Stan Bert Singer: zeitgenössischer österreichischer Maler

Bild "Simon und Pero" des Malers Sta`n Bert Singer (Foto Stan Bert Singer)Stan Bert Singer ist ein zeitgenössi-scher österreichischer Maler. Er studierte Architektur und Malerei in Wien. Künstler ist bekannt durch seine Werke über Gewaltästhetik und Frauen – oft in erotischen Posen. Schon in seiner Kindheit verspürte er den starken Drang zum künstlerischen Handeln – zuerst in der Zeichnung und erst relativ spät in der Ölmalerei.

"Mädchen vor Zugfenster" des Malers Sta`n Bert Singer (Foto Stan Bert Singer)
„Mädchen vor Zugfenster“ des Malers Sta`n Bert Singer (Foto Stan Bert Singer)

Seit den 1980ern nimmt er an internationalen Kunstausstellungen in Europa und den USA teil. Stan Bert Singer: „Ich arbeite mit zeit-losen Themen wie Zeit, Erotik und Würde. Aber für mich muss ein guter Künstler auch mehr sein, als sich nur zu verwirklichen oder sich nur auszudrücken.“
Aktuell arbeitet er an einer Leonardo da Vinci Replic, The Lady with the Ermine, und an einer Bildserie zum Thema Verkündigung, sowie Portraits im Stile von Leonardo da Vinci.

Stan Bert Singer ist ein zeitgenössischer österreichischer Maler. Bekannt ist er vor allem durch seine Werke über Gewaltästhetik und Frauen - oft in erotischen Posen. (Foto Stan Bert Singer)
Stan Bert Singer ist ein zeitgenössischer österreichischer Maler. Bekannt ist er vor allem durch seine Werke über Gewaltästhetik und Frauen – oft in erotischen Posen. (Foto Stan Bert Singer)

Herr Singer, haben Sie schon als Kind gerne gemalt und gespürt, dass Sie Künstler werden wollen? 
Ja, das kann man sicher so sagen. Schon in jungen Jahren hatte ich immer das Gefühl, mich ausdrücken zu müssen – und hatte dauernd den Bleistift in der Hand.

Erinnern Sie sich noch an ihr allererstes Werk? Besitzen Sie es noch?
Das war ein Selbstportrait (jaja..). Auch heute bin ich der Portrait-malerei  noch sehr zugetan. Ich besitze das Bild noch, es ist auf einem Lager am Land bei meinem Vater.

Das Hauptthema in ihren Werken sind die Frauen. Warum? Und warum meist in sinnlichen, erotischen Posen?
Neben meinen Auftragsarbeiten und Porträts stellen meine Bilder die Schönheit, den Geist aber auch das Leiden der Frau dar.
Manche Kompositionen meiner Werke beinhalten Frauenkörper, die in jungen Jahren als Erotikmodelle gearbeitet haben und dann leider in die Pornoindustrie verschleppt wurden. Frauen, junge Mädchen werden wie Ware zu tausenden abfotografiert und „konsumiert“ – es ist eine Schande. Es ist bereits so selbstverständlich geworden, dass wir beim hinsehen vergessen, dass es sich um eine Person handelt – mit Gefühlen und einen sensitiven Innenleben.
Dies ist mir wichtig (aufzuzeigen) – Die Frau selbst. Und es ist mir wichtig zu versuchen,  die Würde der Frau wieder herzustellen – daher die Ölbilder darüber.
Indem ich nun die Frau/das Erotikmodell in eine  Kunstkomposition integriere, gebe ich ihnen mit Hilfe der Malerei einen Teil ihrer Würde zurück. Ich verbringe viel Zeit mit dem Bild und mit dem Meschen, den ich male. Wenn Sie so wollen, zolle ihm Respekt, Zeit und Anerkennung und es wird eine Steigerung zum Kunstwerk erreicht. Daher auch mein Motto: „Give them back their dignity“.
Die „(Frau als) Ware“ verschwindet, die Kunst und die Würde bleibt.

