Filmproduzent Jakob Pochlatko: „Man muss Chancen ergreifen, wenn sie sich ergeben“

"Das dunkle Paradies" mit den Schauspielern Manuel Rubey und Stefanie Reinsperger sowie Produzent Jakob Pochlatko (re). (Foto epo-film)Die epo-film produktionsges.m.b.h. ist ein steirischer Familienbetrieb und produziert seit Jahren inter-national high-level-Programme für Kino und TV. Viele ihrer Filme wurden mehrfach ausgezeichnet. Mit der achtteiligen Drama-Serie „Der Pass“, die sie für Sky produzierten, gelang ihnen der Einstieg in die internationale Fernseh-Liga. 

Produzent Jakob Pochlatko, im Bild mit Journalistin Hedi Grager: "Wir haben sehr viele Pläne und einen Großteil der Produktionen für die nächste Zeit schon auf Schiene." (Foto privat)
Produzent Jakob Pochlatko, im Bild mit Journalistin Hedi Grager: „Wir haben sehr viele Pläne und einen Großteil der Produktionen für die nächste Zeit schon auf Schiene.“ (Foto privat)

„Für uns hat das Jahr sehr intensiv mit zwei Produktionen begonnen“, erzählt mir Jakob Pochlatko bei einem gemütlichen Kaffeeplausch – natürlich mit genügend Abstand. „Wir drehten die 2. Staffel von „Der Pass“, eine Co-Produktion mit Wiedemann & Berg. Diese besteht aus zwei großen Teilen, mit jeweils ungefähr 40 Drehtagen in Salzburg und in Bayern. Es lief alles sehr gut, doch dann mussten wir das Projekt COVID-19-bedingt unterbrechen“, erzählt Jakob. „Parallel dazu haben wir in Co-Produktion mit der Constantin Television einen 90-Minüter mit dem Titel „Todesurteil“ für SAT1 gedreht. Der 1. Teil dieser Bestsellerverfilmung von Andreas Gruber, „Todesfrist“ lief letzten Oktober auf SAT 1.“

Die Co-Produzenten Dieter und Jakob Pochlatko (re außen), epo-film, bei der Uraufführung der Serie „Der Pass“. (Foto epo-film)
Die Co-Produzenten Dieter und Jakob Pochlatko (re außen), epo-film, bei der Uraufführung der Serie „Der Pass“. (Foto epo-film)

Der erfolgreiche Filmproduzent war im März gerade auf Urlaub, als COVID-19 ‚näher kam‘. „Wir standen natürlich laufend in Kontakt mit unseren deutschen Partnern, überlegten uns als Arbeitgeber Maßnahmen für die Mitarbeiter, aber als es dann tatsächlich ernst wurde und gewissermaßen alles gestoppt werden musste, war für mich der Urlaub natürlich beendet.“ Weitere Entscheidungen zu treffen bei so wichtigen Fragen wie Vertragsauflösungen für Mitar-beiter oder Kurzarbeit war nicht leicht. „Ich entschied mich, Kurz-arbeit zu beantragen“, kommt es ernst von Jakob, „obwohl mir viele davon abgeraten haben, da das Kurzarbeitsmodell in Österreich für Filmteam-Mitglieder nicht anwendbar sei. Denn eine Kurzarbeit setzt eine Mindestbeschäftigungsdauer von 4 Wochen und noch eine Behaltefrist für 4 Wochen voraus. Das trifft z.B. bei einem 90-Minüter nicht zu, bei dem das Team meist 5 Wochen lang beschäftigt ist. Gott sei Dank ging mein Antrag entgegen aller Befürchtungen tatsächlich durch und es hieß abwarten und hoffen, dass die Ent-wicklungen bald wieder entspannter werden.“

"Das dunkle Paradies" mit den Schauspielern Manuel Rubey und Stefanie Reinsperger sowie Produzent Jakob Pochlatko (re). (Foto epo-film)
„Das dunkle Paradies“ mit den Schauspielern Manuel Rubey und Stefanie Reinsperger sowie Produzent Jakob Pochlatko (re). (Foto epo-film)

