Katharina Purkarthofer und Delia Estera Schober: Ein erfolgreiches Duo

Secret Room 202 - Alles andere als gewöhnlich. (Foto Secret Room)Katharina Purkarthofer und Delia Estera Schober sind ein sehr erfolgreiches Duo – und beste Freundinnen. Die junge Designerin Katharina Purkarthofer vereint Zielstrebigkeit und Kreativität und arbeitet im traumhaft schön gestalteten Secret Room La Femme in der Grazer Hamerlinggasse.

Delia Estera Schober ist eine mode-affine und erfolgreiche Unternehmerin, seit 2011 führt sie ihre Boutique Secret Room 202 mit Avantgarde-Mode, die sie in Paris und Mailand persönlich kuratiert. 

Hedi Grager im Gespräch mit der jungen Designerin Katharina Purkarthofer und der erfolgreichen Unternehmerin Delia Estera Schober. (Foto Reinhard A. Sudy)
Hedi Grager im Gespräch mit der jungen Designerin Katharina Purkarthofer und der erfolgreichen Unternehmerin Delia Estera Schober. (Foto Reinhard A. Sudy)

Katharina Purkarthofer
Katharina wuchs auf einem Bauernhof auf und hatte schon als Kind Spaß am Zeichnen. Nach einer ‚Pause‘ in ihrer pubertären Phase, wie sie mit einem Schmunzeln erzählt, begann sie damit wieder nach ihrer Matura. „Ich wusste bereits, dass ich auf alle Fälle etwas Kreatives studieren wollte, denn ich bin kein Zahlenmensch und keine Programmiererin.“ Sie entschied sich für Industriedesign auf der FH Joanneum und begann für ihre Bewerbungsmappe zu zeichnen. „Ich zeichnete allerdings nur

Schuhe, und meine Mama meinte, ich solle doch eine Bohrmaschine oder einen Hydranten zeichnen, wenn ich Industriedesign studieren möchte. Das war für mich der Moment, dass mir klar wurde, ich will in den Bereich Mode gehen.“ Sie machte sich daher auf die Suche nach Universitäten und entschied sich für Florenz auch aus dem Grund, da es näher nach Hause war, verrät sie.

"Jede meiner Kollektionen muss eine Geschichte erzählen und das Gesamtbild absolut stimmen", erklärt die junge Designerin Katharina Purkarthofer. (Foto privat)
„Jede meiner Kollektionen muss eine Geschichte erzählen und das Gesamtbild absolut stimmen“, erklärt die junge Designerin Katharina Purkarthofer. (Foto privat)

Katharinas erster Schuh 
Sehr gut kann sich Katharina noch an den ersten Schuh erinnern, den sie zeichnete. „Den habe ich am Golfplatz im Restaurant bei meiner Mama gezeichnet. Ich bekam von ihr eine große Schatulle mit Farben und Stiften und habe damit meinen ersten Schuh gezeichnet.“ Sie lacht herzlich bei meiner Frage, ob dieser je produziert worden war und sie meint: „Gott sei Dank nicht, aber er war schon süß.“

Studium in Florenz
Das Studium in Italien machte ihr viel Spaß. „Die Uni war sehr intensiv, und wir mussten am Wochenende schon mal 200 Schuhe zeichnen, das war echt viel. Ich muss zugeben, ich war eine kleine Streberin. Ich wollte die Zeit gut nutzen, denn die Uni kostete auch viel Geld. So war ich in den drei Jahren in Florenz nur dreimal fort.“ Sie lacht, als sie meinen ungläubigen Blick sieht. „Dafür kam meine beste Freundin Bianca aus Graz und dann waren wir feiern. Sonst habe ich wirklich nur studiert. Toll war auch, dass der Unterricht in Englisch und italienisch war und ich dadurch die beiden Sprachen lernen konnte.“

"Die Uni in Florenz war sehr intensiv", verrät Katharina Purkarthofer, "und wir mussten am Wochenende schon mal 200 Schuhe zeichnen, das war echt viel." (Foto Chrystal O'Brien)
„Die Uni in Florenz war sehr intensiv“, verrät Katharina Purkarthofer, „und wir mussten am Wochenende schon mal 200 Schuhe zeichnen, das war echt viel.“ (Foto Chrystal O’Brien)

