Der erfolgreiche Designer präsentierte im Rahmen der Fashion Week Berlin 2026 keine klassische Fashionshow. Er lud stattdessen zu einer Cocktail-Party ein, bei der seine neue Kollektion den gesamten Abend über videografisch inszeniert wurde. Und er wird künftig seine Kreationen international zeigen.Die Entscheidung, erstmals keine Runway-Show zu präsentieren, steht im Zusammenhang mit seinem Austritt aus dem Fashion Council Germany und der Neuausrichtung der Fashion Week Berlin.
Ich treffe Marcel bei seiner Cocktail-Party und kann ein paar Minuten mit ihm über große Veränderungen plaudern. „Ja, das Jahr 2026 wird sehr, sehr spannend“, verrät mir der Designer. „Also mal abgesehen davon, dass mein Label dieses Jahr 20 Jahre alt wird, es also ein großes Jubiläum für uns ist, gibt es noch sehr spannende Neuigkeiten: wir werden ab Oktober zum ersten Mal auf der Fashion Week in Paris eine Runway Show zeigen. Und darauf freuen wir uns natürlich sehr.“ Es war für Marcel nicht die erste Anfrage aus Paris, „aber es war die erste Anfrage mit Substanz und die dahinterstehende Agentur hat mich einfach auch selbst inspiriert. Die Chefin von Moda Productions Tracy Murray – ich liebe ja sowieso alle Agenturen, die von Frauenpower geführt werden – hat einfach eine ganz tolle Art und brennt spürbar für das, was sie tut“, kommt Marcel ins Schwärmen. „Sie produziert seit 20 Jahren international Runway Shows, ist also ein erfahrener ‚Showhase‘. Wir haben uns gleich von Anfang an sehr gut verstanden und sie versteht eben auch die Ästhetik meiner Kollektionen. Diese sind etwas tragbarer, denn ich möchte, dass die Modelle auf die Straße kommen, dass sie wirklich zu Lieblingsstücken und ganz oft getragen werden. Und diese Intention, diesen nachhaltigen Charakter, findet sie sehr spannend.

Auch mein Thema mit den Deadstock-Materialien findet sie super cool, weil das natürlich ein Vorzeigemodell ist.“Sein 20-jähriges Jubiläum feierte Marcel, indem er im malerischen Garten des Parkhotel Rothof in München-Bogenhausen seine Kollektion DANCING FLOWERS präsentierte, eine Kollektion, die die Schönheit des Lebens, die Kraft der Weiblichkeit und die Magie eines blühenden Gartens feiert.
Das bedeutet aber keine Show mehr in Berlin, frage ich nach und erfahre von Marcel: „Richtig, ich mache vielleicht einmal eine Show in München oder in Hamburg, so zwischen den Saisonen, aber nicht mehr in Berlin. Meine neuen Kollektionen werde ich in Zukunft immer in Paris zeigen. Für Oktober 2026 habe ich schon unterschrieben und es geht weiter im März 2027.“
Marcel ist sehr stolz darauf, dass seine Kooperationspartner ihn nach Paris begleiten werden. „Die haben alle Bock drauf. Und ich bin sicher, dass sich viele neue Türen öffnen werden, denn Paris werden Sponsoren spannend finden“, ist er sich sicher.
Sein Atelier und seinen Wohnsitz hat der Designer von Berlin nach Bayern verlagert. „Privat sind wir schon vor fast zwei Jahren nach Bayern auf einen alten Bauernhof im Altmühltal gezogen, umgeben von Mutter Natur. Es ist ein wunderwunderschöner und für mich auch sehr inspirierender Platz. Mittlerweile ist er für uns alle ein magischer Kraftort, der uns auch wieder ganz nah an unsere Familien zurückgebracht hat. Es ist ein Mehrfamilienhof und auch ein Gnadenhof für Tiere in Not. Einfach ein sehr, sehr schöner Platz.“ Es ist bei den Worten von Marcel spürbar, wie wohl er sich in seinem neuen Umfeld fühlt. „Dieser Platz ist für uns der neue Nabel der Welt, weil von dort viele Wege kürzer sind. Nach Paris z.B. fahre ich mit dem Auto sechseinhalb Stunden.“
Marcels Ready-to-wear-Linie wird nach wie vor bestehen bleiben, „aber für Paris werde ich auch in meine alte Couture-Zeit eintauchen. Dafür habe ich bereits ein sehr schönes Thema, da ich in Paris mit meiner Kollektion die französische Mode, auch Coco Chanel und Karl Lagerfeld huldigen möchte. Sie sind schon seit meiner Kindheit große Inspirationsquellen gewesen – und Karl Lagerfeld ist auch erst mit ungefähr 46 Jahre in Paris sehr erfolgreich geworden“, fügt Marcel mit einem Schmunzeln hinzu.

