Aaron Friesz „Ich möchte spielen und verkörpern“

Der erfolgreiche Schauspieler Aaron Friesz. (Foto Julia Dragosits)Der 33-jährige Wiener ist auf absolutem Erfolgskurs. Neben Rollen in „Freud“ oder „Vienna Blood“ spielte er heuer gleich zwei Habsburger-Söhne: einmal als Joseph II. und auch als Kronprinz Rudolf in Marie Kreutzers neuem Sisi-Film „Corsage“, der sehr erfolgreich in Cannes gezeigt wurde.

Aaron Friesz spielte Kronprinz Rudolf in Marie Kreutzers neuem Sisi-Film „Corsage“. Bei der Premiere in Wien: Aaron Friesz, Katharina Lorenz, Jeanne Werner, Marie Kreutzer und Vicky Krieps. (Foto Hedi Grager)
Aaron Friesz spielte Kronprinz Rudolf in Marie Kreutzers neuem Sisi-Film „Corsage“. Bei der Premiere in Wien: Aaron Friesz, Katharina Lorenz, Jeanne Werner, Marie Kreutzer und Vicky Krieps. (Foto Hedi Grager)

Ich traf Aaron Friesz im Rahmen der Grazer DIAGONALE. Er ist nicht nur ein genialer Schauspieler, er ist auch ein beliebter Gastgeber. „Ich stamme ja aus einer Gastgeber-Familie und betreibe mit meiner Familie gemeinsam zwei Lokale in Wien: das Cafe Europa in der Zollergasse und das Amerlingbeisl am Spittelberg. Ich bin selbst viel da, habe aber auch ganz tolle Menschen dort, mein Ensemble sozusagen. Hier bin ich nicht als Schauspieler tätig, sondern als Regisseur im Hintergrund. Und gastgeben ist eine Aufgabe, bei der man ständig dazu lernt.“

Ich traf den erfolgreichen Schauspieler Aaron Friesz für ein Interview während der DIAGONALE in Graz. (Foto privat)
Ich traf den erfolgreichen Schauspieler Aaron Friesz für ein Interview während der DIAGONALE in Graz. (Foto privat)

Prägung an der Jungen Burg
Der junge Schauspieler hat eine sehr prägnante, facettenreiche Stimme, die man nicht mehr vergisst, wenn man sie einmal gehört hat. „Gott sei Dank, das ist natürlich gut und hilft in diesem Beruf.“  Begonnen hat Aaron mit Theater. „Ja, und ich habe dabei viel lernen dürfen. Ich hatte das Glück, mit der Jungen Burg eine Plattform, eine Schule zu bekommen, die ich nicht besser hätte erwischen können. Natürlich hatte ich mich auf der Schauspielschule beworben, bin auch in die letzten Runden gekommen, aber ich hatte eine Riesenangst davor, genommen zu werden.“ Auf meinen etwas verwunderten Blick erklärt er offen weiter: „Das deshalb, weil ich Angst hatte, vier Jahre lang in diesem goldenen Käfig zu verbringen. Ich wollte direkt in die Arbeit. Bei meinen ersten Vorsprechen sagte der Brandauer immer zu mir: ‚Sie machen das ja eh schon, spielen sie doch einfach‘. Leichter gesagt als getan. Aber mit der Jungen Burg durfte ich das und es war so ein Riesenglück, dort von den Profis lernen zu können.“ Und Theater wird Aaron auch weiterhin begleiten. „Natürlich, ich glaube, ohne die Zeit am Theater wäre ich nicht da, wo ich bin, und ich freue mich auch, immer wieder ans Theater zurückzukommen, denn diese Zeit hat mich sehr geprägt.“

Film und Theater mag er grundsätzlich gleich gern, genießt aber aktuell die Möglichkeit, frei zu arbeiten. „Ich freu mich aber darauf, bald wieder einmal in einem Ensemble sein zu dürfen. Der direkte Kontakt zum Publikum ist einfach toll. Ich glaube, so vielfältig wie der Beruf ist, sind auch die Arbeitsweisen.“

