Diagonale’21 Eröffnung – Diagonale-Preis für Ostermayer

Grosser Diagonale Schauspielpreis 2021-Kunstwerk von Verena Dengler. (Foto Diagonale/Theresa Wey)Die Eröffnung der Diagonale war – wenn auch etwas anders als in den Vorjahren – eine lang ersehnte und laut beklatschte Veranstaltung.  Kultur – nicht nur speziell Filmkultur – war auch das große Thema der coronabedingt kürzeren Eröffnungsrede der Intendanten  Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber. Bei ihnen standen Euphorie und Wehmut, Grant und Schmäh ganz nah aneinander – vielleicht eine Nachwirkung eines besonderen Jahres.

Peter Schernhuber, Sebastian Höglinger, das Team von 'Fuchs im Bau' und Kulturlandesrat Christopher Drexler bei der Eröffnung der Diagonale'21 in der Helmut List Halle (Foto Diagonale/Sebastian Reiser)
Peter Schernhuber, Sebastian Höglinger, das Team von ‚Fuchs im Bau‘ und Kulturlandesrat Christopher Drexler bei der Eröffnung der Diagonale’21 in der Helmut List Halle (Foto Diagonale/Sebastian Reiser)

Aber mit Blick auf die 108 Wettbewerbsfilme, die in Graz aufgeführt werden, auf das „temporär größte Kino Österreichs“ in der Helmut-List-Halle, „Beat- und Anarchoautorinnen, Clowns und eine Buhlschaft“ sei das nach dem Pandemiejahr „nicht nichts – und schon gar nicht gar nichts“. Entsprechend heiter auch das Schlusswort: „Willkommen zurück in Graz! Wir wünschen eine quietschfidele Diagonale.“

Standing Ovations gab es dann für Christine Ostermayer. Die 84-Jährige erhielt den Großen Diagonale-Schauspielpreis für Verdienste um die österreichische Filmkultur, einen goldenen Selfie-Stick der Künstlerin Verena Dengler. Die sympathische Schauspielerin war dafür extra aus München angereist. 
„Ich habe heute den ganzen Tag darüber nachgedacht, wie oft ich mich in meinem Berufsleben verbeugt und dem Publikum Danke gesagt habe.“ Stattdessen habe sie über ihre Auftritte nachgedacht – heute jedoch, „nehme ich die große Ehre ganz einfach an, bedanke mich, bedanke mich bei der wunderbaren Jury und natürlich beim Publikum. Vielen, vielen Dank!“

Christine Ostermayer, hier in "Ein bisschen bleiben wir noch", erhielt den Großen Diagonale-Schauspielpreis. (Foto Wegafilm)
Christine Ostermayer, hier in „Ein bisschen bleiben wir noch“, erhielt den Großen Diagonale-Schauspielpreis. (Foto Wegafilm)

Die Jury, bestehend aus Ute Baumhackl, Christian Konrad, Julia Franz Richter, Julia Stemberger und Hüseyin Tabak, sagt über Ostermayer: Sie habe die österreichische Kulturlandschaft „mitgeprägt“, habe sich in die Geschichte des Films, des Theaters und des Hörspiels eingeschrieben, und in vielen und vielfältigen Rollen unter Beweis gestellt, wie einfühlsam, schlicht und echt sie ihre Arbeit ausgestaltet.“

Nach dem Schauspielpreis für ihre gefeierte Darbietung in Anfang 80 bei der Diagonale’12 ist es bereits die zweite Auszeichnung für Christine Ostermayer im Rahmen des Festivals des österreichischen Films.

Diagonale'21: Eröffnungsfilm „Fuchs im Bau“, ein Sozialdrama mit Schmäh von Arman T. Riahi (Foto Golden Girls Film)
Diagonale’21: Eröffnungsfilm „Fuchs im Bau“, ein Sozialdrama mit Schmäh von Arman T. Riahi (Foto Golden Girls Film)

Doppelte Premieren und Preisverleihungen
Statt einmal wurde der Eröffnungsfilm „Fuchs im Bau“ gleich zweimal gezeigt. Das Sozialdrama mit Schmäh von Arman T. Riahi über einen Lehrer in einer Jugendstrafanstalt wurde damit gleich doppelt gefeiert.

