Hedi’s 7 Fragen an: Architektin Heidemarie Kriz

Heidi Kriz, Architektur und Design. (Foto Daniel Willinger)Heidemarie Kriz hat sich als Architektin auf die Planung von Geschäften spezialisiert. In ihrer Arbeits-Bio finden sich mehr als 150 Shop-Umsetzungen für internationale Konzerne in Europa. Die kreative Grazerin ist aber auch in der Kunstszene sehr versiert, verbrachte sie doch einige Jahre in Venedig, wo sie für Sotheby im Rahmen der Biennalen für Kunst und Architektur Ausstellungen in einem traumhaften Palazzo kuratierte. Einige der Werke des damals gezeigten Künstlers Djawid C. Borower befinden sich auch in ihrem Wiener Büro im ersten Bezirk. Ihre Motivation ist die Freude am Besonderen, der Weitblick und ausgefallene Ideen sind ihre Spezialität und ihre große Passion ist das Shopdesign und alles, was damit zusammenhängt.

Heidi Kriz hat sich als Architektin auf die Planung von Geschäften spezialisiert. In ihrer Arbeits-Bio finden sich mehr als 150 Shop-Umsetzungen für internationale Konzerne in Europa. (Foto KRIZH)
Heidi Kriz hat sich als Architektin auf die Planung von Geschäften spezialisiert. In ihrer Arbeits-Bio finden sich mehr als 150 Shop-Umsetzungen für internationale Konzerne in Europa. (Foto KRIZH)

Liebe Heidi, Du bietest soz. zwei Produkte an. KRIZH® konzeptioniert den POS (= Point of Sale). Hier wird entworfen und geplant – alles im Bereich Architektur und Design. Ich weiß ja, Du bist Perfektionistin. Welche Arbeit/welche Shop Gestaltung hat Dir am meisten Spaß gemacht – wo Du Dich komplett einbringen konntest?
Jeder Auftrag ist besonders und eine besondere Herausforderung aufgrund unterschiedlichster Anforderungen. Wir kennen unsere Kunden genau, deren Brand DNA und auch die Zielgruppe. Basierend auf diesem Wissen konzeptionieren wir nicht nur „schöne“ Stores, sondern Stores, die funktionieren. Wir begreifen die Aufgabe 360° und zu 100 %, dh. der Kunde bekommt – wenn gewünscht – das gesamte Konzept inkl. Technik (u.a. Digitalisierung) aus einer Hand bis hin zur Stückzahl der Produkte auf der Fläche (und im Lager).

Mit POSITIVE AFFAIRS® beratest Du am POS, wirst für Workshops, Vorträge, Schulungen, Rundgänge gebucht. Von wem wirst Du gebucht?
Mein Experten Team und ich beraten, schulen und veranstalten Workshops in Einkaufszentren, im Management bei Konzernen aber auch einzelne Unternehmer im Handel, der Hotellerie oder Gastronomie. Da wir sehr früh in der Planung bereits sehen, ob ein Projekt erfolgreich sein wird, werden wir auch immer wieder gerne von Auftraggebern hinzugezogen, die Planung ihrer Architekten zu „überprüfen“.  Nach mehreren hunderten Grundrissen sieht man sehr rasch, wo Schwachpunkte sind, wo sich im täglichen Leben Probleme ergeben.  

Wie kamst Du auf Deinen Slogan „we can read your brand dna©“?
Oftmals stimmt einfach das Konzept nicht mit der Brand DNA des Unternehmens überein. Welche Werte, Aussage hat eine Marke? Diese zu begreifen ergibt oft schon einen Großteil des Projektes vor wie u.a. Farben, Materialien und Formen. Weiß man dazu noch, wer angesprochen werden soll, also um welche Zielgruppe es sich handelt, ist es wirklich einfach eine stimmige Lösung zu präsen-tieren. Wir sehen uns hier auch als eine Art Katalysator, der dem Auftraggeber hilft, einen für ihn optimalen POS zu kreieren.