Der junge Schauspieler Aaron Friesz hat eine sehr prägnante, facettenreiche Stimme, die man nicht mehr vergisst, wenn man sie einmal gehört hat. Foto Julia Dragosits)
Der junge Schauspieler Aaron Friesz hat eine sehr prägnante, facettenreiche Stimme, die man nicht mehr vergisst, wenn man sie einmal gehört hat. Foto Julia Dragosits)

Gerne kommt Aaron zur DIAGONALE nach Graz und nutzt die Zeit für Treffen mit Kollegen und natürlich, um Filme zu sehen. „Ich gehe wahnsinnig gerne in die Kurzfilmblocks, weil ich da einen Überblick bekomme, was sich da so tut. Graz bietet dafür jedes Jahr eine wahnsinnig schöne Plattform – und sie ist für mich persönlich immer der Frühlingsbeginn.“

Der talentierte Schauspieler ist 33 Jahre alt, wird aber meist jünger geschätzt. „Ich werde oft für meinen jüngeren Bruder gehalten und nehme es als Kompliment. Dadurch bekomme ich auch die Möglichkeit, jüngere Männer zu spielen und ihre Probleme darzustellen. Da habe ich natürlich einen Erfahrungsschatz, auf den ich zurückgreifen kann“, lacht Aaron. „Bei meiner Rolle als Kronprinz Rudolf, als Sohn der von Vicky Krieps gespielten Elisabeth, haben sich viele gefragt, ob sich das ausgeht. Aber wir konnten uns behaupten und das war toll, dieses Altersspektrum spielen zu können.“

Steht Historie bei vielen Schauspielern auf der Wunschliste, konnte Aaron bereits in einigen historischen Filmen spielen. „Ich würde zu einer historischen Rolle nie nein sagen, aber jetzt würde ich gerne mal einen modernen Menschen spielen, vielleicht so etwas wie einen Actionfilm. Noch lieber wäre mir die Charakterisierung von einem gebrochenen, sehr einsamen Menschen, der mit seinem Platz in der Welt nicht zurechtkommt. Spannend wäre auch ein Spiel ganz alleine, vielleicht irgendwo hoch oben in den Bergen. Also etwas, wo ich viel Zeit und viel Platz habe, eine ganze Figur zu erzählen“, schmunzelt er. „Aber ja, ich möchte mich selber verändern, vielleicht mit meiner Sexualität spielen oder meinen Körper als Kostüm zu verwenden. Kostüm macht ja viel Spaß – ich möchte es nur öfter wechseln können.“ So ist der Schauspieler immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

‚Safe Space‘
Interessant erzählt mir Aaron, dass die Zeit in der Maske für Schauspieler wie ein ‚Safe Space‘ ist. „Es ist eine Zeit, wo man noch einmal ganz bei sich sein darf, bevor man als Projektionsfläche zur Verfügung steht. Wo man etwas auferlegt bekommt, aber noch nichts verlangt wird. Und dieser Raum, den die MaskenbildnerInnen da oft schaffen, ist ein ganz wichtiger für uns Schauspieler, hier können wir uns sammeln, um dann für den Rest des Stückes ganz für andere da zu sein.“

Aaron Friesz ist auf absolutem Erfolgskurs. Neben Rollen in „Freud“ oder „Vienna Blood“ spielte er heuer gleich zwei Habsburger-Söhne: einmal Joseph II. und auch Kronprinz Rudolf in Marie Kreutzers neuem Sisi-Film „Corsage“. (Foto Julia Dragosits)
Aaron Friesz ist auf absolutem Erfolgskurs. Neben Rollen in „Freud“ oder „Vienna Blood“ spielte er heuer gleich zwei Habsburger-Söhne: einmal Joseph II. und auch Kronprinz Rudolf in Marie Kreutzers neuem Sisi-Film „Corsage“. (Foto Julia Dragosits)

