Filmpreise Diagonale’22

GROSSE-FREIHEIT Filmstill Franz Rogowski und Georg Friedrich. (Foto FreibeuterFilm)Die Diagonale vergab wieder Österreichs höchstdotierte Filmpreise – allen voran die mit je € 19.000 dotierten Großen Diagonale-Preise des Landes Steiermark für den besten Kinospielfilm und den besten Kinodokumentarfilm des Festivals sowie den Diagonale-Preis Innovatives Kino der Stadt Graz. Insgesamt wurden bei der festlichen Preisverleihung im Orpheum Graz 17 Filmpreise vergeben.

Diagonale'22 Preisverleihung. (Foto Diagonale / Silvia Hoedl)
Diagonale’22 Preisverleihung. (Foto Diagonale / Silvia Hoedl)

Neben den Hauptpreisen vergaben hochkarätig besetzte internationale Jurys zudem die von der VdFS – Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden gestifteten Auszeichnungen für herausragende Leistungen in den Bereichen Schauspiel, Bildgestaltung, Schnitt, Szenen- und Kostümbild sowie Sounddesign. Außergewöhnliche Produktionsleistungen wurden von der VAM – Verwertungsgesellschaft für Audiovisuelle Medien gewürdigt. Zum dritten Mal wurde zudem der Kodak Analog-Filmpreis vergeben. Der Publikumspreis der Kleinen Zeitung wurde im Schubertkino verliehen.

Ausgezeichnet als bester österreichischer Spielfilm der Diagonale’22 wurde RIMINI von Ulrich Seidl „(ex aequo mit Richie Bravo). (Foto Diagonale / Sebastian Reiser)
Ausgezeichnet als bester österreichischer Spielfilm der Diagonale’22 wurde RIMINI von Ulrich Seidl „(ex aequo mit Richie Bravo). (Foto Diagonale / Sebastian Reiser)

Ausgezeichnet als bester österreichischer Spielfilm der Diagonale’22 wurde RIMINI von Ulrich Seidl „(ex aequo mit Richie Bravo) – für einen Film, der uns nicht vergessen lässt, dass großes Kino mit dem Leben zu tun hat (dem eigenen), während es von anderem träumt. Ein Opus magnum, veramente“, wie die aus Leena Koppe (Bildgestalterin, AT/DE), Heike Parplies (Filmeditorin, DE) und Barbara Wurm (Literatur- und Filmwissenschaftlerin, HU Berlin und Berlinale, DE) bestehende Spielfilmjury der Diagonale’22 mit gebührendem Pathos bemerkte und dabei vor allem das „souveräne Zusammenspiel aller Gewerke, jedes für sich genommen preiswürdig perfekt“ lobte. In einer eigentlich nicht zu kürzenden Begründung führte sie weiter aus: „Dieser Film ist eine Winterreise. Ein Zyklus von Liedern. Homecoming als Versuch der Generationen. Buongiorno, tristezza auf Österreichisch, nah am Wasser gebaut, hingebungsvoll bis zum Höhepunkt, singend bis ans Ende. Eros und Thanatos aus dem Wurlitzer, Sehnsucht und Empathie. Das Leiden so echt wie falsch. Mamarufe durch Mark und Bein.
Geschichtsgetränkt in den Spuren aus dem Reich (auf der Ton- wie der Gefühlsebene), aufgewacht in der irgendwie verbesserungswürdigen Willkommenskultur. Gestrandete allenthalben, ob an der Adria oder im Heim. Schweißgetrieben, am nasskalten Strand.“ RIMINI wurde im Wettbewerb der Berlinale uraufgeführt. Die vielumjubelte österreichische Erstaufführung des Spielfilms fand am 6. April als Galapremiere in der ausverkauften Helmut List Halle in Graz statt. Die Auszeichnung ist die erste für Ulrich Seidl als Regisseur beim Festival des österreichischen Films.