Und die Situation wurde wieder entspannter. Kürzlich wurde gerade die ORF-„Stadtkomödie“ mit dem Titel „Die Freundin meines Vaters“ in Graz abgedreht. Regie führte Michael Kreihsl, mit wirkten die großartigen Schauspieler Aglaia Szyszkowitz, Fritz Karl und Marie-Luise Stockinger, Aaron Friesz und Johannes Silberschneider. „Die Dreharbeiten hätten bereits Mitte April beginnen sollen, aber Gott sei Dank ging es dann im Juni weiter.“ Begeistert ist Jakob auch vom Umgang in Österreich mit Filmschaffenden. „Als erstes Land euro-paweit hat Österreich einen Ausfallsfond für Filmproduktionen ins Leben gerufen, das ist wirklich sensationell und wir sind auch sehr dankbar“, verrät Jakob. Eine Filmproduktion ist zwar vollumfänglich für Schäden aller Art versichert, aber Schäden, die durch eine Pandemie bedingt sind, werden von Versicherungen grundsätzlich nicht abgedeckt. „Einen Schaden durch einen etwaigen Corona-Fall kann sich ohne Versicherung keine unabhängige Filmproduktion in Österreich leisten. Aber der Ausfallsfond der Regierung ermöglichte es uns, überhaupt weiter zu drehen.“

Mittlerweile konnte der zweite Teil der Andreas Gruber Verfil-mungen, „Todesurteil“, abgedreht werden. „Der Pass“ wird im Herbst weiter gedreht, da der Film ja im Winter begonnen wurde. Gedreht wird auch nur mehr in Deutschland, da der Österreich-Teil bereits vor Ausbruch der Pandemie abgeschlossen wurde.

Salzburger Landkrimi "Drachenjungfrau“: Produzent Jakob Pochlatko, Stefanie Reinsperger, Regisseurin Catalina Molina, Manuel Rubey. (Foto epo-film)
Salzburger Landkrimi „Drachenjungfrau“: Produzent Jakob Pochlatko, Stefanie Reinsperger, Regisseurin Catalina Molina, Manuel Rubey. (Foto epo-film)

Auf meine Frage, wie er es jetzt an Drehorten empfindet, erzählt Jakob sehr offen: „Damit man überhaupt von dem Ausfallfonds unterstützt werden kann, ist die Einhaltung eines gleichzeitig eingeführten und sehr strengen Sicherheitskonzeptes für Drehar-beiten nötig. Dieses geht viel weiter als die allgemeinen Vorschriften am Arbeitsplatz, das gesamte Team wird zweimal die Woche ge-testet. Alle Komparsen, wir als Produzenten und alle, die Kontakt haben, müssen natürlich Maske tragen und Abstand halten. Wir hatten und haben wirklich die größtmögliche Sicherheit für die Teams.“ Grundsätzlich werden aktuell ja bei einigen Dreharbeiten Liebesszenen gestrichen. Schmunzelnd meint er, dass das bei der „Stadtkomödie“, dieser romantischen Geschichte, wohl nicht möglich gewesen wäre. „Aber mit diesen strengen Sicherheitsvorschriften und einem tollen Team, das sich an absolut alle Vorgaben auch in der Freizeit hielt, war es sogar möglich, Liebesszenen zu drehen. Auch wenn es am Set stressig und durch die Maske unangenehmer war, so waren alle wahnsinnig kooperativ und diszipliniert – und auch sehr froh, wieder arbeiten zu können.“ Am Set gab es sogar externe Hygienebeauftragte, die streng auf die Einhaltung der Vorgaben sahen.

„Der Trafikant“ erzählt die Geschichte des Erwachsenwerdens eines jungen Mannes zu Zeiten des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938. Produziert von epo-film Jakob und Dieter Pochlatko (re. außen). (Foto epo-film)
„Der Trafikant“ erzählt die Geschichte des Erwachsenwerdens eines jungen Mannes zu Zeiten des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938. Produziert von epo-film Jakob und Dieter Pochlatko (re. außen). (Foto epo-film)

Aktuell ist es nicht einfach zu planen. „Aber natürlich müssen wir planen und haben konkrete Ideen. Denn auch wenn die Produk-tionstätigkeit stillgestanden ist, entwickeln kann man ja immer – und ich hatte im Lockdown mindestens gleich viel zu tun, aber eben sehr viel am Telefon. Und die Partnerschaften mit den Fernsehsendern war extrem solidarisch, sowohl Förderer als auch unsere Finanzie-rungspartner haben sich vorbildlich verhalten. Wir haben tat-sächlich sehr viele Pläne und einen Großteil der Produktionen für die nächste Zeit schon auf Schiene. Ich bin also relativ entspannt“, lächelt er.