Stan Bert Singer: "Salome - John I am only dancing" 2016 (Foto Stan Bert Singer)
Stan Bert Singer: „Salome – John I am only dancing“ 2016 (Foto Stan Bert Singer)

Es dreht sich bei Ihren Bildern auch um Gewalt. Was wollen Sie uns damit sagen bzw. worauf wollen Sie damit aufmerksam machen?
Das ist leider eine Missinterpretation mancher meiner Bilder! Es gibt ein paar wenige Bilder, wie zB.: „Salome – John I am only dancing“, oder „Simon und Pero“, die diesen Anschein vielleicht erwecken. In Wahrheit geht es auch hier um die Ausnutzung der Frau – und die Reaktionen die daraus resultieren können.
Hier ein kurzer Auszug aus der Geschichte:
Eines Tages, während Johannes im Kerker sitzt, gibt Herodes ein Festmahl: „Da trat herein die Tochter der Herodias und tanzte und gefiel Herodes“. Der Unhold geilt sich an seiner Stieftochter auf. „Da sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, ich will dir’s geben.
Also geht es auch hier letztlich um die Unterdrückung der Frau als Lustobjekt neben anderen interessanten Themen über die christ-lichen Ursprünge.

Sie lassen sich von erotischen Fotos, aber auch alten Meistern inspirieren. Was inspiriert Sie noch?
Von den alten Meistern kann man so viel lernen – speziell das sehen, dass richtig hinsehen.
Inspirationsquelle ist hauptsächlich die Frau und die Natur für mich – ein endloses Feld an Formen und Ausdrucksformen. Und in meinen neuen Bildern sind es die Vögel – davon mehr ein anderes Mal.

Stan Bert Singer: "Neben meinen Auftragsarbeiten und Porträts stellen meine Bilder die Schönheit, den Geist aber auch das Leiden der Frau dar. (Foto Stan Bert Singer)
Stan Bert Singer: „Neben meinen Auftragsarbeiten und Porträts stellen meine Bilder die Schönheit, den Geist aber auch das Leiden der Frau dar. (Foto Stan Bert Singer)

Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie gerne Sujets alter Meister verwenden?
Es gibt da einen Satz von Jonny Depp in einem Film, wo er einen Schriftsteller mimt und sagt: „Keine schlechte Schreibe mehr“.
Da ich immer nach Verbesserung strebe, sagte ich mir eines Tages: „Keine schlechten Bildwerke mehr“.
Leonard da Vinci sagte bekanntlich sinngemäß: „Armselig der Schüler, der seinen Meister nicht übertrifft“ und „Nicht’s Hohes erreicht ein Künstler, der nicht an sich selber zweifelt“. Daher
verfolge ich konsequent das Ziel der Verbesserung, auch wenn dies gerade nicht der mainstream ist – und wo könnte man nicht mehr lernen als bei den alten Meistern?
Leider ist Qualität und Können in vielen modernen Werken völlig abhanden gekommen. Viele Künstler täten gut daran, einmal das Handwerk zu lernen.

Für Sie kommt wahre Kunst von Können und Ihre Kritik ist, dass heutzutage weniger das Können im Vordergrund steht. Warum?
Sehen Sie in die Galerien. Was sehen Sie dort? Ich sehe in den mei-sten Galerien den Verkauf „des Königs neuer Kleider“. Wenn es 
seitenlange Beschreibungen über das gibt, was der Künstler mit seinem Werk ausdrücken wollte, stimmt für mich etwas nicht mehr. Wenn ich eine Gebrauchsanweisung benötige, um Kunst zu „verstehen“, dann läuft entweder bei den Künstlern oder beim Können der Künstler etwas schief oder falsch. Gott sei Dank gibt es aber auch Gegenströmungen, wie zum Beispiel die ARC, das Art Renewal Center, wo die gegenständliche und realistische Malerei im Zentrum steht.

Damit man mich nicht falsch versteht oder interpretiert, ich habe nichts gegen Fortschritt, ganz im Gegenteil. Die Kunst, wie alles andere auch, soll und muss sich weiter entwickeln, und es sollen junge Künstler auch nicht alle wie Raffael malen (sofern Sie das könnten). Es ist nur so, dass mir ein Blauer Strich auf einer 2 Quadratmeter große Leinwand in Variation als roter Strich und gelber Strich nicht sehr viel zu erzählen mag – auch rührte es nicht an mein Herz oder meine Seele oder meinen Verstand.
Nur mit der rechten Gebrauchsanweisung, am besten die Beschrei-bung, welche die Schneider des Königs der neuen Kleider liefern, werden diese Werke dann „verstanden“. Das ist einfach Grotesk und dumm.
Ich denke, wir haben genug Abstraktion gesehen, und es wird Zeit sich auf Gegenständliches und auf Meisterschaft und Können zu besinnen – und vielleicht ist ja der neue Fortschritt in der Malerei ein Rückschritt. Dies hatte es ja schon mal gegeben… wie war das Wort noch… Renaissance.
Ich denke, es braucht eine neue Renaissance, was Werte, Gefühle, Emotionen und Ziele der Menschheit betrifft und berührt. Eine RE-Renaissance! Die aktuelle Pandemie gibt uns hier Zeit zum nachdenken.