Der Große Diagonale-Preis Dokumentarfilm ging an Sabine Derflinger für "Alice Schwarzer". (Foto Harald Wawrzyniak)
Der Große Diagonale-Preis Dokumentarfilm ging an Sabine Derflinger für „Alice Schwarzer“. (Foto Harald Wawrzyniak)

Der Große Diagonale-Preis Dokumentarfilm ging an Sabine Derflinger für Alice Schwarzer: „Für den Mut, einen umstrittenen Stoff beim Namen zu nennen, dafür, sich nicht von Vorurteilen vereinnahmen zu lassen, für die Erzählung einer vielseitigen Geschichte, getrieben von Empathie und Neugierde zugleich, für das kunstvolle Zusammenfügen von Szenen und Sequenzen, die weder chronologisch noch thematisch streng geordnet sind und doch einer klaren inneren Logik folgen, für den großen Reichtum an Interviews und Archiven aus aller Welt, kunstvoll verflochten, und für die Chance, Geschichte neu zu erleben und zu verstehen – und damit wohlgemut in die Zukunft zu schreiten […].“

Sabine Derflinger erhielt den Großen Diagonale-Preis Dokumentarfilm für "Alice Schwarzer". Im Bild Alice Schwarzer. (Foto Derflinger-Film / Christine A. Maier)
Sabine Derflinger erhielt den Großen Diagonale-Preis Dokumentarfilm für „Alice Schwarzer“. Im Bild Alice Schwarzer. (Foto Derflinger-Film / Christine A. Maier)

Nach 2020 ist es bereits die zweite Auszeichnung für die Regisseurin in einer Hauptkategorie der Diagonale: Wie schon in DIE DOHNAL Frauenministerin / Feministin / Visionärin (AT 2019) widmet sich Derflinger in Alice Schwarzer einer außergewöhnlichen Frau und verschränkt die Ebenen von Vergangenheit und Gegenwart. „Männer, Frauen und alle anderen bekommen hier im Kino die Chance, die Welle des Zweiten Feminismus einzuordnen und auf ihr aufzubauen, über zwei Stunden lang in einer Vielfalt von Geschichten und Anekdoten einem Lebenslauf zu folgen, der gradlinig komplex durch Gesellschaft und Politik geformt wurde und diese geformt hat. Ein Film – wie seine Protagonistin – voller Humor, Warmherzigkeit und Schlagfertigkeit, der Brücken bauen kann“, strich die Dokumentarfilmjury mit Pierre-Emmanuel Finzi (Verleiher und Filmschaffender, Filmgarten, AT), Selina Hangartner (Filmkritikerin und Co-Chefredakteurin Filmbulletin, CH) und Esther van Messel (Produzentin, Weltvertrieb und Verleih, First Hand Films, CH/DE) die Qualitäten von Derflingers Arbeit hervor.

Den Diagonale-Preis Innovatives Kino der Stadt Graz gewinnt CEREAL. (Foto Anna Spanlang)
Den Diagonale-Preis Innovatives Kino der Stadt Graz gewinnt CEREAL. (Foto Anna Spanlang)

Den Diagonale-Preis Innovatives Kino der Stadt Graz gewinnt CEREAL / Soy Claudia, soy Esther y soy Teresa. Soy Ingrid, soy Fabiola y soy Valeria. von Anna Spanlang, in dem sich gesammelte Momentaufnahmen aus dem Handyarchiv zu einem flirrenden Freundschaftsporträt verdichten: „The filmmaker uses personal footage. This material – originally rather rough and fragmented – is assembled into an expertly edited, composed stream of images and events full of evocative juxtapositions, sounds, music, lyrics, scripts, and references. Despite the spontaneous and associative nature of the footage – originally shot with cell phones –, the director establishes a clear structure and cinematic quality. The film explores social relations and activism, depicting a public space of collectivity, engagement, and togetherness.” Mit diesen Worten begründete die Jury ihre Entscheidung für einen Film, in dem die Künstlerin erst in der Begegnung mit Menschen, Kunst und Diskursen sicht-, hör- und fühlbar wird: „It shines through its unambiguous honesty, the empowerment of its female subjects, and a critical approach towards our surroundings while maintaining a strong positivity and confidence in a generation. The film unfolds a contemporary and relevant position through a cascade of popular culture, immediate experiences, and emotions.“