Und ein bisschen davon kann Jakob mir auch verraten: „Es bleiben unsere Dokumentarfilme und vertraglich gesichert ist ein spannender neuer Landkrimi Salzburg mit unserem bewährten Ermittlerduo Manuel Rubey und Stefanie Reinsperger, gemeinsam mit ORF und ZDF, den wir im Februar kommenden Jahres drehen werden. Dann haben wir einen neuen Kinofilm im Juli mit Ruth Mader. „Serviam“ ist ein Thriller-Drama, das in einem katholischen Mädcheninternat in den 80ern spielt. In den Endzügen liegen wir mit der Finanzierung für einen großen Kinospielfilm mit Franz Klammer und seinem Olympiarennen 1976,“ verrät er voller Freude weiter. Er handelt davon, wie es einem 22-jährigen Burschen damit geht, wenn plötzlich alle etwas von ihm wollen und sein größter Konkurrent ihm eine unschlagbare Bestzeit vor die Nase knallt. „Das ist eine Riesenproduktion in Co-Produktion mit Samsara Film. Der Regisseur Andreas Schmied inszenierte mit Love Machine den besucherstärksten Kinofilm im letzten Jahr.“ Julian Waldner, ein 22-jähriger Klagenfurter, konnte im Casting für die Rolle von Franz Klammer überzeugen, gedreht wird im kommenden Frühjahr. „Für das Rennen, das im Film eine große Rolle spielen wird, arbeiten wir mit absoluten Experten, Stunt-Doubles werden ehemalige Weltcup-Sieger und junge Kadersieger sein. Unser Ziel ist, Skiaufnahmen zu liefern, die die Zuseher aus den Kinosesseln hauen sollen,“ sagt Jakob begeistert.

Am Set des Kinospielfilms "Nobady" mit Karl Markovics, im Bild mit den Produzenten Jakob und Dieter Pochlatko. (Foto epo-film)
Am Set des Kinospielfilms „Nobady“ mit Karl Markovics, im Bild mit den Produzenten Jakob und Dieter Pochlatko. (Foto epo-film)

Natürlich gibt es noch weitere Projekte, an denen epo-Film arbeitet, schließlich plant man ungefähr drei Jahre im Voraus. Einige warten auf Bestätigung – und einige werden noch nicht verraten. „Bevor ich es vergesse, ein weiteres großes Projekt, eine internationale Film-produktion, ist die Verfilmung des nächsten Robert Seetaler Romans „Ein ganzes Leben“. Mit der Bavaria als deutschen Partner wollen wir diesen ab Ende nächsten Jahres drehen.“

Meist weiß die Produktionsfirma schon sehr früh, wen sie als Regisseur verpflichten möchte, und bindet ihn in die Projekt-entwicklung ein. „Bei manchen Produktionen weiß man auch, welche Schauspieler man gerne dafür hätte, bei anderen muss man casten und sehen, wer am besten passt.“  

Regisseure arbeiten gerne mit bewährten Leuten, aber auch mit jungen. „Das ist sogar ganz wichtig“, erklärt Jakob. „Es gibt in Österreich ein riesiges Potential an jungen Menschen, mit denen ich gerne arbeiten würde, man kann gar nicht genug Projekte machen um mit allen zu arbeiten. Für mich ist es ganz wichtig und es reizt mich sehr, mit jungen Regisseuren und Schauspielern zu arbeiten. Ich finde, wir haben eine gute Mischung bei unseren Filmen –natürlich immer abhängig vom Film bzw. Projekt. Und manchmal braucht man einfach einen bekannten Namen als Zugpferd.“

Die erfolgreichen Produzenten Jakob und Dieter Pochlatko. (Foto Diagonale / Sebastian Reiser)
Die erfolgreichen Produzenten Jakob und Dieter Pochlatko. (Foto Diagonale / Sebastian Reiser)