Aus seinen Rollen wieder herauszukommen, fällt ihm unterschiedlich schwer. „Oft merke ich gar nicht, wieviel ich aus meiner Rolle noch mitnehme. Ich musste da auch sehr aufpassen und mir dessen bewusst werden. Bei größeren Figuren hilft oft das Entfernen von Maske und Kostüm.“ Er verrät mir weiter: „Ich habe gemerkt, dass ich in meinem Körper, in meinen Verspannungen, meiner Haptik, meinem Habitus viel von dem mitnehme, was ich kurz zuvor noch erzählen musste. Das passiert mir öfters. Bei FREUD, wo ich den Oberst Redl gespielt habe, da waren in der Figur schon heftige Aggressionen und Verletzungen, die ich durchaus mitgenommen habe an Orte, wo sie nicht hingehört haben. Da habe ich mich sehr bemühen müssen, das zu korrigieren. Andersrum war ich froh über aufgenommene Energien, weil sie mich im Alltag beflügelt haben.“

Wie jeder Schauspieler hat er seine Techniken, sich auf unterschiedliche Rollen vorzubereiten. „Grundsätzlich versuche ich, mir eine Art Werkzeugbox zu erarbeiten, in der ich ganz viele verschiedene Tools zur Verfügung habe, und aus der ich mich dann bedienen kann. Um aber dem Team, dem Regisseur und der Geschichte völlig frei begegnen zu können, glaube ich, muss man sich schon sehr gut vorbereiten, aber auch sehr viel wieder ablegen, um dann für alle Situationen einfach spontan und authentisch zur Verfügung zu stehen. Bei Joseph II habe ich beispielsweise meine Körperhaltung und meinen Gang so verändert, dass ich das zu sehr in den Alltag mit hineingenommen habe.“

Auf meine Frage, ob Schauspiel durch viel Erfahrung leichter wird, meint Aaron mit einem Lachen: „Ich weiß es noch nicht. Ich glaube, natürlich bringt Erfahrung etwas, aber es wird zwangsläufig nicht leichter. Man wird routinierter, aber das kann ich mir auch als gefährlich vorstellen, weil man dann Gefahr läuft, banal zu werden. Wenn ich mir meine Kollegen ansehe, merke ich, wie oft sie sich richtig reiben und kämpfen.“

„Nach den tollen historischen Rollen würde ich gerne einmal in moderne Kostüme schlüpfen, ganz andere Figuren darstellen und mich selber auch verändern", erklärt der Schauspieler Aaron Friesz. (Foto Hedi Grager)
„Nach den tollen historischen Rollen würde ich gerne einmal in moderne Kostüme schlüpfen, ganz andere Figuren darstellen und mich selber auch verändern“, erklärt der Schauspieler Aaron Friesz. (Foto Hedi Grager)

Aaron spielte schon mit sämtlichen deutschen A-List-Schauspielern und gibt offen zu, sehr viel von ihnen gelernt zu haben. „Ich weiß aber nicht, wann ich mehr gelernt habe als von Karl Markowitsch bei ‚Das Wunder von Wörgl‘. Hier dabei zu sein war so ein großes Glück und Privileg. Ich konnte da wirklich sehen, was Professionalität, Konzentration und Loyalität bedeutet.“ Begeistert spricht er auch von der Schauspielerin Aglaia Szyszkowitz und ihrer Freude, Erfahrung weiterzugeben und jungen Kollegen die Angst zu nehmen.

Mit seiner Tante, der großartigen Schauspielerin Michou Friesz, hat er schon in zwei Filmen gedreht. „Allerdings hatten wir dabei keine gemeinsame Szene“, lacht Aaron. „Erst in einem Filmprojekt mit der Ortweinschule haben wir tatsächlich das erste Mal zusammen eine ganze Geschichte in einem Kurzfilm erzählt. Das war schön. Michou ist eine dermaßen grandiose Schauspielerin und so eine Naturgewalt, dass wir sofort gleichzeitig eine Nähe und eine Distanz beim Spiel aufbauen können, sodass ich immer wahnsinnig fasziniert war, wer da vor mir sitzt – und es war nicht mehr meine Tante. Ich freue mich schon sehr, wenn wir wieder einmal miteinander spielen dürfen“, begeistert sich der junge Schauspieler.

