Verena Altenberger als Kommissarin Elisabeth Eyckhoff im POLIZEIRUF 110

Verena Altenberger in POLIZEIRUF 110 (Foto BR_Hendrik Heiden)Die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin Verena Altenberger ist jetzt als Oberkommissarin Elisabeth Eyckhoff im POLIZEIRUF 110 unterwegs. Sie gehört zu den begehrtesten und bedeutendsten deutschsprachigen Schauspielerinnen.

Verena Altenberger gehört zu den begehrtesten und bedeutendsten deutschsprachigen Schauspielerinnen. (Foto Chris Singer)
Verena Altenberger gehört zu den begehrtesten und bedeutendsten deutschsprachigen Schauspielerinnen. (Foto Chris Singer)

„Hallo Servus“, klang es gut gelaunt aus dem Hörer, als ich mit Verena Altenberger kürzlich telefonierte. Ich spreche sie auch gleich auf ihre aktuelle Rolle als Elisabeth Eyckhoff in POLIZEIRUF 110 an und möchte von ihr wissen, was ihr erster Gedanke war, als sie angefragt wurde. „Wann immer es sich zeitlich bei mir ausgeht, bin ich eine klassische Tatort- und Polizeiruf-Zuseherin. Das sind für mich oft sehr mutige und artifizielle Filme, und gerade der ‚Münchner‘ Polizeiruf hat – auch durch Dominik Graf – einen besonderen Stellenwert. Ich musste also gar nicht überlegen, ob ich die Rolle übernehmen möchte“, höre ich sie lachen.

Streifenpolizistin mit Pferdeschwanz
Verena spielt eine verhältnismäßig junge Ermittlerin, genauer gesagt eine Streifenpolizistin, oder noch genauer gesagt: Polizeioberkommissarin im gehobenen Dienst, aber auf Streife unterwegs. Wird sie als Streifenpolizistin, noch dazu als sehr junge, nicht etwas unterschätzt, frage ich die Schauspielerin. „Absolut, man kennt es ja, als Frau generell unterschätzt zu werden“, schmunzelt sie. „Das bietet ein ganz tolles Konfliktpotential, wenn sie zwar im ‚gehobenen Dienst‘ aber in Uniform in einem Vermisstenfall ermittelt. Aber es ist tatsächlich auch realistischer Polizeialltag, denn wenn Not am Mann ist, werden wirklich Streifenpolizisten aus dem gehobenen Dienst für Sonderkommissionen dazu geholt.“ Das war es auch, was Verena am Drehbuch begeisterte. „Wenn ich im Drehbuch von einer taffen Kommissarin im Hosenanzug gelesen hätte, hätte mich das weniger interessiert als die Rolle dieser Streifenpolizistin mit Pferdeschwanz. Das junge Mädchen in der Uniform, das eh nicht ernst genommen wird, finde ich viel spannender.“

Verena Altenberger spielt in POLIZEIRUF 110 eine verhältnismäßig junge Ermittlerin, genauer gesagt eine Polizeioberkommissarin im gehobenen Dienst, aber auf Streife unterwegs. (Foto BRmaze pictures GmbH)
Verena Altenberger spielt in POLIZEIRUF 110 eine verhältnismäßig junge Ermittlerin, genauer gesagt eine Polizeioberkommissarin im gehobenen Dienst, aber auf Streife unterwegs. (Foto BRmaze pictures GmbH)

Vielfach ausgezeichnet
Verena ist bekannt für ihre sehr unterschiedlichen und interessanten Rollen. Für ihre Darstellung der Helga Wachter in DIE BESTE ALLER WELTEN wurde sie mit dem Österreichischen Filmpreis als ‚Beste weibliche Hauptrolle‘, mit dem Bayerischen Filmpreis als ‚Beste Nachwuchsdarstellerin‘, dem Preis für die ‚Beste Schauspielerin‘ beim Internationalen Filmfestival Moskau 2017 und beim Riverside International Film Festival 2018 ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielt sie den ‚Diagonale-Schauspielpreis‘ für den bemerkenswerten Auftritt einer österreichischen Schauspielerin in einem Wettbewerbsfilm 2017 und den Deutschen Regiepreis Metropolis als ‚Beste Schauspielerin‘. Für ihre Darstellung der polnischen Altenpflegerin Magda in der RTL-Sitcom MAGDA MACHT DAS SCHON wurde sie einem noch breiteren Publikum bekannt.

