Michou und Marie Friesz – Vollblut-Schauspielerinnen

Schauspielerinnen Michou und Marie Friesz mit Journalistin Hedi Grager (Mitte). (Foto Reinhard Sudy)Sie ist „mit Leib und Herz und Seele“ Schauspielerin und man kennt sie aus zahlreichen Filmen und Serien. Stand Michou Friesz mit ihrem erfolgreichen Neffen Aaron schon gemeinsam vor der Kamera, tat sie das jetzt auch erstmals mit ihrer Tochter Marie in TAKTIK.

Die Wiener Schauspielerin startete Anfang der 1990er Jahre eine erfolgreiche Film- und Fernsehkarriere. 2009 gründete sie gemeinsam mit anderen österreichischen Filmschaffenden die Akademie des Österreichischen Films.

Michou Friesz ist „mit Leib und Herz und Seele“ Schauspielerin, man kennt sie aus zahlreichen Filmen und Serien. (Foto Sabine Hauswirth)
Michou Friesz ist „mit Leib und Herz und Seele“ Schauspielerin, man kennt sie aus zahlreichen Filmen und Serien. (Foto Sabine Hauswirth)

Mit ihrem Neffen, dem erfolgreichen Schauspieler Aaron Friesz, stand Michou Friesz bereits gemeinsam vor der Kamera, in TAKTIK konnte man sie jetzt mit ihrer Tochter Marie sehen. „Mit Aaron spielte ich zwar gemeinsam in Filmen, aber nicht gemeinsam in einer Szene. Genauso war es jetzt mit Marie“, lacht Michou. „Sie spielt die Assistentin der Polizei und ich eine Geisel. Sie hat vor Weihnachten für den Film gedreht und ich danach.“ Marie meint dazu: „Die Hoffnung ist aber groß, dass einmal mit meiner Mutter zusammen spiele, denn das wäre schon herrlich.“

Schauspiel-Gene mitbekommen hatte Marie erstmal gar nicht, verrät sie mir. „Ich habe mich lange dagegen gewehrt und wollte was anderes machen. Durch Zufall kam ich zu einem Casting, wo eine blonde 17-Jährige gesucht wurde. Ich war damals noch blond“, erklärt sie, als sie meinen Blick auf ihr dunkles Haar sieht. „Und ich dachte mir why not, es ist Sommer und es wäre vielleicht lustig.“ Sie bekam die Rolle und drehte ihren ersten Kinofilm. „Und nach dem ersten Drehtag fand ich es so schön, dass ich nie wieder etwas anderes machen wollte“, lacht sie. „Seitdem hat sich das nicht geändert, jeder Dreh ist wieder genauso schön.“

In TAKTIK von Marion Mitterhammer stand Michou Friesz erstmals gemeinsam mit ihrer Tochter Marie vor der Kamera. (Foto Inge Prader)
In TAKTIK von Marion Mitterhammer stand Michou Friesz erstmals gemeinsam mit ihrer Tochter Marie vor der Kamera. (Foto Inge Prader)

Michou Friesz begann ihre Karriere im Theater. „Ich habe lange und intensiv Theater gespielt, bekam dann aber etwas, das man heute als Burnout bezeichnen würde, ein Theater-Burnout“, erzählt sie sehr offen. „Am Schauspielhaus in Wien hatte ich zuletzt alle 6 Wochen Premieren. Es war nur mehr so ein rausschöpfen und am Schluss war nichts mehr da, was man hätte schöpfen können. Unabhängig davon war es aber meine schönste Theaterzeit. Dann habe ich das erste Mal gedreht und das war so himmlisch.“ Die Schauspielerin, die mittlerweile in mehr als 100 Filmen spielte, wollte nicht mehr wochenlang proben und auch nicht mehr 100 Vorstellungen wie z.B. bei ‚Amadeus‘ spielen. Ich mag diese Exklusivität beim Film.“ Als sie nach diesem ersten Dreh Anfang der 90er aus Berlin zurückkehrte, „hatte ich das Gefühl, das muss ich weitermachen und habe am Theater gekündigt. Ich hatte mich in das Schauspiel verliebt und darin eine neue Berufung gefunden.“ Danach arbeitete sie mit einer Schauspiel-Lehrerin in New York. „Das war dann schon ein völlig neues Leben, denn zuvor war ich 10 Jahre lang im festen Engagement, ohne Sorgen, wenn man morgens erwacht. Es war gewöhnungsbedürftig, aber ich empfand es als herrlich.“ Nachdem sie dann lange Zeit nur mehr drehte, mag sie mittlerweile auch das Theater wieder gerne. „Ich arbeite gerade mit Regisseur Michael Sturminger an einem Stück und finde die Abwechslung jetzt sehr reizvoll.“

