Dr.in Juliane Bogner-Strauß – die neue Landesrätin für Bildung, Gesellschaft, Gesundheit und Pflege

Dr.in Juliane Bogner-Strauß - Landesrätin für Bildung, Gesellschaft, Gesundheit und Pflege. (Foto Jakob Glaser) Die Steirerin Juliane Bogner-Strauß kam 2017 in die Politik, zunächst als Parlamentarierin, ehe ÖVP-Chef Sebastian Kurz die Wissenschafter-in in der türkis-blauen Regierung zur Ministerin machte. Dort war sie zuständig für Frauen- und Familienpolitik. Die Chefin der österreichweiten ÖVP-Frauen-organisation hat ihren Wechsel aus der Bundes- in die Landespolitik mit einer Entscheidung für die Heimat und ihre Familie begründet.

Dr.in Juliane Bogner-Strauß - die neue steirische Landesrätin für Bildung, Gesellschaft, Gesundheit und Pflege. (Foto Streibl/Land Steiermark)
Dr.in Juliane Bogner-Strauß – die neue steirische Landesrätin für Bildung, Gesellschaft, Gesundheit und Pflege. (Foto Streibl/Land Steiermark)

Als ich Juliane an ihrem neuen Arbeitsplatz im Grazer Landhaus besuchte, hat sie gerade ihre ersten Wochen als Landesrätin hinter sich und meint, dass es ihr total gut gehe. „Natürlich ist es auch mit Wehmut verbunden, wenn man eine Entscheidung zwischen Bund und Land treffen muss. Ich verstehe mich mit Sebastian Kurz sehr gut und er hat meinen Entschluss verstanden. Es ist für mich aber wie zweimal heimkommen: einmal zurück in die Steiermark, was mir, meiner Energie und meiner Familie gut tut. Und auch, weil ich das Gesundheitsressort verantworten darf, ich habe schließlich 20 Jahre in der medizinischen Grundlagenforschung gearbeitet.“

Ich spreche sie darauf an, dass gerade das Gesundheitsressort keine einfache Aufgabe sei, worauf sie meint: „Ich glaube, Politik fühlt sich deshalb in der Außensicht nie leicht an, weil sie in der Wert-schätzung der Menschen keinen großen Stellenwert hat und im Ranking ziemlich weit hinten liegt. Das ist leider so. Ich wurde öfters von politischen Kolleginnen und Kollegen gefragt, warum ich mir das als Professorin an der Technischen Universität antue, wo die Wertschätzung groß sei. Ich glaube aber, ohne überheblich klingen zu wollen, es ist ein Job wie jeder andere, der aber anfangs natürlich viel Zeit in Anspruch nimmt.“ Die Landesrätin erklärt mir weiter: „Als Wissenschafterin habe ich das Bedürfnis, mich umfassend einzu-lesen und alle Daten und Fakten zu kennen. Aber natürlich ist gerade das Gesundheitsressort eines, das alle betrifft. Genauso wie Bildung – in die Schule sind wir doch alle einmal gegangen.

Medizin und Pflege
Wir kommen kurz auf das Leitspital im Bezirk Liezen zu sprechen. „Das ist natürlich ein großes Thema, vor allem für die Bevölkerung, aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es gibt dazu schon einen Rechnungshofbericht, der sagt, dass es für das medi-zinische und pflegerische Personal besser ist, an einem größeren Standort zu arbeiten. Ich persönlich finde die Leitspital-Idee super, denn damit werden die Menschen in ihren Regionen bestens versorgt.“ Sie erklärt voller Energie weiter: „Natürlich hätten alle gerne ein inter- und multidisziplinäres Team. Im 21. Jahrhundert gibt es auch im medizinisch und pflegerischen Bereich besondere Spezialisierungen und gerade deshalb ist diese Zusammenarbeit in einem Leitspital notwendig. Die ‚Schienen‘ sind bereits gelegt und jetzt muss es an die Umsetzung gehen.“
Ich kann deutlich spüren, wieviel Freude der Landesrätin ihre neuen Aufgaben bereiten und wie sehr sie die ihr übertragenen Ressorts schätzt.

Besonders am Herzen liegt Juliane Bogner-Strauß Vieles aus der Frauenperspektive. "Pädagogische, Sozial- und Pflegeberufe werden großteils von Frauen ausgeübt, die oftmals in prekären Teilzeitverhältnissen arbeiten. Da müssen wir Lösungen finden. (Foto Streibl/Land Steiermark)
Besonders am Herzen liegt Juliane Bogner-Strauß Vieles aus der Frauenperspektive. „Pädagogische, Sozial- und Pflegeberufe werden großteils von Frauen ausgeübt, die oftmals in prekären Teilzeitverhältnissen arbeiten. Da müssen wir Lösungen finden. (Foto Streibl/Land Steiermark)

Sie meint weiter, dass gerade für die Gesundheit und Pflege, die uns alle betrifft, Lösungen gefunden werden müssen. „Die Pflegenden müssen mehr Wertschätzung für all das bekommen, was sie auf sich nehmen. Die Arbeit mit Menschen ist nicht nur körperlich, sondern auch seelisch und emotional eine große Herausforderung, entspre-chend sollte sie auch bezahlt werden.“ Auch das Zusammen-spiel der geplanten Pflegelehre, der Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz, überhaupt der medizinischen und pflegerischen Berufe muss genau angeschaut werden. „Ich stehe dafür, dass die Kompetenzen sinnvoll verteilt werden und damit auch eine Wertschätzung verbunden ist.“

Herzensangelegenheit
Auf meine Frage, welche Veränderungen ihr besonders am Herzen liegen, erfahre ich: „Vieles aus der Frauenperspektive. Pädagogische, Sozial- und Pflegeberufe werden großteils von Frauen ausgeübt, die oftmals in prekären Teilzeitverhältnissen arbeiten. Da müssen wir Lösungen finden, wie sie bei diesen belastenden Berufen selbst gesund bleiben und diese als schöne, und vor allem für die Gesell-schaft wichtigen Berufe, wahrgenommen werden. Dazu gehört ein finanzielles Auskommen im Berufsleben und in der Pension.“ Dies würde aus ihrer Sicht dazu beitragen, den Mangel in manchen Berufen zu beheben.