Für seine Dokumentarfilme Schwarzkopf (AT 2011) und Kinders (AT 2016), realisiert gemeinsam mit seinem Bruder Arash T. Riahi, wurde Arman T. Riahi bei der Diagonale bereits zwei Mal mit dem Publikumspreis der Kleinen Zeitung ausgezeichnet. 
Arman T. Riahi wurde 1981 im Iran geboren und ist in Wien aufgewachsen, wo er bereits als Schüler seine ersten Kurzfilme drehte. Er studierte Medientechnik und hat als Grafik- und Screendesigner in London und Wien gearbeitet. Seit 2005 ist Riahi als freischaffender Regisseur und Drehbuchautor tätig. 

Der Eröffnungsfilm „Fuchs im Bau“ von Arman T. Riahi handelt von einem Lehrer in einer Jugendstrafanstalt. (Foto Diagonale/Theresa-Wey)
Der Eröffnungsfilm „Fuchs im Bau“ von Arman T. Riahi handelt von einem Lehrer in einer Jugendstrafanstalt. (Foto Diagonale/Theresa-Wey)

Doppelt war aber auch die Preisverleihung. Denn neben der großen Ostermayer wurde schon wenige Stunden davor ein großes Versäumnis nachgeholt. Ursula Strauss wurde noch im Nachhinein der Diagonale-Preis des Vorjahres überreicht, für die heimische Filmkultur damit wohl insgesamt ein großer Tag.

Großen Diagonale-Schauspielpreises 2021 – Kunstobjekt
Die Preisträgerin des Großen Diagonale-Schauspielpreises 2021, Christine Ostermayer, erhält ein Kunstobjekt, gestaltet und gestiftet von Verena Dengler. Mit ihrem anspielungsreichen, pointierten und mitunter provokativen Werk – zu sehen zuletzt in einer Einzelausstellung in der Wiener Secession – macht Verena Dengler international von sich reden. Für den diesjährigen Großen Diagonale-Schauspielpreis hat Dengler einen goldenen Selfiestick aus Bronze gestaltet.

Für den diesjährigen Großen Diagonale-Schauspielpreis hat Verena Dengler einen goldenen Selfiestick aus Bronze gestaltet. (Foto Diagonale/Theresa Wey)
Für den diesjährigen Großen Diagonale-Schauspielpreis hat Verena Dengler einen goldenen Selfiestick aus Bronze gestaltet. (Foto Diagonale/Theresa Wey)

Verena Dengler über den von ihr gestifteten Preis
„Nicht erst seit Corona ist das traditionelle Kino mit Alternativen und Veränderungen konfrontiert: Filme schrumpfen auf die Größe von Handybildschirmen – und das wiederum führt zu Vereinzelung statt kollektiver Erfahrung. Der goldene Selfiestick, jedoch, steht für einen positiven Aspekt: Durch die Demokratisierung des Mediums Film und dem damit einhergehenden Wegfall von traditionellen Gatekeeper*innen kann sich heutzutage jede*r eine Plattform schaffen. Dabei lassen sich die Saugnäpfe solcher weit verbreiteten Selfiesticks wiederum auch mit jenen eines Kraken vergleichen – eine Metapher für um sich greifende, antisemitische und verschwörungstheoretische Inhalte, die von all jenen in Umlauf gebracht werden können, die die geilsten Bilder erzeugen.“

Großes Beitragsfoto: Christine Ostermayer, Gewinnerin des Großen Diagonale-Schauspielpreises 2021, bei der Eröffnung der Diagonale’21 in der Helmut List Halle (Foto Diagonale/Sebastian Reiser)

www.diagonale.at 

 

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