Wie bei der Mutter kam auch bei der Tochter die Faszination für das Schauspiel schon beim ersten Dreh. „Es macht süchtig“, meint Marie. Theater spielte Marie zwar an der Schauspielschule und es machte ihr auch Spaß, „aber ich hatte ja damals schon gedreht und wusste deshalb, was da draußen Schönes auf mich warten könnte. Deshalb habe ich mich nie darum bemüht, Theater zu spielen.“ Ganz ausschließen tut sie es aber nicht. „Vielleicht einmal, wenn ich groß bin“, meint sie mit ihrem sympathischen Lachen. „Ich drehe so gerne und bleibe dabei, wenn ich darf und kann.“

Wie bei ihrer Mutter kam auch bei Marie Friesz die Faszination für das Schauspiel schon beim ersten Dreh. „Es macht süchtig.“ (Foto Inge Prader)
Wie bei ihrer Mutter kam auch bei Marie Friesz die Faszination für das Schauspiel schon beim ersten Dreh. „Es macht süchtig.“ (Foto Inge Prader)

Ich spreche nun Michou Friesz darauf an, dass sie zu Beginn oft Huren gespielt hat, und möchte wissen warum. Michou lacht. „Ich habe erst letztens einer Kollegin erzählt, dass ich damals ein Drehbuch aufschlug und schon hatte ich die Glitzer-High Heels an. Das Witzige war nämlich, dass ich bürgerlich aufgewachsen bin, in eine Klosterschule ging und überhaupt keinen Dialekt sprechen konnte. So musste jedes Mal ein Sprachcoach hinzugenommen werden. Mittlerweile kann ich es, aber damals war es wie eine Fremdspreche für mich.“ Sie erinnert sich schmunzelnd daran, dass sie damals von einem Mitwirkenden Tipps bekam, in welche einschlägige Lokale sie gehen konnten, ohne dass sie als Frau rausgeworfen wurde. „Das war toll, in so einem Lokal sitzen und schauen zu dürfen – das kennt man ja sonst wirklich nur aus dem Film. Und dann war diese Phase plötzlich vorbei und ich habe nur noch Anwältinnen und Richterinnen gespielt.“ Wie viele Schauspieler mag sie eher schwierige Charakterrollen, „denn komplizierte Menschen zu spielen ist immer reizvoller als gutgelaunte Allerwelts-Typen.“

Auch das Spiel in Serien und dabei über längere Zeit eine Rolle zu verkörpern hat seinen Reiz. „Die Arbeit ist eine andere, weil man nicht nur eine Szene hat, sondern mit der Rolle wächst und sich mehr spielen kann“, meint Marie. Dieser Meinung ist auch Michou: „Man kann sich mehr ‚ausbreiten‘, nicht jede Szene muss das hohe C habenm weil man weiß, dass man mehr Zeit hat. Ich habe ja in einigen Serien mitgespielt, in ‚Trakehnerblut‘, ‚Die Totenfrau‘ und in ‚Alles kein Problem‘ mit Harald Krassnitzer. Damals habe ich seine alte Assistentin gespielt und man fragte mich, ob es mir mit meinen 50 Jahren etwas ausmachen würde, eine über 60-Jährige zu spielen. Ich spielte mit einer grauhaarigen Perücke, und in der zweiten Staffel habe ich dann mit meinen eigenen bereits weißen Haaren gespielt. Einige meinten dann, warum ich mit einer weißen Perücke und nicht mit meinen eigenen Haaren spiele – da bin ich fast in Ohnmacht gefallen.“

Wunschrolle?
Die Antwort von Michou auf diese Frage ist meist: „Ich spiele eigentlich immer Frauen am Rande eines Nervenzusammenbruchs und würde so gerne einmal eine Liebhaberin, eine ganz normale Frau spielen.“ Lachend meint sie weiter, „also einfach eine Frau, die sich den Wecker stellt, einem tollen Beruf nachgeht und abends ihren Mann trifft.“

Ihre Tochter Marie kann zur Wunschrolle so genau gar nicht sagen. „Ich habe viele Schülerinnen gespielt und freute mich über die Rolle in TAKTIK, da war die Rolle so alt wie ich wirklich bin. Es war herrlich, etwas Erwachseneres zu spielen, auch wenn ich noch nicht so erwachsen wirke“, schmunzelt sie. „Ich freue mich einfach auf das Spielen.“

