Jahren gelungen ist, darauf bin ich wirklich stolz. Ich habe gewissermaßen das Rauchen durch das Laufen ersetzt. Deshalb hat das Laufen symbolisch den wichtigen Stellenwert für mich, damit nie wieder aufzuhören. Gleichzeitig geht es mir immer besser, wenn ich laufe, als wenn nicht. Und das egal, wie viele Ausreden ich vorher finde – und ich finde sehr viele“, kommt es wieder lächelnd von ihm.

Der Schauspieler hält sich mit langen Spaziergängen und Rad fahren fit. (Foto privat)
Der Schauspieler hält sich mit langen Spaziergängen und Rad fahren fit. (Foto privat)

Familie und Freunde
Viel Kraft schöpft er aber in erster Linie aus seiner Familie. „Ich hatte jetzt meinen Vierziger und das ist mein erster Geburtstag, an dem ich über das Alter an sich nachgedacht habe. Für meine Töchter ist 40 Jahre wirklich alt und das war für mich auch lange so. Trotzdem fühle ich mich aber nicht erwachsen – auch wenn ich müder werde und nicht mehr so lange durchhalte.“ Wir schmunzeln beide. „Das hatte für mich zur Folge, diese kleine Lebenskrise umzuwandeln und darauf zu achten, noch viel radikaler in der Wahl der Projekte und der Menschen zu sein. Und das nicht aus Arroganz sondern im Bewusstsein der Endlichkeit und eben weil es wichtig ist. Die Kinder sind so schnell groß, und auch wenn das Platitüden sind, ist es so, und ich möchte ihr ‚Erwachsenwerden‘ mitkriegen. Jetzt sind sie 13 und 9 Jahre alt, sie erden mich wirklich und ich hatte mir den ganzen letzten Sommer freigenommen. Ich habe geschrieben, hatte aber kein Drehtag. Du siehst, es geht schon ganz gut.“

Also Du schaffst deine ‚Work Life Balance‘ schon ganz gut, meine ich, worauf er lachend meint: „“Genau. Dieses Wort wollte ich umschiffen, aber darum geht es. Es klingt immer kokett, ich bin ein großer Prokrastinierer und kann mich unter dem Vorwand, für eine Rolle zu recherchieren, wahnsinnig verzetteln. Und ich hatte wirklich meine manischen Phasen und Phasen der absoluten Antriebslosigkeit. Aber dadurch, dass ich es jetzt schaffe, auch mal aktiv nichts zu tun, genieße ich eine neue Qualität. Ich gehe sehr viel spazieren, mache lange Wege zu Fuß durch die Stadt. Ich habe das jetzt für mich entdeckt und gehe jeden Tag zwei Stunden. Diese Langsamkeit und Gehen, das tut mir total gut.“

Rückblickend war 2019 ein sehr gutes Jahr für Manuel Rubey: "So war mir mein Film mit Johann Moder sehr wichtig, weil ich mitgeschrieben habe und auch meine Töchter mitspielten. (Foto Manfred Baumann)
Rückblickend war 2019 ein sehr gutes Jahr für Manuel Rubey: „So war mir mein Film mit Johann Moder sehr wichtig, weil ich mitgeschrieben habe und auch meine Töchter mitspielten. (Foto Manfred Baumann)

Mit Freundschaften ist Manuel sehr vorsichtig. „Natürlich gibt es über die Jahre hindurch viele Menschen, die mir etwas bedeuten, und man sich freut, sie wieder zu sehen. Aber meine wenigen, ganz engen Freunde, sind eher in anderen Berufen. Das ist gut so.“ Auch bei Regisseuren selektiert Manuel. „Absolut, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich muss aber vorausschicken, dass man als Schauspieler nicht immer in der Situation ist, sich das leisten zu können – immerhin haben viele eine Familie zu ernähren. Ich bin mir aber auch immer bewusst, wie rasch sich so etwas ändern kann, und deshalb empfinde ich das als hohe Lebensqualität.“

Auch bei #Metoo findet der Schauspieler es wichtig, dass es zum Thema wurde, und er meint, dass sich Männer noch mehr einbringen und auf das Thema eingehen müssen. Vor allem auch, dass Menschen wieder mehr miteinander reden müssen. „‘Ghosting‘ ist inzwischen auch ein eigener Begriff geworden, eine Form der Verrohung. Ich fühle mich fast alt und altmodisch, aber Dinge wie Höflichkeit, Pünktlichkeit, Handy aus beim Essen usw. finde ich wichtig.“

Ende 2019 arbeitete Manuel Rubey an vier Projekten gleichzeitig: "Ich spielte Mozart in Prag, einen Mönch in Köln, einen Familienvater und einen Politiker, der an #metoo scheitert." (Foto Reinhard Sudy)
Ende 2019 arbeitete Manuel Rubey an vier Projekten gleichzeitig: „Ich spielte Mozart in Prag, einen Mönch in Köln, einen Familienvater und einen Politiker, der an #metoo scheitert.“ (Foto Reinhard Sudy)

