STEFANIE HOFER VERLÄSST EIGENSINNIG

Toni Woldrich und Stefanie Hofer - eigensinnig. (Foto eigensinnig)Stefanie Hofer verlässt eigensinnig.  Die Geschichte von Stefanie Hofer, Toni Woldrich und eigensinnig wien ist so wunderbar von den Beiden geschrieben, dass ich bat, sie  übernehmen zu dürfen – denn ich hätte keine schöneren Worte gefunden. 

Das ist die Geschichte von Stefanie Hofer, Toni Woldrich und eigensinnig wien. Wie es sich für eine Geschichte gehört, hat sie Höhen und Tiefen sowie einen Anfang, einen Mittelteil – und eine Art Ende. Auf zwei Ebenen greift sie in drei Dimensionen hinein: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nach oben, nach unten und hinein in die Tiefe. Welcher Teil wann beginnt, ist nicht klar zu sagen.

Aber das Ende, wenn es auch nur ein teilweises ist, hat einen Namen: 31. Jänner 2021. Stefanie verlässt an diesem Tag eigensinnig. Aber seien Sie unbesorgt: Es sind persönliche Gründe und es geht ihr gut. Jede neue Reise beginnt, indem man das Vertraute verlässt.

Toni hingegen wird eigensinnig weiterführen, wenn auch etwas anders. Soweit eine Art Einleitung.

 

DER ANFANG – SPULEN WIR ZEHN JAHRE ZURÜCK

 

Foto Fink - Perfect Darkness
Foto Fink – Perfect Darkness

Foto Fink – Perfect Darkness
Das Jahr 2011: Singer und Songwriter Fink bringt sein Album „Perfect Darkness“ heraus. Stefanie und Toni, damals Mitte 20, lernen sich kennen und werden ein Paar. Sie sind nicht einmal ein Jahr zusammen, als sie sich in dem alten Haus am Sankt Ulrichs Platz mit eigensinnig einmieten, ihrem „Showroom für Mode und Fotografie“, wie sie den Ort mit dem hohen Gewölbe damals nennen. Eine gemeinsame Vision, die sie in schnellem Tempo in eine Form bringen, die angreifbare Wände hat. Eigensinnig wird zum Symbol für ihre Verbundenheit, ihr zweites Zuhause. Es erweitert ihr Leben und wird zum Teil davon.

 

Auf Finks Album gibt es auch einen Song mit dem gleichnamigen Titel „Perfect Darkness“. Er wird zum Song von Stefanie und Toni, zu „ihrem“ Lied. Vielleicht ist er auch schon eine Art Vor-Referenz auf das viele Schwarz, in das eigensinnig sich von Anbeginn an hüllt. In ein Schwarz, das für beide in all seinen positiven Bedeutungen und Interpretationen steht.

 

„Deep water,

a little deeper than you thought,

feel it rolling over your head and just,

roll with it, till it‘s all good”

 

… so die Lyrics, die an einen befreundeten, aufstrebenden Musiker-freund des Künstlers gerichtet sind und mit denen er sagen will: Du weißt nicht, was passieren wird, aber das Beste, das du tun kannst, ist, dich darauf einzulassen. Oder in anderen Worten: „What you resist, persists.“ Was du bekämpfst, bleibt bestehen. Wehre dich nicht. Lass es geschehen. Alles ist gut.

 

DIE MITTE – IST ALLES GUT?

 

Stefanie und Toni lassen sich ein, aufeinander und auf eigensinnig, ihr Drittes, das aber dennoch ein eigener Organismus ist; ohne zu wissen, wie tief das Wasser wirklich ist, in das sie freien Willens und voller Überzeugung eingetaucht sind. Mit dem Enthusiasmus, den man nur in jungen Jahren haben kann, kümmern sie sich um dieses Dritte, das sich streckt und wieder zusammenzieht, zum Glück nie zu kollabieren droht und sich sehr oft wandelt. Es wird zu ihrem „Baby“, zu einem Abenteuer ohne festes Ziel, aber mit dem uner-schütterlichen Glauben an das „Wir“, genährt von Vertrauen, Ehrgeiz und einer großen Lust daran, die eigenen Grenzen zu dehnen. Das ist vielleicht der ständigen Unruhe zu verdanken, die beide in die Bewegung zwingt; ein unbändiger Drang, nach vorne zu gehen. Diese produktive Rastlosigkeit wird zum ständigen Begleiter in ihrem Leben. Sie entfacht immer wieder neues Feuer.

 

„Die schönste Harmonie entsteht

durch Zusammenbringen der Gegensätze.“

 

Stefanie und Toni: Zwei sehr unterschiedliche Eigensinnige. Ein „Match“, so perfekt wie die Dunkelheit, um die es in „ihrem“ Song geht: „Perfect Match“ x „Perfect Darkness“. Anfang und Ende eines Spektrums: auf der einen Seite die intensive, naturliebende, detail-verliebte Stefanie, und auf der anderen Seite der rationale, Wien-verliebte, stets nach Zusammenhängen suchende Toni. Widersprüche an allen Ecken und Enden. Die Unterschiede prägen sich aus, werden sichtbar und schaffen Spannung und Reibung. Der Satz „Die schönste Harmonie entsteht durch Zusammenbringen der Gegensätze“ von Heraklit wird zum Leitsatz von eigensinnig.