POLIZEIRUF 110 - "Der Ort, von dem die Wolken kommen" mit Verena Altenberger, Norman Hacker und Andreas Bittl (Foto BR)
POLIZEIRUF 110 – „Der Ort, von dem die Wolken kommen“ mit Verena Altenberger, Norman Hacker und Andreas Bittl (Foto BR)

Die Einflussnahme der RegisseurInnen auf Rollen ist aber unterschiedlich groß, stelle ich fest. „Natürlich, aber ich muss dazu sagen, dass ich für den POLIZEIRUF 110 schon recht lange im Gespräch war, und ich so vor der Entscheidung im Sommer letzten Jahres viele Treffen mit der Redakteurin Cornelia Ackers hatte, die das Format seit vielen Jahren betreut, wie auch mit möglichen Regisseurinnen, Autorinnen und meinem Agenten. Es war also eine gegenseitige Inspiration und wir hatten richtig Lust darauf, miteinander zu arbeiten. So konnte ich mich schon im Vorfeld einbringen und aus den vielen gemeinsamen Gesprächen entstand meine Rolle. Gerade bei der Elisabeth ist von mir sehr viel dabei, und jetzt nicht von mir als Verena sondern von mir als Schauspielerin, die sich auch überlegt, wie möchte ich eine Rolle spielen, die mich eine Zeitlang begleiten wird.“

Im 2. Münchner POLIZEIRUF 110 "Die Lüge, die wir Zukunft nennen" vom Mastermind-Duo Günter Schütter und Dominik Graf ist Verena Altenberger am "steppen". (Foto zur Verfügung gestellt)
Im 2. Münchner POLIZEIRUF 110 „Die Lüge, die wir Zukunft nennen“ vom Mastermind-Duo Günter Schütter und Dominik Graf ist Verena Altenberger am „steppen“. (Foto zur Verfügung gestellt)

Auf die Frage, wie sie sich auf Rollen vorbereite, da einiges ja doch der Realität entsprechen sollte – ich denke da an den Umgang mit Waffen als Polizistin – meint Verena: „Absolut. Grundsätzlich mag ich es, wenn Filme realistisch sind. In der Vorbereitung ist es mir wichtig, dass es echt ist, was ich mache. Nicht nur weil mir Realismus wichtig ist und weil ich finde, dass man eine Verantwortung gegenüber manchen Berufsgruppen oder Gruppen per se hat, sondern auch, weil es meine Inspiration speist. Zu sehen, wie eine Polizistin morgens aufsteht, wie lange ihre Dienste sind, wie ihre Einsätze ablaufen, gibt mir Stoff für meine Rolle. Ich füttere mir quasi selbst Speck an auf die Phantasie, indem ich mich vorbereite. Im konkreten Fall wurde mir eine ganz tolle Polizistin aus Hamburg zur Seite gestellt, die mich beraten hat, mir Geschichten erzählt und Bücher empfohlen hat. Den Umgang mit der Waffe musste ich nicht erlernen, weil ich seit einigen Jahren einen Waffenführerschein besitze. Neu aber war die Auseinandersetzung damit, wie ich die Waffe im Spind verstaue oder ob ich sie lässig über den Stuhl hängen lassen kann.“

Ich spreche sie darauf an, dass man ja auch eine Verantwortung, eine Vorbildwirkung habe. „Kann es auf jeden Falls sein – ist es in manchen Fällen aber auch nicht“, schmunzelt Verena. Wie recht sie doch hat.

Verena Altenberger: "Grundsätzlich mag ich es, wenn Filme realistisch sind. In der Vorbereitung ist es mir wichtig, dass es echt ist, was ich mache." (Foto BR Markus Konvalin)
Verena Altenberger: „Grundsätzlich mag ich es, wenn Filme realistisch sind. In der Vorbereitung ist es mir wichtig, dass es echt ist, was ich mache.“ (Foto BR Markus Konvalin)