Die aktuelle Zeit empfindet Marcel als einen unfassbar aufregenden Energiefluss. „Ich glaube, man muss die Energien des Universums und des Lebens einfach fließen lassen. Und als ich mich letztes Jahr dazu entschieden habe, nicht mehr in Berlin zu zeigen, ist unfassbar viel Neues entstanden. Man muss sich einfach öffnen, positiv bleiben und gute Energie nach draußen schicken, und genau diese positive Energie packe ich in meine Kollektionen rein.“
Der erfolgreiche Designer freut sich schon sehr auf Paris, verrät mir aber, dass er erst eigentlich an Mailand dachte. „Das deshalb, weil ich Italienisch spreche, mein Bruder halb Italiener ist und ich Mailand einfach sehr mag.“ Aber für Mailand fehlte ihm aber noch die richtige Agentur und dann kam die Anfrage aus Paris. „Jetzt wird daher erstmal Paris aufgebaut.“

Der Designer weiß, dass in Deutschland leider wenig deutsche Mode gekauft wird und auch die Boutiquen sich meist sehr international eindecken. „In Deutschland wurde die Mode lange nicht unterstützt und gefördert und einen Fashion Council Germany gibt es ja auch erst seit zehn Jahren. In Paris und Italien gibt es einen Fashion Council schon seit vielen Jahrzehnten und auch England hat schon seit längerem einen. Wir haben halt viel zu spät angefangen, die deutsche Mode zu fördern. Leider.“ Sehr gut und spannend findet Marcel aber, dass der Fashion Council Germany junge Brands gut fördert. „Da gibt es ein paar tolle neuen Namen, zum Beispiel finde ich Lion Busch sehr, sehr spannend. Er war einmal einer meiner Assistants“, erzählt Marcel nicht ohne Stolz. „Auch Laura Gerthe und Harderlump finde ich mega, die machen richtig coole Sachen, Harderlump macht bereits schon Shows. Es passiert also wirklich viel in Berlin, nur ich möchte in Zukunft einfach international zeigen. Ich muss auf einer Fashion Week zeigen, wo Showrooms sind und auch die internationale Presse kommt, Messen stattfinden und Business gemacht wird. Das ist mein Ansatz.“
Natürlich kostet all die Arbeit, kosten all die neuen Projekte viel Energie. „Mit dem Umzug und den neuen Projekten, und was sich daraus ergeben kann, ist das für mich ein absoluter Motivationsschub, ein ganz neuer Spirit. Gerade das ist das Spannende in der Mode und als Designer, dass man sich immer wieder neu erfinden und immer wieder neue Dinge machen kann. Und dass immer wieder etwas Neues passiert, ist ja auch spannend für meine Fans,“ ergänzt Marcel noch mit Begeisterung.
Großes Beitragsfoto: Designs von Marcel Ostertag, die Brille ist von Kooperationspartner Mister Spex X Marcel Ostertag. (Foto Deborah Spanhol)