Der 33-jährige Wiener Schauspieler Aaron Friesz spielte u.a. erfolgreich in Serienformaten wie „FREUD“ oder „Vienna Blood“, 2022 drehte er den Fernsehfilm „Einsatz in den Alpen – Der Armbrustkiller“. (Foto Julia Dragosits)
Der 33-jährige Wiener Schauspieler Aaron Friesz spielte u.a. erfolgreich in Serienformaten wie „FREUD“ oder „Vienna Blood“, 2022 drehte er den Fernsehfilm „Einsatz in den Alpen – Der Armbrustkiller“. (Foto Julia Dragosits)

Es gibt natürlich einige Partner, mit denen er gerne einmal spielen würde, u.a. mit Lars Eidinger. „Lars ist ebenfalls eine Naturgewalt. Auch mit Verena Altenberger zu arbeiten, würde mich sehr reizen, oder mit Regisseur Adrian Goiginger. Die Vorbereitungsarbeit mit ihm dürfte phänomenal sein und als Schauspieler kann man nur dankbar sein, so eine intensive Vorbereitungszeit zu bekommen.“ Er würde seiner ‚Wunschliste‘ am liebsten noch viele Namen zufügen und meint, dass er ebenfalls gerne wieder mit all jenen arbeiten würde, mit denen er schon spielen durfte.

Shootingstar
Aaron wird von den Medien gehypt, oft als Shootingstar bezeichnet, und ich möchte von ihm wissen, ob das nur Freude oder auch Druck verursacht. „Es macht sicher Druck, aber ich glaube, es wirkt nach außen oft so viel mehr, als es für mich den Anschein macht. Von gehypt möchte ich aber noch nicht sprechen. Außerdem stehe ich einem Hype immer skeptisch gegenüber, da dieser meist nicht nachhaltig ist. Ich möchte immer am Boden bleiben. Ja, ich hoffe, dass es mehr als ein Hype wird, den ich in meinem Leben erleben werde.“

Familie und Natur
Für den talentierten Schauspieler ist es nicht immer einfach, sich zu entspannen, verrät er sehr offen. „Und ich merke immer mehr, dass ich mich am meisten entspanne, wenn ich etwas tue. Ich mache viel Sport, bin viel in der Natur und beschäftige mich gerne mit meinem Garten. Meine Familie hat eine kleine Landwirtschaft in Kroatien mit alten Olivenbäumen und ein paar Schafen, die wir als Rasenmäher halten“, schmunzelt er. „Ich liebe Tiere, hatte sehr lange einen Wolfshund. Jetzt bin ich leider nur ein Reserve-Daddy einer süßen Frieda. Sie ist schwarzhaarig, wiegt 5 kg und mit ihr verbringe ich sehr viel Zeit.“ Etwas nachdenklich meint er weiter: „Ich merke immer mehr, in der Natur zu sein, wird in meinem Leben eine immer größere Rolle spielen. Sie ist das beste Umfeld, um zu mir zu kommen und um mich für neue Aufgaben zu wappnen.“

Familie ist sehr wichtig für ihn. „Ich habe eine Riesenfamilie, habe 6 Geschwister. „Mit meinem großen Bruder, der Regisseur ist, bin ich schon daran, Drehbücher zu schreiben“, erzählt Aaron, der auch gerne selbst einmal Regie führen würde.“ Sein ältester Bruder ist freischaffender, bildender Künstler, ein Vollblutkünstler, wie Aaron meint. „Meine jüngsten Geschwister sind Zwillinge und studieren an der Bildenden und Angewandten. Und dann habe ich zwei Schwestern, die zwar nicht kreativ tätig aber starke Frauen sind. Ja, meine eigene und meine Lokal-Familie sowie die Natur geben mir sehr viel.“

Es gibt weitere Projekte in der Pipeline bei Aaron Friesz, aber „dazu kann ich leider noch nicht mehr sagen.“ Langweilig wird es dem sympathischen Schauspieler sicher nicht. „Die Gefahr besteht keinesfalls“, lacht er, „und ich habe sonst ja die Lokale.“

Großes Beitragsfoto: Der erfolgreiche Schauspieler Aaron Friesz. (Foto Julia Dragosits)

 

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