Wie weit sie für eine Rolle gehen würden, kommt bei Beiden auf die Rolle an. Für Marie gibt es zwar Grenzen, den Kopf abrasieren oder Haare schwarz färben wäre aber kein Problem, wenn die Rolle super ist. „Rene Zellweger hat für Bridget Jones auch erfolgreich zu- und abgenommen.“ Michou erzählt von Stuntkoordinatorinnen, die für Liebesszenen zuständig sind. „Und das ist natürlich wahnsinnig toll. Wenn du eine Bettszene hast und es ist ein ‚Closed Set‘, bei dem nichts dem Zufall überlassen wird, bist du einfach geschützt. Das hat nichts mit Feigheit zu tun, aber das ist mein Privatestes.“ Marie meint dazu noch: „Dann bist du auch viel mehr bei dir und kannst viel freier spielen, brauchst Dir um nichts Sorgen machen.“

Michou Friesz: "Ich würde so gerne einmal eine Liebhaberin, eine ganz normale Frau spielen.“ (Foto Inge Prader)
Michou Friesz: „Ich würde so gerne einmal eine Liebhaberin, eine ganz normale Frau spielen.“ (Foto Inge Prader)

Eigene Erfahrung
Natürlich steckt auch viel persönlich Erlebtes in einer Rolle. „Man kann von sich als Basis ausgehen, nimmt den Text dieser Figur und schaut, was von den eigenen Erfahrungen zu ihr passt. Ich spreche auch Hörbücher für Random House ein, und wenn da alte Menschen vorkommen, habe ich eine eigene Stimme. Und wenn gefragt werde, woher ich diese habe, erkläre ich, dass ich die Stimme meiner Mutter oder Großmutter annehme und auch die Art, ‚Feldwebel zu sein‘“, ergänzt Michou lachend. Für Marie macht ihre Mutter das so gut, dass sie diese Stimmen auch im Ohr hat. Zu ihrer Herangehensweise an eine Rolle meint Marie: „Ich versuche, mir irgendwie die Brücke zwischen der Rolle und mir selbst zu bauen. Dennoch finde ich hilfsreiche Techniken dafür herrlich und besuchte auch einige Workshops. Es ist cool zu lernen, wie man seine eigenen Erfahrungen nutzt und lernt, etwas auszuschmücken.“ Sie mag es, einfach nur mal so tun, als ob und sich einmal eine komplette Geschichte auszudenken, „die mir selbst nie passiert ist. Mich da reinzuleben und einfach zu spielen, finde ich herrlich.“

Das unglaublich innige Verhältnis, das tiefe Verständnis zwischen Michou und ihrer Tochter Marie ist deutlich spürbar. Auf meine Frage, wer wen berät, meint Michou: „Marie sagt, sie berät mich. Sie bereitet mich auf Castings vor und ist ein Meister der Vorbereitung. Sie kennt Techniken, die wir damals nicht gelernt haben. Heutzutage ist das anders und von Marie habe ich Mikrofonarbeit und verschiedene Schauspieltechniken gelernt, das ist schon interessant.“

Marie ergänzt noch: „Wenn wir dann auf facetime Vorbereitungen für Castings ein paarmal durchspielen, ich in Düsseldorf und du in Wien, macht das viel Spaß und gibt uns neue Ideen und Inputs.“

Marie Friesz: "Mamis Ratschläge geben mir Sicherheit und das Schönste ist, dass sie immer sagt: Mach’s.“(Foto Inge Prader)
Marie Friesz: „Mamis Ratschläge geben mir Sicherheit und das Schönste ist, dass sie immer sagt: Mach’s.“(Foto Inge Prader)

Liebe und Offenheit
Für Marie sind viel Liebe Mamis beste Eigenschaften, worauf Michou meint: „Deine sind dafür eine riesengroße Liebe und eine Offenheit für andere da zu sein.“ „Und reiten kann ich auch“ ergänzt Marie lachend. Auf Unterschiede angesprochen denken beide lange nach und dann kommt es schmunzelnd von Michou: „Marie hat den besseren Männergeschmack. Aber sonst sind wir wie Zwillinge, wir sagen angesichts von Situationen oft dasselbe und es gibt Momente, wo wir synchron die Augen verdrehen.“ Die Beiden hören oder schreiben sich auch jeden Tag. „Schon morgens erzählen wir uns die wichtigsten Details des Tages“, verrät Marie und als ich von ihr den besten Ratschlag ihrer Mutter wissen möchte meint sie: „Oh, jeder. Oft sind es auch nur ganz kleine Dinge, zwischendurch am Telefon, bei denen ich denke, dass sie recht hat. Mamis Ratschläge geben mir Sicherheit und natürlich weiß ich, dass ich manche Erfahrungen selber machen muss. Das Schönste ist, dass sie immer sagt: Mach’s.“