„Dazu gehört es ebenfalls bei der Bildung genauer hinzusehen, Kinder zu fordern und fördern und der Erwachsenenbildung wieder ein größeres Wertesystem zugrunde legen.“ Ich glaube, wir verbrin-gen zuviel Zeit mit den sozialen Medien und sind teilweise durch die rasante technische Entwicklung überfordert. Wir müssen uns wieder ein bisschen zurücknehmen, aber nicht gleich mit einem Sabbatical ins Arbeitsleben einsteigen wollen und nur mehr an Work Life Balance denken“, erklärt Juliane schmunzelnd. „Es wäre wichtig für die Menschen, zwischen ‚leben um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben‘ einen Mittelweg zu finden.“

Ich habe gelesen, dass Juliane Bogner-Strauß sich als pragmatische Feministin bezeichnet und möchte von ihr wissen, wie sie das meint. „Ganz einfach. Ich schaue mir immer Zahlen, Daten und Fakten an und versuche daraus etwas abzuleiten. Das wird nie allen helfen, aber es soll die Lebens- und Arbeitssituation der Frauen in unserem Land weiter verbessern. Dazu gehören z.B. Themen wie finanzielle Unabhängigkeit oder Selbstbestimmung. Wir schreiben das Jahr 2020, wir haben super ausgebildete Frauen. Aber 75 Prozent  der Frauen mit Kindern unter 15 Jahren sind in Teilzeit beschäftigt, 30 Prozent der Frauen, deren jüngstes  Kind im Kindergarten ist, gehen gar nicht arbeiten. Ich denke mir, wenn Frauen eine Ausbildung und eine Freude am Beruf haben, dann möchten sie diese auch ausüben. Das würde ich mir so wünschen.“

Eng damit verknüpft ist für die Landesrätin die weitere Säule Gesell-schaftsbild, die sie gerne anpacken möchte. „Frauen sollen die Partnerschaftlichkeit zu Hause einfordern, wenn man sich gemein-sam für ein Kind entscheidet. Ich wünsche mir von den Unterneh-men noch mehr Verständnis, denn die Wirtschaft in Skandinavien z.B. ist auch nicht zusammengebrochen, als man die Männer in den Karenz gehen ließ“, gibt sich Juliane kämpferisch.

Als ich sie darauf anspreche, dass ich gelesen habe, Geduld wäre eine große Stärke von ihr, lacht sie auf: „Wer hat das geschrieben? Nein eigentlich nicht. Wenn ich ausgeschlafen bin, bin ich sehr geduldig, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Mit meinen Kolleginnen und Kollegen, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und auch mit Kindern, aber irgendwann ist es aus. Eine wirkliche Stärke von mir ist, dass ich extrem zielorientiert bin. Ich habe einen fast zu ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, das bringt mich manchmal in eine Bredouille“, verrät sie mit leisem Schmunzeln.

Für Landesrätin Juliane Bogner-Strauß ist es wichtig, sich auch als Frau gut zu vernetzen, um weiter zu kommen. Foto Jakob Glaser)
Für Landesrätin Juliane Bogner-Strauß ist es wichtig, sich auch als Frau gut zu vernetzen, um weiter zu kommen. Foto Jakob Glaser)

Auf meine Frage, was sie sich aus der Zeit als Wissenschafterin mitgenommen hat, erfahre ich, dass man sich auch als Frau gut vernetzen muss, damit man weiterkommt, das ebenso für ihre Zeit als Bundesministerin gilt. „Eigentlich gilt das für alles. Ich habe das Glück gehabt, dass ich so gleichberechtigt aufgewachsen bin. Erst später, als ich Kinder bekommen habe, habe ich gemerkt, dass es mit dieser Gleichstellung zu Ende gegangen ist, und Frauen für gewisse Positionen leicht ‚vergessen‘ werden. Ich habe gelernt, mich zu vernetzen, mutig zu sein und zu sagen, was ich will. Das auch öfters zu sagen, denn aufgeben gibt es gar nicht.“

Leidenschaft Lesen
Mehr Zeit für sich selbst zu haben, spürt sie (noch) nicht. „Was ich aber schon als angenehm empfinde ist, dass ich mir viele und lange Wegstrecken spare. Ich schöpfe auch mehr Energie, wenn ich mit meiner Familie zusammen bin, wenn ich mit ihnen auf den Berg gehen kann.“ Mit einem Schmunzeln verrät Juliane mir ihren ‚Tick‘: „Ich lese so gerne. Ich drehe selten vor ein Uhr morgens das Licht aus, komme aber mit fünf Stunden Schlaf gut über die Runden. So habe ich Zeit für mich. Abschalten kann ich nicht nur bei Romanen, ich kann mich auch mit Fachliteratur gut entspannen. Das ist schon seit meiner Kindheit so. Ja, lesen ist mein Hobby.“

Großes Beitragsfoto: Dr.in Juliane Bogner-Strauß – die neue steirische Landesrätin für Bildung, Gesellschaft, Gesundheit und Pflege. (Foto Jakob Glaser) 

 

 

 

 

 

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