Stan Bert Singer: "Der Strand von Glyfada, 2019" (Foto Stan Bert Singer)
Stan Bert Singer: „Der Strand von Glyfada, 2019“ (Foto Stan Bert Singer)

Sie haben die Dietro-Aria Technik entwickelt. Wie kam es dazu und was genau ist das bitte?
Ja, es ist eine Weiterentwicklung der Sfumato und Unione Technik. Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit der Malweise des Leonardo da Vinci und generell dieser Epoche und lerne täglich dazu.
Wie ich zu Beginn des Interviews bereits erwähnt habe, ist mein Motto “ Keine schlechten Bildwerke mehr“, also muss man versu-chen, es noch besser zu machen.
Die Dietro Aria Technik bedeutet so viel wie hinter Luft. Es ist eine sehr aufwendige Lasurtechnique,  die zwischen den einzelnen Hauptschritten eine Art „Luftschicht“ als hauchdünnen,  transpa-renten Layer einfügt. Mehr verrate ich nicht. Dadurch kann die Sfumato Technik noch gesteigert werden und der Raum im Bild noch mehr sichtbar gemacht werden. Dem entsprechend benötigt die Herstellung eines Bildes ca. 1 Jahr. Das ist nicht fotografierbar, sondern kann nur am Original-Ölbild gesehen werden.

Wie erging es Ihnen in der Zeit von COVID-19, die ja noch nicht zu Ende ist?
Es ist eine herausfordernde Zeit, in der wir leben – aber es bringt auch Ruhe in unsere hektische Welt und Rückbesinnung auf wichtige Werte.

Haben Sie das Gefühl, dass sich in der Kunstszene einiges ändern wird? Und wenn ja was?
Im Moment glaube ich, dass noch die Restposten der neuen Kleider verkauft werden müssen – aber ja, ein Wandel steht bevor und ist subtil spürbar. Ich wünsche es uns allen – nicht nur in der Kunst.

Bild des Künstlers Stan Bert Singer: Vor der Verkündigung Teil 1 - almost finished. (Foto Stan Bert Singer)
Bild des Künstlers Stan Bert Singer: Vor der Verkündigung Teil 1 – almost finished. (Foto Stan Bert Singer)

Welche Projekte, Pläne oder Ziele gibt es für die kommende Zeit?
Ich arbeite derzeit an 3 Zielen: Die Fertigstellung der „Dame mit dem Hermelin“, das Original ist von Leonardo da Vinci, an der ich bereits seit 14 Monaten arbeite. Hier ist das Ziel, nicht eine Kopie zu erschaffen, sondern das Werk, wie es aussah, als es um 1500 von Leonardo frisch gemalt wurde. Ohne den gelben Firnis und den schwarzen Hintergrund, welcher nachträglich hinzugefügt wurde.
Ursprünglich war der Hintergrund ein Graublau. Das Bild wird bis zu meiner nächsten Ausstellung, welche gegen Mitte Oktober geplant ist, fertig sein.

Stan Bert Singer: "Zwei Portraits im Stile der Dame mit dem Hermelin in Dietro Aria Technik stelle ich bis zu meiner Ausstellung fertig. Bild: Frau mit Hermelin 2019 - unfinished (Foto Stan Bert Singer)
Stan Bert Singer: „Zwei Portraits im Stile der Dame mit dem Hermelin in Dietro Aria Technik stelle ich bis zu meiner Ausstellung fertig. Bild: Frau mit Hermelin 2019 – unfinished (Foto Stan Bert Singer)

Auch warten zwei Portraits im Stile der Dame mit dem Hermelin in Dietro Aria Technik auf mich, welche bis zur Ausstellung fertigge-stellt werden müssen.
Weiters gibt es die Dreier-Serie über die Verkündigung an Maria – wieder hier mit einem Frauenthema.
Mit einem Fotografen plane ich zudem eine Serie von Frauenbild-nissen mit dem Thema „Neue Madonnen“ bis Mitte/Ende 2021. 

Also es ist noch viel zu tun und zu lernen.
Lieben Dank für das Gespräch,
Stan Bert Singer

Großes Beitragsfoto: Der zeitgenössische österreichische Maler Stan Bert Singer (Foto Stan Bert Singer)

www.stan-bert-singer.com  

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