Markus Freistätter in ROTZBUB – Der Deix Film

Markus Freistätter spricht in ROTZBUB – Der Deix Film den Rotzbub. (Foto Aichholzer Film)Schauspieler Markus Freistätter wurde vor allem durch die Titelrolle in „Erik und Erika“ bekannt, ein Film über das Leben von Skirennläufer Erik Schinegger. Sie brachte ihm  eine ROMY-Nominierung in der Kategorie „Bester Nachwuchs“. Es folgten dann Rollen in Krimis, in der Fernsehserie „Walking on Sunshine“ oder als Novize Paulinus in Regisseur Benjamin Knöbls Historien-Kurzfilm „Impetus“.

ROTZBUB – Der Deix Film. (Foto Aichholzer Film)
ROTZBUB – Der Deix Film. (Foto Aichholzer Film)

Bei einem gemütlichen Gespräch erzählt mir der sympathische Schauspieler, wie er 2017 einen Anruf von Filmproduzent Josef Aichholzer erhielt. „Ich spielte gerade bei den Wachaufestspielen Theater, der Film ‚Erik und Erika‘ war abgedreht, als mich sein Anruf erreichte. Er erzählte mir von dem Projekt von Manfred Deix und fragte mich, ob ich mitmachen wolle. Er würde mir das Drehbuch schicken. Meine Antwort darauf war, dass er mir gerne das Drehbuch schicken kann, ich ihm aber schon jetzt sage, dass ich es machen will“, lacht Markus. „Josef Aichholzer und Manfred Deix waren Grund genug, dass ich sofort ja sagte und in diese Welt eintauchen wollte“.

Markus Freistätter spricht den Rotzbub im Deix-Film "ROTZBUB". „Josef Aichholzer und Manfred Deix waren Grund genug, dass ich sofort ja sagte und in diese Welt eintauchen wollte“. (Foto Aichholzer Film)
Markus Freistätter spricht den Rotzbub im Deix-Film „ROTZBUB“. „Josef Aichholzer und Manfred Deix waren Grund genug, dass ich sofort ja sagte und in diese Welt eintauchen wollte“. (Foto Aichholzer Film)

Es war seine erste Synchronrolle dieser Art. „Ich habe schon Werbungen gesprochen und natürlich mich selbst nach Dreharbeiten synchronisiert – das passiert, wenn der Ton nicht ganz passt.“ Das Spezielle oder Besondere an diesem Deix-Film war, dass es die Figuren zwar schon gab, sie aber noch nicht animiert waren. „Als wir im Studio waren, gab es nur Strichfiguren. Wir selbst haben die Figuren gespielt und sie erst lebendig werden lassen.“ Außer der Szene, wo der Rotzbub den Hang hinunterpurzelt: die hat er nicht gespielt, wie er mir schmunzelnd verrät. „So konnten wir viel ausprobieren und es war spannend zu sehen, wie sich die Figuren entwickeln.“ Zur gleichen Zeit erscheint übrigens ein zweiter Animationsfilm, in dem Markus spielt. „Im Animationsfilm „Die Häschenschule“ darf ich auch die Titelfigur einsprechen. Das war etwas schwieriger für uns als der Deix-Film, da dieser Film schon fertig animiert war und man sehr darauf achten muss, wie sich die Figur bewegt usw.“ Eigentlich begleitet ihn der Deix-Film schon seit 2017, denn nach seiner Fertigstellung 2020 kam Corona. Aber jetzt ist es endlich soweit, und er kommt im März in die Kinos.

Erik & Erika
Der Spielfilm von Reinhold Bilgeri zeigt das Leben des Skirennläufers Erik Schinegger, der 1966 als Erika Schinegger Abfahrtsweltmeisterin der Alpinen Skiweltmeisterschaft in Portillo in Chile wird. Markus Freistätter spielte beide Figuren und auf meine Frage, ob diese Doppelrolle schwierig zu spielen war, meint er: „Ja und nein. Jede Figur hat ihre Herausforderungen und das macht ja das Spannende an diesem Beruf aus. Ich mag es, wenn es über Grenzen hinausgeht und herausfordernd ist, also Komfortzone kann ich überhaupt nicht leiden. Wirklich nicht. Aber die Doppelrolle war für mich nicht schwieriger, weil ich die Dinge nicht kompliziert gedacht habe“, erklärt der erfolgreiche Schauspieler, der spürbar für seine Arbeit ‚brennt‘. „Ich denke an die jetzige Situation. Was vorher ist und danach ist, ist mir egal. Eine vorige Szene hat zwar zu dem geführt, was jetzt ist, aber in der Sekunde denke ich allein an das, was er jetzt fühlt und das versuche ich zu verkörpern. Das ist gar nicht schwierig, das ist sehr klar“, kommt es bestimmt von Markus.