Rückblick und Ausblick
Rückblickend war 2019 ein gutes Jahr für Manuel Rubey. Schmunzelnd meint er, dass er mit der Work-Life-Balance begonnen hat, sein Film mit Johann Moder war ihm sehr wichtig, weil er mitgeschrieben hat und auch seine Töchter mitspielten. „Das war hochinteressant für alle, sie haben es gerne gemacht, es hat auch bewirkt, was ich mir wünschte, nämlich dass sie diese Welt kennenlernen. Auf die Frage welchen Job sie sich beim Film am ehesten vorstellen könnten, meinte die Große Catering und die Kleine Regisseurin. Es war ein wirklich sehr schönes Projekt, bei dem Julia Jentsch ihre Mutter gespielt hat.“

Nachdem Manuel an seinem Soloprogramm schrieb und sich dachte, dass im Herbst vorigen Jahres nichts mehr kommen würden, kam eine ‚Welle‘ aus Deutschland, wie er es nennt. „Innerhalb einer Woche kamen drei Filmangebote, dabei war ich schon im Spaziergehmodus“, lacht er. „Aber dann kam diese Welle, die man reiten muss. So musste ich jetzt am Montag nach München, dienstags nach Prag, mittwochs nach Berlin und donnerstags in die tiefste Steiermark, immer nachts mit Fahrern hin und her. Ich spielte Mozart in Prag, einen Mönch in Köln, einen Familienvater und einen Politiker, der an #metoo scheitert.“

Dazu kam eine Herzensgeschichte von ihm, eine Familienkomödie fürs ZDF mit dem Titel „Mensch‘ Annie“ . „Das war nur eine kleine Rolle mit Bernadette Herwagen in der Hauptrolle. Sie hat schon bei ‚Gruber geht‘ gespielt. Regisseur Martin Enlen ist eine Seele von Mensch, bei dem spiele ich alles, weil ich mich immer auf ihn, auf die Gespräche mit ihm und das Pasta essen mit ihm freue. Und ich kriege auch noch Geld dafür.“ Wieder dieses sympathische Lächeln. „Die anderen Sachen waren aber sehr herausfordernd.“

Auf meine Frage, ob das Switchen in die verschiedenen Charaktere für ihn schwierig gewesen sei, erfahre ich: „Vor allem bei Mozart, der als allerletztes kam, und wo die Zeit richtig knapp war. Auf diese Rolle hätte ich mich gerne länger vorbereitet. Bei diesen Riesenszenen, im völligen Wahn zwischen deutsch-englisch-französisch, singend und Klavier spielend – da merkte ich, dass ich am Limit bin.“

Wütend macht es ihn, wenn Kollegen unvorbereitet am Set erscheinen. „Mit viel Erfahrung kann man zwar gut kompensieren, aber man beansprucht dann oft Drehzeit zu Lasten anderer Kollegen.“ Gerne möchte er daran glauben, dass sich die durchsetzen, die ihre Arbeit ernst nehmen. Soweit wie Tim Raue aber, der sagte ‚Qualität kommt von quälen‘, möchte er nicht gehen, „aber ich glaube, man kann frei sein, wenn man gut vorbereitet ist.“

Manuel Rubey ist ein neurotischer Listenschreiber. "Ich habe verschiedene Listen, die abgearbeitet und dann abgehakt werden." (Foto Reinhard Sudy)
Manuel Rubey ist ein neurotischer Listenschreiber. „Ich habe verschiedene Listen, die abgearbeitet und dann abgehakt werden.“ (Foto Reinhard Sudy)

Vorsätze für 2020 hat er nicht. „Ich bin ein neurotischer Listenschreiber, schon seit Kindheit an. Auch aus Faulheit heraus, weil ich keine Umwege gehen möchte. So habe ich verschiedene Listen, die dann abgearbeitet und abgehakt werden. Dafür habe ich mir sogar eine schöne Füllfeder gekauft, denn ich wollte nicht mehr nur am Laptop schreiben. So ist das mein Morgenritual, meine Tageslisten zu schreiben.“

Eine Projektidee, über deren Umsetzung er sich heuer sehr freuen würde, kam ihm während des Drehs des ZDF-Thrillers „Irgendwas bleibt immer“ mit Lisa Maria Potthoff. „Im Thriller geht es um Intrige, Vertrauen und Wahrheit. Meine Figur kommt aus dem Gefängnis, weil sie im Affekt eine Ex-Partnerin erschlagen hat. Die Frage, was geht sich gesellschaftlich überhaupt aus, wenn man gebrandmarkt ist, und bekommt man überhaupt eine Chance, ist schon sehr interessant“, erzählt Manuel, und weiter: „Mit Lisa zu drehen, hat sehr viel Spaß gemacht, sie ist eine unfassbar humorvolle Person, die mit großer Leidenschaft im Improvisieren entwickelt – und wir haben eine gemeinsame Leidenschaft für amerikanische und englische Sitkoms und Serien. So haben wir während des Drehens parallel dazu zwei Figuren entwickelt: ein Ehepaar, das nur mehr aus Vernunft zusammen ist. Es wäre schön, wenn unsere Idee Realität wird, und ich würde mich sehr über eine österreichisch-deutsch Co-Produktion freuen.“

Großes Beitragsfoto: Schauspieler und Kabarettist Manuel Rubey tourt mit seinem ersten Soloprogramm „Goldfisch“ durch Österreich.  

www.manuelrubey.com    

 

 

 

 

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