Den Diagonale-Preis Innovatives Kino der Stadt Graz gewinnt CEREAL / Soy Claudia, soy Esther y soy Teresa. Soy Ingrid, soy Fabiola y soy Valeria. von Anna Spanlang. (Foto Diagonale / Clara-Wildberger)
Den Diagonale-Preis Innovatives Kino der Stadt Graz gewinnt CEREAL / Soy Claudia, soy Esther y soy Teresa. Soy Ingrid, soy Fabiola y soy Valeria. von Anna Spanlang. (Foto Diagonale / Clara-Wildberger)

Die Diagonale-Schauspielpreise für einen bemerkenswerten Auftritt in einem Wettbewerbsfilm der Diagonale’22 in Kooperation mit der VdFS gingen an Julia Windischbauer für PARA:DIES sowie an Georg Friedrich für GROSSE FREIHEIT. „Leichtfüßig, uneitel und voller Vertrauen in den Blick der Kamera spielt sie eine Frau, die liebt, zweifelt, kämpft, feiert, sich fallen lässt, sich entzieht. All das mit einer großen Selbstverständlichkeit und einem unangestrengten Stolz“, befand die Schauspieljury über die Darstellung der „bereits jetzt unverwechselbaren“ Julia Windischbauer.

Für GROSSE FREIHEIT habe sich Georg Friedrich als „eines der wichtigsten und prägnantesten Gesichter des österreichischen Films“ wiederum aus der Comfort Zone gewagt, so die Jury, die besonders seine „unfassbar vielschichtige, elegante und unberechenbare Darstellung“ hervorkehrte: „Wir haben ihn gesehen, wie wir ihn noch nie gesehen haben. Und das hat uns den Atem geraubt!“

Den Preis für den besten Kurzspielfilm des Festivals erhielt Valentin Stejskal für 5pm Seaside. (Foto Stejskal / Frischholz / Petinaraki / Ljuma)
Den Preis für den besten Kurzspielfilm des Festivals erhielt Valentin Stejskal für 5pm Seaside. (Foto Stejskal / Frischholz / Petinaraki / Ljuma)

Den Preis für den besten Kurzspielfilm des Festivals erhielt Valentin Stejskal für 5pm Seaside. Als bester Nachwuchsfilm, vergeben von der Jugendjury des Landes Steiermark, wird Alles ist hin von Jan Prazak ausgezeichnet. Der Diagonale-Preis Kurzdokumentarfilm des KULTUM geht an AUGUSTS ORTE von Valérie Pelet.

Als bester Nachwuchsfilm, vergeben von der Jugendjury des Landes Steiermark, wird "Alles ist hin" von Jan Prazak ausgezeichnet. Jugendjury mit Jan Prazak Team. (Foto Diagonale / Clara Wildberger)
Als bester Nachwuchsfilm, vergeben von der Jugendjury des Landes Steiermark, wird „Alles ist hin“ von Jan Prazak ausgezeichnet. Jugendjury mit Jan Prazak Team. (Foto Diagonale / Clara Wildberger)

Insgesamt werden im Rahmen der Diagonale Preise im Wert von rund € 185.000 an Filmschaffende vergeben. Alle PreisträgerInnen erhalten außerdem ein Kunstwerk, entworfen und umgesetzt von der Künstlerin Anna Paul.

Diagonale-Publikumspreis der Kleinen Zeitung: Verschwinden" von Izginjanje von Andrina Mračnikar. (Foto Diagonale / Clara Wildberger)
Diagonale-Publikumspreis der Kleinen Zeitung: Verschwinden“ von Izginjanje von Andrina Mračnikar. (Foto Diagonale / Clara Wildberger)

Diagonale-Publikumspreis der Kleinen Zeitung / Beliebtester Film der Diagonale’22 für „Verschwinden / Izginjanje von Andrina Mračnikar“

Großes Beitragsfoto: Ausgezeichnet als bester österreichischer Spielfilm der Diagonale’22 wurde RIMINI von Ulrich Seidl „(ex aequo mit Richie Bravo).  (Foto Ulrich Seidl Filmproduktion)

www.diagonale.at 

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