Markus Freistätter spielte im Film Erik & Erika, der das Leben des Skirennläufers Erik Schinegger zeigte, eine Doppelrolle. (Foto Philine Hofmann)
Markus Freistätter spielte im Film Erik & Erika, der das Leben des Skirennläufers Erik Schinegger zeigte, eine Doppelrolle. (Foto Philine Hofmann)

Der junge, aber schon sehr erfolgreiche Schauspieler legt Wert auf gute Vorbereitung. Dabei befasst er sich auch gerne mit der Zeit, in der die Rolle spielt. „Wie ist die politische Situation, wie ist die Gesellschaft. Rotzbub z.B. spielte Jahr 1967 in der ultrakonservativen Kleinstadt Siegheilkirchen im österreichischen Hinterland. Wichtig waren damals der Bürgermeister, der Lehrer, der Arzt und der Pfarrer. Was die sagten, das galt – und schon versteht man die Gedanken der Menschen in dieser Zeit besser.“

Markus mag es, wie frech Manfred Deix die Dinge in dieser Zeit aufgezeigt hat. „Auch manchmal wirklich mit dem Finger in der Wunde und das ist gut“, meint er, „das wirbelt auf, bringt Erinnerungen zurück. Ich glaube, dieser Film wird viele Generationen ansprechen. Ich selbst bin jetzt 31 Jahre alt und auch meine Generation kennt den Begriff einer Deix-Figur.“ Schön findet er auch, dass im Film Dialekt gesprochen wird. „Privat spricht man oft Dialekt oder in der Sprache, in der man aufgewachsen ist, und ich finde, das führt einen wieder nah an einen selbst, macht es sehr besonders. Im Fernsehen hört man das nicht oft.“

Für Film und Bühne brennen
Für Markus gab es nie einen Plan B. „Ja, obwohl ich mit 16 Lehrer werden wollte. Dann fragte ich mich aber, was mache ich, wenn ich das nicht ewig machen möchte? Da mich Management, das Organisieren viel Freude macht, lernte ich an der HTL Betriebsmanagement.“ Er war aber immer schon auch im Theater anzutreffen. „Ich hatte drei Abos, je eines für die Kammerspiele, für die Josefstadt und für die Theater an der Jugend“, verrät er mit einem Schmunzeln. „Während der Sommerferien war ich bei den Salzburger Festspielen, das machte mir Riesenfreude.“ Ab dem Zeitpunkt, als der Regisseur einer Schultheatergruppe zu ihm sagte, dass er Talent habe und dass das auch ein Beruf sei, wollte er nichts anderes mehr machen. „Das war mir vorher einfach nicht bewusst.“

Die Bühne und den Film liebt Markus gleichermaßen. „Es sind zwei verschiedene Zugänge, und ich finde beide gleichwertig großartig.“ An der Bühne mag er das direkte Feedback. Mit einem Lächeln meint Markus: „Wenn Kindern fad ist, zeigen sie es sofort. Man spürt, wenn die Stimmung nicht da ist und auch, wenn man selbst an einem Abend nicht so gut drauf ist. Und das ist das Spannende am Theater, dass man jeden Abend neu das Publikum ‚erobern‘ muss.“ Andererseits liebt er die absolute Konzentration am Set. „Wenn 30 Menschen komplett fokussiert sind und jeder weiß, was er zu tun hat, das ist wie eine große funktionierende Maschine. Jeder Bestandteil ist gleich wichtig. Und das ist im Theater auch so.“