 

KINDER DER ZEIT

 

eigensinnig ist ein Kind der Zeit. Es kann gar nicht anders, es ist verstrickt in Zeit und Raum, auch wenn es sich durch andere Zeiten und Orte inspirieren lässt und ihm nachgesagt wird, seiner Zeit voraus zu sein. Vielleicht spiegelt eigensinnig in diesem Sinn auch immer schon den Zeitgeist, vielleicht kann es gar nicht anders.

Die Ära der Unverbindlichkeiten, verbunden mit der rastlosen Suche nach dem Neuen. Die Zeit des „Erfinde dich selbst!“, eines fast schon bedrohlich wirkenden Diktats. Eine Welt, in der das Selbst „situativ gestaltwandelnd“ sein muss, um den ständig wechselnden Anfor-derungen der Welt gerecht zu werden, wie der Psychiater Robert Jay Lifton es ausdrückt. Diese Herausforderungen sieht der Essayist und Forscher Nassim Nicolas Taleb wiederum nicht als nötiges Übel, sondern als Geschenk, über das man sich ruhig freuen darf. In seinem Buch „Antifragilität“ schreibt er: „Antifragile Dinge profitieren von Erschütterungen; wenn sie instabilen, vom Zufall geprägten, ungeordneten Bedingungen ausgesetzt sind, wachsen und gedeihen sie; sie lieben das Abenteuer, das Risiko und die Ungewissheit.“ Muss der Mensch von heute lernen, das Chaos zu lieben?

Der Psychologe Kenneth Gergen spricht in einem ähnlichen Kontext von der „Pastiche-Persönlichkeit“: Er vergleicht den Menschen mit einem „sozialen Chamäleon“, das sich seine Identität aus eben vor-handenen Versatzstücken immer wieder neu zusammensetzt – so, wie es ihm gerade sinnvoll oder wünschenswert erscheint. All diesen Begriffen ist das Fließende, der stetige Wandel gemein. Das sich-nicht-festlegen-Können oder -Wollen. 

„Ich halte es nicht für erforderlich, genau zu wissen, was ich bin. Das Wichtigste im Leben und in der Arbeit ist, etwas zu werden, was man am Anfang nicht war,“ so die Worte des französischen Philosophen Michel Foucault. Die ständige Neuerfindung des Selbsts wird zur Maxime der Postmoderne. Und der beiden Eigensinnigen.

 

Und somit zurück zu Stefanie, Toni und eigensinnig…

 

„Everything we’re gonna do, we do it.“

 

Etwas in jedem von den beiden ahnt vielleicht schon, dass „all das“ einmal ein Ende haben würde. Aber lässt man es deswegen gleich sein? Jeder Urlaub geht mal zu Ende, aber tritt man ihn deshalb gar nicht erst an? Jedes Leben endet an irgendeinem Punkt in der Zukunft, aber kann man es deshalb nicht genießen? Das Wissen um das Ende macht „all das“ erst wertvoll, könnte man kontern – was auch immer dieses „all das“ sein mag.

 

„Compass points out in all directions.”

 

Alles ist möglich, nichts muss sein, die Welt steht offen in alle Rich-tungen: So fühlt es sich auch für Stefanie und Toni an. Die Kehrseite: Wo alles möglich ist, fällt es schwer sich für einen Weg zu entschei-den. Denn mit jeder Entscheidung für etwas entscheidet man sich ganz bewusst gegen all die Alternativen: Ein Ja trägt unzählige Neins in sich. Entscheidungen werden entlang der dünnen Linie getroffen, auf die sich die beiden teilweise so konträr Eigensinnigen immer einigen können. Auch nach der Trennung im Privaten 2018 – aber das ist eine andere Geschichte, wahrscheinlich.

 

EINE ART ENDE

„Perfect memories fall down like ashes.“

 

Corona kann man viel vorwerfen. Aber dass der Kompass nun in zwei Richtungen zeigt, dass Stefanie andere Wege geht und Toni eigensinnig bleibt, das hat mit der Pandemie und all ihren Konse-quenzen so gut wie nichts zu tun.

„Der Weg ist nun in alle Richtungen offen“, betitelte die Presse ein Interview inmitten der Pandemie mit Stefanie und Toni. Das ist mehrere Monate her und dabei ging es um andere Themen. Aber der Titel, der passt auch heute.

 

Ein Jahrzehnt geht zu Ende. Ein ganzes Jahrzehnt voller Leben, Höhen und Tiefen, Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen, Erfah-rungen, den schönen und den weniger schönen Momenten. Ein Jahrzehnt, in denen die zwei Mittzwanziger gewachsen und „geworden“ sind. Anders? Reifer? Bessere Menschen? – Vielleicht wissen sie es, wenn sie irgendwann zurückblicken auf den 31. Jänner 2021.

Feststeht: Stefanie und Toni wollten und mussten diesen Weg gemeinsam gehen. Durch Raum und Zeit.

Und feststeht ebenso: Stefanie wird fehlen. Ihre Detailverliebtheit, ihre Kreativität, ihr handwerkliches Geschick. Ihr Lachen, ihre fröhliche Art, ihre Offenheit, ihre ganze Person.

Eine Abschiedsfeier wäre schön gewesen, aber leider ist das in Zeiten wie diesen eine Unmöglichkeit. Wir holen sie nach. Versprochen. Dann können auch Sie sich persönlich verabschieden. Genauso wie Toni das am 31. Jänner 2021 getan hat.

 

„It’s all good.“

 

Die Fotos wurden mir von eigensinnig zur Verfügung gestellt.

Hier ein paar meiner wundervollen ‚eigensinnigen‘ Erinnerungen

 

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