Alles etwas anders
Sie erinnert sich an den alten Schustermeister Angelo, von dem sie lernte, wie Schuhe mit Hand gemacht werden. „Er war schon 70 Jahre alt und ich musste mit ihm italienisch sprechen, aber ich habe das Handwerk wirklich von der Pieke auf gelernt.“ Ihre Abschluss-kollektion bestand aus sechs Paar Schuhen, alle natürlich selbst gemacht. Dafür ‚erfand‘ sie sogar ein eigenes Material. „Ich habe die Designidee meiner‚ Graduation Collection‘ erweitert und für den Designwettbewerb und Runway in Mailand ein eigenes Kleid dazu kreiert. Jede meiner Kollektionen muss eine Geschichte erzählen und das Gesamtbild absolut stimmen.“ Das Thema war positives Denken, also in allem doch auch einen positiven Faden zu finden, und Katharina ließ sich vom Skulpturen-Künstler Rook Floro inspirieren. Und sie gewann den Designwettbewerb. Das verschaff-te ihr die Aufnahme in einen ‚Fashion Business Inkubator‘, mit dem sie zwei Jahre zusammenarbeitete.
Sie entwickelte in dieser Zeit ihre eigene Taschenkollektion und auch da entschied sie sich für ein unübliches Material: der Griff war aus Cuoio, das normalerweise als Sohlenleder für handgemachte Schuhe verwendet wird. Für Katharina ist es einfach sehr spannend auszuprobieren, was man mit nicht üblichen Materialien alles machen kann. „Auf der Uni wurde ich geformt, bei jedem Aspekt etwas Kreatives einzubauen, und es macht mir viel Spaß, alles irgendwie anders zu machen.“

Zurück in der Heimat
„Als ich zurück aus Florenz durch Graz ging und eine Winterjacke brauchte, entdeckte ich das Geschäft Secret Room von Delia Schober und dachte, da muss ich hinein. Und da lernte ich Delia kennen und es war sofort eine gegenseitige Sympathie da.“ Sie fand auch eine Winterjacke – und die bekam sie als Uni-Abschluss-Geschenk von ihrer Mama. „Dann traf ich Delia wieder auf der Pariser Fashion Week, als ich mit meiner Taschenkollektion dort war. Sie hat sich meine Taschen angesehen und sie dann exklusiv in ihrem Geschäft in Graz verkauft. Es entstand eine intensive Freundschaft und wir wurden beste Freundinnen.“

Katharina Purkarthofer zeigte ihre Taschenkollektion auch auf der Pariser Fashion Week. (Foto privat)
Katharina Purkarthofer zeigte ihre Taschenkollektion auch auf der Pariser Fashion Week. (Foto privat)

Katharinas Erfolgsrezept ist Selbstbewusstsein und Zielstrebigkeit gepaart mit Kreativität. Eine weitere Taschenkollektion war finanziell nicht möglich, ins Ausland wollte Katharina auch nicht  mehr und so überlegte sie sich, was sie machen sollte. „Ich dachte nach, wie ich mein Potential nutzen konnte, ohne weg zu müssen.“  Als sie eine Stellenausschreibung von Robert La Roche für den Sales-Bereich las, nützte sie diese Chance, auch diesen Bereich kennen zu lernen. „Ich hatte dann einen tollen Chef, er war Engländer. In den letzten zwei Jahren war ich dann auf der ganzen Welt unterwegs und habe die Brillen-Kollektionen verkauft, kam nach Amerika, Neuseeland, Australien, Skandinavien, England,  Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Meine Homebase war aber immer Graz. Es war zwar eine großartige Erfahrung und eine tolle Zeit, ich hatte aber kaum Zeit für mich. Ich bin ja sehr ehrgeizig, habe alle meine Ziele sogar übertroffen, dabei aber übersehen, dass ich zuviel Gas gegeben habe. Neben dem eigenen Gepäck war ich immer mit einem 40 kg schweren Koffer unterwegs – und ich selbst habe nur 50 kg.“ Katharina wirkt leicht nachdenklich, als sie weiter erzählt: „Ich habe gekündigt, was mir schon schwer viel. Aber kaum hatte ich es ausgesprochen wusste ich, dass meine Entscheidung richtig war.“

Zwei Jahre lang war Katharina Purkarthofer für Robert La Roche im Sales-Bereich tätig. "Ich war auf der ganzen Welt unterwegs und habe die Brillen-Kollektionen verkauft." (Foto privat)
Zwei Jahre lang war Katharina Purkarthofer für Robert La Roche im Sales-Bereich tätig. „Ich war auf der ganzen Welt unterwegs und habe die Brillen-Kollektionen verkauft.“ (Foto privat)