Schauspieler Markus Freistätter: "„Wichtig ist, mit sich selbst zufrieden sein, und das ist mir nicht nur im Schauspiel wichtig." (Foto Philine Hofmann)
Schauspieler Markus Freistätter: „„Wichtig ist, mit sich selbst zufrieden sein, und das ist mir nicht nur im Schauspiel wichtig.“ (Foto Philine Hofmann)

Beim Spiel ist dem Schauspieler Augenkontakt sehr wichtig. „Ich bin jemand, der immer mit allen auf der Bühne Augenkontakt hat, auch im Film. Ich finde, dass meine eine Rolle auch in den Blicken spüren und spielen muss.“ Er gehört auch zu jenen Schauspielern, die immer sehr pünktlich und gut vorbereitet zu Proben kommt. „Das ist der Respekt Kollegen und auch mir gegenüber.“  

Zum „Rausgehen“ aus einer Rolle nach einem anstrengenden Drehtag hat er keine bewussten Tricks. Es gelingt ihm meist schon mit dem Ausziehen des Kostüms. „Ich kann Figuren gut abstreifen.“ Er merkt aber schon, dass der längere Verbleib in einer herausfordernden Produktion schon etwas mit einem machen kann. Für die Rolle als Nationalsozialist hatte er einmal einen echten Mantel an und erinnert sich, dass er damals abends nur allein im Hotelzimmer sein wollte. „Ich behaupte, ich gebe jeder Figur etwas von mir, nehme aber auch von jeder Figur ein Stück mit. Aber es geht sich gut aus.“

Er ist sich sicher, „dass man jede Welt, in die man hineintaucht, und jede Rolle, die man spielt, gerne haben muss. Für den kurzen Moment, in dem man sie spielt, ist man bestrebt zu verstehen. Sonst kann ich die Rolle nicht authentisch spielen. Und das ist gefährlich“, ist er sich sehr wohl bewusst.

Gerne einmal eine Komödie
Auf meine Frage, ob es eine Traumrolle für ihn gibt, meint er: „“Ich habe ja schon einige unterschiedliche Rollen spielen dürfen, aber ich würde gerne einmal eine lustige Kinokomödie spielen. Komödie ist ein eigenes Handwerk, ist am Filmset noch schwieriger, da du ja kein lachendes Publikum hast. Ja, Komödie würde ich gerne einmal machen.“ Schwärmerisch erzählt er mir, dass er die Fernseh-Serie Kaisermühlen Blues geliebt hat. „Sie war lustig, authentisch und sie war politisch. Sie haben viele Themen aufgegriffen und behandelt, ohne mit dem Zeigefinger auf sie zu zeigen.“

Social media
„Ich finde es eine schöne Möglichkeit, Stellung zu beziehen und Spendenaufrufe zu tätigen. Dafür kann man sich auf Social Media rasch organisieren.“ Er bedauert natürlich, dass es auch die Möglichkeit bietet, rasch beleidigende Dinge zu posten. „Deshalb muss man sich einfach sehr gut überlegen, was ich von mir preisgeben und in die Welt posten möchte. Alles was man tut, jede Aktion von mir bringt eine Reaktion, und ich muss mir klar sein, dass es gut oder schlecht zurückkommen kann. Aber es kommt irgendwas zurück. Ich poste wenig und generell ist mir diese Plattform nicht sehr wichtig.“

Markus Freistätter, hier im Bild mit Journalistin Hedi Grager, freut sich sehr über seine Arbeit bei der Kurier ROMY. "Seit letztem Jahr darf ich den Nachwuchs präsentieren". (Foto Reinhard Sudy)
Markus Freistätter, hier im Bild mit Journalistin Hedi Grager, freut sich sehr über seine Arbeit bei der Kurier ROMY. „Seit letztem Jahr darf ich den Nachwuchs präsentieren“. (Foto Reinhard Sudy)