"Wir kennen unsere Kunden genau, deren Brand DNA und auch die Zielgruppe", erklärt Architektin Heidi Kriz. "Basierend auf diesem Wissen konzeptionieren wir nicht nur „schöne“ Stores, sondern Stores, die funktionieren." (Foto Daniel Willinger | dwphoto.at)
„Wir kennen unsere Kunden genau, deren Brand DNA und auch die Zielgruppe“, erklärt Architektin Heidi Kriz. „Basierend auf diesem Wissen konzeptionieren wir nicht nur „schöne“ Stores, sondern Stores, die funktionieren.“ (Foto Daniel Willinger | dwphoto.at)

Du bist wirklich sehr vielseitig. Du hast auch Lectures an Fach-hochschulen zum Thema „Retail Design“ und „Internationales Trendscouting in Retail Hotspots“ gehalten. Was reizt Dich daran?
Mir macht es enorme Freude, mein Wissen weiterzugeben! Junge Menschen zu inspirieren, „out of the Box“ zu denken und Querverbindungen herzustellen, sehe ich als meine Aufgabe. Hierbei sind noch viele Themen in der Schublade. Aufgrund regelmäßiger Reisen zu Veranstaltungen wie der SXSW in Austin/ Texas oder der DLD in Tel Aviv versuche ich immer einen Schritt weiter vorne zu sein, neue Technologien zu entdecken und gegebenenfalls sinnvoll einzubeziehen. Im Bereich Retail Design dreht es sich auch um Themen wie Kundenverhalten und Kauf-verhalten. Und auch – wie vorhin schon erwähnt – Brand DNA-konform zu entwerfen, damit am Ende ein stimmiges Bild heraus-kommt, das die jeweilige Zielgruppe anspricht!

Mit Retail Experten führst Du auch Shop-Expeditionen durch? Welche Städte hast Du da im Auge und was können sie erwarten?
Kommende Woche hätte die mehrtägige Retail Experience Tour mit der Umdasch Shop Acadamy in Venedig stattgefunden. Ich habe mich so darauf gefreut, den internationalen Teilnehmern „mein“ Venedig mit all den Betrieben und Geschäften, die ich in meinen fast 5 Jahren vor Ort entdecken und lieben gelernt habe zu zeigen. Diese Tour wurde ebenso verschoben wie u.a. auch jene von deutschen Experten durch Einkaufszentren in Österreich. Aufgrund der aktuellen Situation evaluieren wir die Lage besonders genau im Hinblick auf die Auswahl zusätzlicher Destinationen. Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass wir 2020 hier noch etwas zustande bringen werden, wünschenswert wäre es natürlich schon.Du hast mittlerweile über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Retail und Shop Design. Was sind die größten Veränderungen der letzten Jahre? Und was sind Deine größten Stärken?
Die größten Veränderungen der letzten Jahre sind die letzten Wochen, die alles auf den Kopf gestellt haben. Vor allem, weil sich der Kunde in einer Schnelligkeit verändert hat, die sonst so nicht stattgefunden hätte. 
Wir müssen sehr viel neu überdenken, anpassen und auch die Zusammenhänge neu überprüfen. Jede Krise bringt aber auch neue Ansätze und Lösungen, ist somit auch eine Chance. 
Ich habe schon eine gewisse Vorstellung, wie der Handel sich in den kommenden 5 Jahren entwickeln wird. Wir sind viel on- und offline unterwegs und holen uns auch Eindrücke von internationalen Märkten. Meine Stärken sind Veränderungen exakt wahrzunehmen, ohne den Zusammenhang des Ganzen zu verlieren und gegebenenfalls neu anzupassen. Ebenso nehme ich Erneuerungen („Trends“) sehr schnell wahr, sehe relativ rasch deren Potential, sofern vorhanden.

Grundsätzlich fährst Du ständig in Metropolen, immer auf der Suche nach neuen Entwicklungen und Besonderem. Jetzt ist das einfach nicht möglich. Wie ‚überstehst‘ Du diese schwierige Zeit?
Ehrlich, ich habe wirklich Fernweh. Reisen ist meine Droge, neue Geschäfte, Materialien, Lösungen zu erkennen, mein Elixier. Zum Glück war ich im Jänner und Februar 2020 für über 4 Wochen in Europa unterwegs und habe tausende Fotos von Einkaufsstraßen,  Shops, neuen Entwicklungen u.v.m. gemacht. Wehmütig schaue ich sie mir manchmal im Wissen an, dass ich vieles nicht mehr so wiederfinden werde.

Großes Beitragsfoto: Heidemarie Kriz (Foto Anita Kernbauer, Malerei: Djawid C. Borower ( Staatsoper).

www.krizh.com 
www.positiveaffairs.com   

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