Danach wollte sie einmal verschnaufen und über ihre Zukunft nachdenken. Aber es kam anders, als sie bereits nach einer Woche von Delia Schober gefragt wurde, ob sie Lust habe, mit ihr einen neuen Shop zu machen, den Secret Room La Femme. „Und ich dachte, wow. Das war in der ersten Jännerwoche vorigen Jahres. Delia und ich sind auf der absolut gleichen Wellenlänge, haben jedes Detail gemeinsam ausgesucht und sind jetzt seit der Eröffnung im Juni sehr glücklich mit dem Ergebnis.“

 Die Modelle im Secret Room La Femme bestechen mit ihrer Einzigartigkeit. (Foto Secret Room)
Die Modelle im Secret Room La Femme bestechen mit ihrer Einzigartigkeit. (Foto Secret Room)

Fashion-Design
Katharina schließt nicht aus, wieder einmal Kleidung zu designen. „Ich habe das bis jetzt zweimal gemacht, einmal für den Wettbewerb in Mailand und dann für mein Videoshooting und Foto für die Taschenkollektion. Mich haben bisher Accessoires einfach mehr interessiert, aber ich bin offen für alles.“ Sie verrät mir, dass sie momentan an das Designen von Unterwäsche denkt. „Ich habe schon zu zeichnen begonnen, aber es ist noch nichts spruchreif. Dafür muss ich mich noch mehr mit der Materie auseinandersetzen. Schließlich ist das feine Material etwas ganz anderes als Leder und das harte Handwerk, das ich bisher gewohnt war. Aber selbst designte Probe-Shorties trage ich schon selber“, lacht sie. Katharina betont nochmals, offen für alles zu sein. „Es kann alles passieren, ich fühle, ich lerne immer noch gerne und bin noch lange nicht fertig.“ Was immer von ihr kommen wird, wird sicher speziell und High Fashion sein. „Meine Taschen waren eher Skulpturen als tragbar für den Alltag, Designstücke also. Das war eher meins und auf der Uni wurde uns vom Head of Designdepartment auch gesagt: ‚Mach immer was Extremes und Kreatives, `runterbrechen kannst du es immer noch. Also wird es etwas extrem Kreatives sein, dann vereinfacht und tragbar und verkäuflich gemacht werden.“

Delia Estera Schober
Inzwischen ist Delia Estera Schober zu uns gestoßen und ich nutze die Gelegenheit, auch ihr ein paar Fragen zu stellen. In ihrem Secret Room La Femme hat sie nur spezielle Designer, und es bedarf oft langer Recherchen, die zu finden, wo Schnitt, Qualität und Preis passen. „Gerade habe ich Amoralle, eine junge aufstrebende Designerin in der Vogue aus Lettland entdeckt“, erzählt Delia begeistert, „die im eigenen Werk produziert, wo die Näherinnen klassische Musik hören.“ Oder die in der Pariser Modeszene hochgelobte I.D. Sarrieri, die eine besondere Art von Spitze verwendet. Empreinte wiederum ist eine Marke mit großen Körbchen, „denn wir führen alle Größen für wirklich jede Frau. Und natürlich La Perla als alten Klassiker. Zusätzlich führen wir Interior Design Objekte und sind immer auf der Suche nach neuen, speziellen und exklusiven Geschichten.“

Delia Estera Schober: "In der Modebranche bin ich eher zufällig gelandet, ich war aber immer schon Design affin und Individualismus war mir ebenfalls sehr wichtig." (Foto privat)
Delia Estera Schober: „In der Modebranche bin ich eher zufällig gelandet, ich war aber immer schon Design affin und Individualismus war mir ebenfalls sehr wichtig.“ (Foto privat)

Delia kam im Alter von 18 Jahren der Liebe wegen von Rumänien nach Österreich. Auch wenn diese nicht hielt, ist sie geblieben und das mittlerweile schon 26 Jahre. In der Modebranche ist Delia eher zufällig gelandet, war aber immer schon Design affin und Individualismus war ihr ebenfalls sehr wichtig. „Ich war erst bei Knilli, dann 8 Jahre lang bei Wolfensson. Da ich mich schon immer selbständig machen wollte, tat ich das, nachdem Wolfensson nach Wien gegangen ist – und habe damit nochmals ganz von vorne begonnen.“

"Speziell ist alles in unserem Geschäft, das Geschäft selbst auch", erklärt Delia Estera Schober. So gibt es eine kleine Bar mit französischen Weinen, Häppchen und schöner Musik. (Foto Secret Room)
„Speziell ist alles in unserem Geschäft, das Geschäft selbst auch“, erklärt Delia Estera Schober. So gibt es eine kleine Bar mit französischen Weinen, Häppchen und schöner Musik. (Foto Secret Room)