Freizeit
Seit mehr als 10 Jahren ist der ausgebildete Rettungssanitäter ehrenamtlich beim Samariterbund in Wien im Einsatz. Damit zu beginnen, war für ihn „ein Selbstschutz, weil ich in einer Situation nicht wusste, wie ich helfen kann. Meine Großmutter war gestürzt und hatte sich den Oberschenkel gebrochen. Damals sagte ich mir, dass ich das Gefühl nicht mag, nicht zu wissen, was zu tun ist. Und deshalb wurde ich Rettungssanitäter. Und das mache ich sehr gerne, wann immer ich Zeit habe.“ Er ist sich sehr wohl bewusst, dass er sich dabei immer wieder fortbilden muss. „Man arbeitet mit und am Menschen, das ist eine hohe Verantwortung.“

In seiner Freizeit genießt es Markus, mit Familie oder Freunden auszugehen und einen schönen Abend zu haben. „Ich liebe auch Kochabende. Ich koche nicht, aber ich wasche wirklich gerne ab. Ich treffe sehr gerne Menschen. Ich habe eine Liste mit Freunden, die ich schon länger nicht gesehen habe und ich achte sehr darauf, alle immer wieder zu treffen. Das ist mir wichtig.“ Seit vielen Jahren ist Markus ein leidenschaftlicher Läufer. „Das ist schon meditativ – und Laufen kann ich immer und überall.“
Privat hält sich der engagierte Schauspieler sehr zurück. 

Botschafter zwischen Branche und Kurier
Seine Arbeit bei der Kurier ROMY mag er auch sehr. „Seit letztem Jahr darf ich den Nachwuchs präsentieren – jetzt heißt die Kategorie Entdeckung. Das ist wieder eine neue Facette meines Berufes.“ Er freut sich darüber, Kolleginnen vorzustellen und zu begleiten. „Und ich darf auch den Preis übergeben. Als Kollege macht es mir wirklich viel Spaß, dass ich auch eine Kolumne im Kurier über sie schreiben darf. Ich weiß ja selbst, wie es sich anfühlt, gefragt und nominiert zu werden. Die Nominierung für eine ROMY ist eine schöne Anerkennung, man selbst und seine Arbeit wird gesehen. Ich finde es sehr spannend, mit der Romy das Bindeglied, der Botschafter zwischen Branche und dem Kurier zu sein.“

Neue Herausforderungen sind für den Schauspieler wichtig. „Ich fordere mich gerne selbst. Ich liebe Herausforderungen, aber nicht, um besser als andere zu werden, nein, ich liebe es einfach, mir gestellte Herausforderungen gut zu bewältigen.“ Er findet es ganz wichtig, jeden Tag mit sich zufrieden zu sein. „Das ist meine größte Challenge, nicht, dass ich es nicht bin, sondern meine Zufriedenheit immer zu behalten.“

Heuer darf man sich auf ihn in einigen Projekten freuen, wie z.B. in den Krimis „Schnell ermittelt“ und „Soko Donau“, in „Der Rotzbub“, „Die Häschenschule“ und im Sommer spielt er mit Wolfgang Böck den „Bockerer“ bei den Schloss-Spielen in Kobersdorf.“ Zusätzlich ist er gerade in Dreharbeiten für einen neuen Film – „aber darüber darf ich leider noch nichts sagen“, verabschiedet er sich mit seinem sympathischen Lächeln.

ROTZBUB
Ist ein biographischer Animationsfilm über den österreichischen Karikaturisten, Grafiker und Cartoonisten Manfred Deix, der auf dessen Zeichnungen basiert.
Beim Wirten in Siegheilkirchen sitzt ein Rotzbub (gesprochen von Markus Freistätter) und zeichnet die nackerte Fleischhauerin. Die Bilder erregen den ganzen Ort, der Rotzbub heißt Manfred Deix und hat Talent. Doch Maler braucht so eine Kleinstadt im Österreich der 1960er vor allem zum Überpinseln ihrer braunen Flecken. Zum Glück gibt es das Espresso Jessy, das Bier und den Rock’n’Roll. Eines schönen Tages kommen die Roma in den Ort und mit ihnen die furchtlose Mariolina. Endlich gibt es in Siegheilkirchen wirklich etwas zu zeichnen. Aber den Ewiggestrigen im Dorf ist das Fremde natürlich ein Dorn im Auge und sie basteln schon an einer Bombe.

Großes Beitragsfoto: Markus Freistätter. (Foto Philine Hofmann)

 

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