Hautnah an der Realität
Kürzlich war zu lesen, dass der Schauspielerin bei ihren Dreharbeiten auf Lesbos das Thema Flüchtlingsproblematik sehr nahe ging, war es dort doch hautnah zu erleben. „Ich denke mir, als Schauspielerin, als Künstlerin oder Politikerin hat man den Luxus, dass einem eine Bühne geboten wird – und diese gilt es verantwortungsvoll zu nutzen. Das heißt ja nicht, dass man überhaupt keine Flugreisen mehr machen soll oder ähnliches, aber dass man verantwortlich damit umgehen soll. Wenn ich etwas tue, berührt mich das auch, Schauspiel lebt bei mir viel aus der Empathie heraus,“ kommt es voller Energie von Verena. „Es war irgendwie so absurd, da dreht man tagsüber beispielsweise Szenen, wie ein Boot mit Geflüchteten an den Strand kommt, und nachts kommen dann tatsächlich Menschen auf der Flucht an. Wenn man dann morgens wieder zum Dreh an den Strand kommt, hängt eine Schwimmweste im Busch fest – eine absurde Ambivalenz.“

„Die Grundlage, auf der ich eine Rolle aussichte, ist immer eine gute Geschichte, also was sie erzählt", erklärt Verena Altenberger. (Foto Linda Rosa Saal
„Die Grundlage, auf der ich eine Rolle aussichte, ist immer eine gute Geschichte, also was sie erzählt“, erklärt Verena Altenberger. (Foto Linda Rosa Saal

Trennungsschmerz
Verena leidet aber auch immer unter der ‚Trennung‘ nach einem Dreh. „Ja total, das ist wirklich grauenvoll“, meint sie ernst. „Das fühlt sich für mich ein bisschen wie ‚Schluss machen‘ an, wie verlassen und alleine zurückgelassen werden. Man kann nicht mehr atmen, die Nummer ist blockiert und ich denke mir: aber wir waren doch so eng und jetzt ist es vorbei?“ Verena lacht. „Wirklich, so fühlt es sich für mich an. Das hat sicher damit zu tun, dass man während des Drehs unter ganz hoher Anspannung steht, voller Adrenalin ist. Man darf nicht krank werden – was der Körper auch ganz genau weiß, man verbringt viel Zeit miteinander, auch mit Menschen, die einem vorher ganz fremd waren – muss sie vielleicht sogar küssen. Und das alles ist dann von heute auf morgen vorbei. Das fühlt sich für mich grauenvoll an.“

Und was hilft dir dann? „Sich ins nächste Projekt stürzen“, kommt es spontan. „Ganz ehrlich, das rettet mich zurzeit, dass ich gleich weiter arbeiten und mich darauf konzentrieren kann. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was mir sonst helfen würde. Vielleicht zu meiner Familie zu fahren. Es ist halt wie Liebeskummer, da muss man einfach durch“, schmunzelt die großartige Schauspielerin.

Für ihre Darstellung der Helga Wachter in DIE BESTE ALLER WELTEN wurde die vielseitige und großartige Schauspielerin Verena Altenberger mit Preisen überhäuft. (Foto Stefan Klüter)
Für ihre Darstellung der Helga Wachter in DIE BESTE ALLER WELTEN wurde die vielseitige und großartige Schauspielerin Verena Altenberger mit Preisen überhäuft. (Foto Stefan Klüter)

Das Entscheidende und Faszinierende bei ihren sehr verschiedenen Rollen ist für Verena immer die Geschichte. „Die Grundlage, auf der ich aussichte, ist immer eine gute Geschichte, also was sie erzählt. Es geht mir nicht darum, wo es ausgestrahlt wird, ob es eine Nebenrolle ist und das Budget ist mir sowieso egal – es geht immer um die Geschichte und ob ich Lust habe, diese auch zu erzählen und mich mit dem Thema auseinander zu setzen.“

Ein spannendes Projekt kommt mit DER FUCHS auf die Schauspielerin zu: Erfolgs-Regisseur Adrian Goiginger verfilmt nach DIE BESTE ALLER WELTEN das Schicksal seines Pinzgauer Urgroßvaters. Der Arbeitstitel ist DER FUCHS und es geht um das Leben von Franz Streitberger in der Zwischenkriegszeit. Verena wird darin die Mutter von Franz spielen, Karl Markovics ihren Mann und Simon Morzé die Hauptrolle. „Ich freue mich total auf das Wiedersehen mit den Kollegen, das ist für mich ein bisschen ein Nachhausekommen im wahrsten Sinne des Wortes.“

Großes Beitragsfoto: POLIZEIRUF 110 „Der Ort, von dem die Wolken kommen (Foto BR Roxy Film GmbH Marco Nagel)

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