2011 eröffnete sie ihren Secret Room, damals noch in der Grazer Schmiedgasse. „Secret Room – Das geheime Zimmer – deshalb, weil mein Geschäft damals alleine in einem Innenhof, also praktisch versteckt, war. Auf der Suche nach interessanten Designern musste sie diese auch mit ihrem Shop überzeugen. Delia erzählt, dass es Designer gab, die in den ersten zwei Jahren gar nicht zurückge-schrieben haben – sich dann aber selbst bei ihr meldeten. „Es ist nicht selbstverständlich, einen Rick Owens oder eine Ann Demeulemeester zu bekommen. Ich wollte unseren Kunden ja eine gewisse Exklusivität bieten und baute das über die Jahre weg aus. Aber wenn es einmal nicht mehr passt, lässt man einen Designer auch ziehen.“ Mittlerweile ist ihr Secret Room aber in der Grazer Hans Sachs-Gasse.

"Ich will unseren Kunden eine gewisse Exklusivität bieten", erklärt Delia Estelle Schober, "im Secret Room 202 und natürlich auch im Secret Room La Femme. (Foto privat)
„Ich will unseren Kunden eine gewisse Exklusivität bieten“, erklärt Delia Estelle Schober, „im Secret Room 202 und natürlich auch im Secret Room La Femme. (Foto privat)

Secret Room sehr speziell
Die Idee zu Secret Room La Femme entstand vor ungefähr zwei Jahren. „Es hat viel auch damit zu tun gehabt, dass ich selbst keine Size 0 bin“, schmunzelt Delia. „Ich will selbst keine unsexy Unter-wäsche und habe mich deshalb auf die Suche gemacht. Und Interior Design z.B. war immer schon ein Thema bei mir. Es gibt zwar genü-gend Interior Geschäfte, aber bei uns gibt es wirklich nur Exklusives, aber auch Vieles von kleineren Firmen oder New Comern mit Storys, die man nicht so kennt.“

"Gerade habe ich Amoralle, eine junge aufstrebende Designerin in der Vogue aus Lettland entdeckt“, erzählt Delia Estera Schober begeistert, denn sie ist immer auf der Suche nach neuen und einzigartigen Designern. (Foto Chrystal O'Brien)
„Gerade habe ich Amoralle, eine junge aufstrebende Designerin in der Vogue aus Lettland entdeckt“, erzählt Delia Estera Schober begeistert, denn sie ist immer auf der Suche nach neuen und einzigartigen Designern. (Foto Chrystal O’Brien)

Delia erzählt weiter: „Speziell ist alles in unserem Geschäft, das Geschäft selbst auch.“ So gibt es auch eine kleine Bar mit französi-schen Weinen, Häppchen und schöner Musik. Es vereinen sich Mode, Stil und Gespräch zu einer Rundumkommunikation und persönlicher Lebenskultur mit einem monatlichen Get-together unter Damen. Als ich Delia auf etwas Einzigartiges in ihrem Geschäft anspreche, nämlich einen Erfrischungsraum mit Dusche für ihre Kundinnen, lächelt die erfolgreiche Unternehmerin. „Die Idee entstand, da wir im Herzen der Innenstadt sind und unsere Kun-dinnen und auch wir selbst abends noch gerne weggehen wollen. Aber es ist selten die Zeit, nach Hause zu fahren, um sich zu erfrischen. Jetzt können unsere Kundinnen vorbeikommen, sich erfrischen und auch duschen. Das wird schon gut angenommen. Es ist Teil eines Gesamtkonzeptes, bei dem wir auch mit Nägele & Strubell zusammen arbeiten.

Die eigene Secret Room Body Lotion wurde von Delia Estera Schober und Katharina Purkarthofer mitkreiert und mitdesignt. (Foto Secret Room)
Die eigene Secret Room Body Lotion wurde von Delia Estera Schober und Katharina Purkarthofer mitkreiert und mitdesignt. (Foto Secret Room)

Kurz vor Weihnachten haben wir eine sensationelle Body Lotion herausgebracht, eine eigene Secret Room Body Lotion, die wir mitkreiert und mitdesignt haben. Von uns wird es noch viel Neues geben, denn wir setzen uns keine Grenzen“, sind sich Delia und Katharina einig.

Großes Beitragsfoto: Delia Schober und Katharina Purkarthofer haben sich gesucht und gefunden. „Es gibt keinen Menschen, mit dem ich über Design so reden kann, als mit Kathi“, erklärt Delia. (Foto Reinhard A. Sudy)

www.secretroom.at   

 

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