Auf alle Fälle ist es für Jakob spannend, so viele unterschiedlichste Projekte zu produzieren. „Ja, es ist sehr reizvoll und auch von Vorteil, in alle Richtungen zu arbeiten und breit aufgestellt zu sein. Ich finde es wahnsinnig interessant, über eine Sky Serie, eine Netflix Idee, einen Kinofilm oder einen Film für den ORF Hauptabend nachzudenken – also immer mit einer ganz anderen Zielgruppe.“

Auf meine Frage nach Veränderungen für die Branche während und nach Corona, meint Jakob: „Spürbar ist, dass sich der Ort ändert, an dem Filme konsumiert werden. Stehen Kino oder eine Plattform im Vordergrund oder sollen Filme gleichzeitig überall erscheinen? Da weiß man noch nicht, wohin es geht. Das Schöne für mich als Produ-zent ist vor allem, dass Inhalte gebraucht werden, egal wo. Natürlich liebe ich es, Kinofilme zu machen, denn diese sind noch immer die Königsdisziplin, wie ich finde. Diese gesamte Streamingwelt, die sich gerade so dynamisch verändert, ist ja nur ein zusätzlicher Ort für die Inhalte, die wir produzieren können und die gebraucht werden. Das sehe ich als positiv.“ Für Kinobetreiber und Verleiher ist es aber eine extrem ungewisse Zeit. „Deshalb ist es mir ein Anliegen, diese mit Kinoproduktionen nach wie vor zu unterstützen und in diese Richtung auch ganz aktiv zu entwickeln.“

Zur Zeit hat epo-film fast gleich viele Kino- wie Fernsehentwick-lungen, erfahre ich. „Im Moment gibt es so viele spannende Ideen, die sich fürs Kino eignen. Darüber bin ich sehr froh“, meint Jakob und weiter: „Aber grundsätzlich gilt: Je mehr Programmanbieter, desto besser für Produzent und Schauspieler, denn desto mehr Chancen für Arbeit gibt es.“ Im deutschsprachigen Raum wird gerade un-glaublich viel produziert. Das macht es für ihn als Produzenten oft schwierig, Teammitglieder zu bekommen.

Dieter und Jakob Pochlatko, epo-film: "Das Schöne für uns als Produzenten ist vor allem, dass viele Inhalte gebraucht werden, egal wo." (Foto epo-film)
Dieter und Jakob Pochlatko, epo-film: „Das Schöne für uns als Produzenten ist vor allem, dass viele Inhalte gebraucht werden, egal wo.“ (Foto epo-film)

Auf meine Frage, ob es mittlerweile auch für ältere Schauspieler genug Rollen gibt, meint der erfahrene Filmmann: „Ich habe das Gefühl, dass es generell einen Trend für mehr Diversität bei Besetzungen gibt und auch für alle Altersschichten.“

Große Unterstützung hat er natürlich weiterhin durch seinen Papa. „Ich genieße es, dass wir nach wie vor Seite an Seite arbeiten. Anders würde es gar nicht gehen, da so viel zu tun ist. Und es macht ihm immer noch großen Spaß – ganz ohne diese Arbeit würde er es gar nicht aushalten“, lacht Jakob. „Der Austausch ist so wahnsinnig wertvoll, seinen erfahrenen Standpunkt zu hören und darüber zu sprechen und auch zu streiten, ob ein Projekt gut ist oder nicht. Das ist eine sehr kreative Reibung.“

Für Jakob, der in einer glücklichen Beziehung lebt, ist an Ent-spannung kaum zu denken. „Es ist einfach zu viel zu tun, aber zwischendurch gibt es dann doch wieder Tage, die ich für mich nutze. Dann fahre ich beispielsweise auf den Semmering zum Downhill fahren. So kleine Auszeiten nehme ich mir hin und wieder, mein Laptop ist aber schon dabei. Aber das wichtigste zum Kopf frei kriegen ist der Freundeskreis“, verrät er mir. „Innerhalb der Familie wird natürlich immer wieder über das Geschäft gesprochen, weil es uns sehr beschäftigt. Das ist aber nicht unangenehm, aber genauso schön ist es mit Freunden unterwegs zu sein, die mit der Branche nichts zu tun haben. Das tut mir schon sehr gut.“

Großes Beitragsfoto: Die KURIER ROMY 2019 als Beste TV-Serie „Der Pass“. (Foto epo-film)

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