Während Michou wahnsinnig gerne Yoga macht, dazu Räucherstäbchen und eine Kerze entzündet, schwärmt Marie für Pilates. „Das finde ich herrlich, nachdem ich sehr viel ausprobiert habe. Einige Zeit habe ich versucht, Yoga zu lieben, weil ich bei Mami immer gesehen habe, wie schön das sein kann“, schmunzelt sie. „Aber dann entdeckte ich Pilates, das für mich ein bisschen dynamischer ist.“

Premiere von TAKTIK in Graz. Michou Friesz und ihre Tochter Marie spielten darin mit. (Foto Hedi Grager)
Premiere von TAKTIK in Graz. Michou Friesz und ihre Tochter Marie spielten darin mit. (Foto Hedi Grager)

Wir kommen noch kurz auf den Film TAKTIK zu sprechen, in der Michou die anspruchsvolle Rolle einer Geisel spielt. „Ein riesiger Vorteil war, dass wir chronologisch gedreht haben. Da muss man nicht irgendwas wieder aus der Erinnerung holen und nicht diese unglaublichen Sprünge machen, die manchmal kaum nachvollziehbar sind. Man trifft sich jeden Tag und macht weiter in der Geschichte. Das ist ein Geschenk für einen Schauspieler.“

Überhaupt verliert Michou nie ihren Humor und ihre Leichtigkeit und meint etwas nachdenklich: „Das ist natürlich mein Anspruch, da ich das Gefühl habe, dass ich auf die Butterseite gefallen und sehr fröhlich bin.“ Es ist auch eine Gelassenheit bei der Schauspielerin spürbar, die meint, dass sie das schon immer war. „Das bin ich vielleicht in 40 Jahren auch“, lacht ihre Tochter Marie.

Beide sind große Fashion-Liebhaberinnen. „Das ist ein sinnlicher Genuss für mich“, meint Michou. „Sich schön zu kleiden, ist für mich wie Kunst. Mein Kleiderschrank ist sehr übersichtlich und ich mache auch keine Frustkäufe, sondern hole mir in meinen Lieblingsgeschäften immer wieder ein schönes Stück.

Respekt vor dem Alter
Mit einem Schmunzeln meint Michou, dass es schon lange her sei, seit sie gesagt hat, dass sie keine Angst vor dem Älterwerden habe. „Mittlerweile habe ich einen größeren Respekt davor.“ Sehr offen verrät sie, dass der 50er schon zwei leicht depressive Tage verursachte. „Auch den 60er fand ich nicht leicht, aber das Gute ist, dass man es nicht von heute auf morgen wird. Ich bin aber sehr glücklich und dankbar, dass ich gesund bin und hoffe, dass es so bleibt. Denn ich glaube, ich wäre eine ganz ungeduldige Kranke. Andererseits hatte ich mit 50 das Gefühl, dass das Innen mit dem Außen stimmt und ich angekommen bin. Natürlich empfiehlt es sich, nicht mit Brille in den Spiegel zu schauen – oder doch, um zu sehen, was neu ist“, lacht sie und weiter: Alt werden ist nichts für Schwächlinge.“

Im Grazer Cafe Schäffners traf ich Michou und Marie Friesz, beide Schauspielerinnen aus Leidenschaft. (Foto Reinhard Sudy)
Im Grazer Cafe Schäffners traf ich Michou und Marie Friesz, beide Schauspielerinnen aus Leidenschaft. (Foto Reinhard Sudy)

Für Mutter und Tochter gibt es viele neue Projekte, über die sie noch nicht sprechen können. Nur soviel, dass Marie ihr Journalismus-Studium in Köln weitermacht und Michou in den Sommerspielen Perchtoldsdorf in ‚Molière oder Der Heiligenschein der Scheinheiligen‘ zu sehen ist. „Ich spiele Ludwig den XIV, den Sonnenkönig.“

Großes Beitragsfoto: Michou Friesz. (Foto Sabine Hauswirth)

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