Britt Kanja gilt als Ikone der Berliner Clubszene und Mit-Initiatorin des legendären 90°. Die gebürtige Berlinerin war Tänzerin, Varieté-Künstlerin und ist bis heute für ihren einzigartigen Stil und ihre inspirierende Lebenshaltung bekannt.
Es ist immer wieder eine große Freude, Britt bei Events zu sehen und ihre Authentizität, ihr Charisma, ihre Liebe zum Leben und ihren vielseitigen Stil zu erleben. Im vergangenen Jahr traf ich sie bei den Vienna Awards in Wien und heuer während des Filmfestivals in Cannes – denn sie ist überall ein gerne gesehener Gast.

Zu Jahresbeginn hatte sie eine schwierige Zeit und konnte wegen Corona fast sieben Wochen nicht außer Haus. „Zum Glück hatte ich einen Freund, der extra nach Berlin gekommen ist und mich um- und versorgte. Danach schaffte ich keine einzige Treppe – und ich habe vier bis zu meiner Wohnung. Es hat wirklich einige Zeit gedauert, bis ich wieder etwas fit war. Trotzdem bin ich zur ‚Lambertz Monday Night‘ nach Köln, denn das ist eine der coolsten Veranstaltungen im gesamten Jahr in Deutschland“, kommt ihre Begeisterung durch.
In einer liebevollen Familie aufgewachsen, erinnert sich Britt gerne daran, dass sie mit ihren Eltern über alles sprechen konnte, und dass sie nie geschimpft, sondern ihr immer alles sachlich erklärt wurde. Britt war ein sehr lebendiges Kind, ein kleiner Wildfang, und ist sehr dankbar, dass sie schon in jungen Jahren ihre Selbstständigkeit entfalten konnte. „Meine Eltern haben lange auf mich gewartet und meine Mutter wusste schon vorher, dass ich ein Mädchen bin. Sie stickte bereits vor der Geburt meinen Namen auf die Babysachen. Ich kam 1950 auf die Welt, ein sehr verrückter Zeitpunkt, denn Pluto kam der Erde nahe.“ Für ihre Mutter waren das ‚die schönsten Schmerzen ihres Lebens‘, erzählt Britt weiter, die nicht nur ein sehr lebendiges Kind war, sondern auch schon früh Dinge erspüren konnte. Dazu erzählt sie mir eine Geschichte: „Meine Großmutter väterlicherseits ist Norwegerin, die ich zwar nie kennengelernt habe, wohl aber die anderen Verwandten. Ich war knapp fünf, als ich das erste Mal zu Besuch in Norwegen war. Es dauerte drei Tage, bis ich dort war und in dieser Zeit stellte ich mir vor, dass meine Verwandten in einem Schloss wohnen. Du kannst dir meine Enttäuschung vorstellen, als es nicht so war. Ich lernte dabei, dass ich meine Vorstellungen loslassen und mich überraschen lassen konnte.“

Und schon fällt ihr wieder eine lustige Geschichte ein, die ihr als kleines Kind passierte: „Ich wusste zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht, was Geld ist, und auch nicht, dass es etwas Böses gibt. Das haben meine Eltern nach dem Krieg bewusst von mir ferngehalten. Ich hörte, wie meine Mutter zu meinem Vater sagte ‚Uns geht es gut, wir haben immer Geld‘ und ich wusste auch, wo sie das aufbewahrten. Ich war ja ein waches Kerlchen“, lacht Britt wieder. „Wir wohnten in einer Bauhaussiedlung und ich spielte unten im Hof mit Sandkasten und Grünanlagen, wohin auch über 10-jährigen Kids aus der Umgebung kamen. Diese meinten ‚So ‚ne Kacke, wir wissen nicht, was wir machen sollen, wir haben ja kein Geld in der Tasche‘. Da habe ich mich vor sie hingestellt und meiner Mutter nachgeplappert, dass es uns gut ginge und wir immer Geld haben. Die Kids meinten darauf, dann solle ich doch nach oben gehen und etwas Geld runter bringen . Und ich ging nach oben und habe wirklich einen 100-Mark-Schein erwischt. Als es kurz vor Weihnachten dann rauskam, dass ich das Geld genommen und verschenkt hatte, hat mein Vater mir den Wert des Geldes erklärt und dass man ein Dieb ist, wenn man Geld einfach nimmt oder stiehlt. Als dann zufällig unten gerade ein Polizeiauto mit Sirene vorbeifuhr dachte ich, dass sie mich jetzt holen kommen. Daraufhin bin ich völlig ausgerastet. Ich ließ mich gar nicht mehr beruhigen und schrie, dass ich kein Dieb sei und nicht ins Gefängnis will. Denn es dauerte einige Zeit bis ich begriff, dass der Streifenwagen nicht meinetwegen unterwegs war.“

Ein Leben voller Tanz
Noch vor Schulbeginn begann Britt mit dem Tanz und erinnert sich an eine alte Tanzlehrerin, die mit ihrem Bambusstock Haue verteilte, wenn eine Tanzbewegung nicht richtig war. „Ich ging dann nicht mehr hin und habe lieber zu Hause nachgetanzt, was ich im Fernsehen gesehen habe. Ich hatte ja viel Fantasie.“
„Ich glaube, durch die Liebe meiner Eltern – und die gleichzeitige Freiheit mich selbst auszuleben – befinden sich weder Missgunst noch Neid in mir“
Britt war 14 Jahre alt, als ihre Mutter zu ihr sagte, dass sie nun für sich selbst Verantwortung übernehmen und ihre Grenzen selber finden soll. „Meine Mutter wusste natürlich, wenn sie mir irgendwas verbietet, mache ich das erst recht.“ Auf meine Frage, wie sie damit umging, meint Britt: „Ich habe mich hingesetzt und reflektiert, was ich nun mit meiner neuen Selbstverantwortung machen soll. Für einen Freund fühlte ich mich noch zu jung, aber ich wollte tanzen und in Clubs gehen. In dieser Zeit war Berlin das Gay-Zentrum der Welt und ich habe in keiner anderen Stadt erlebt, was hier in den 1960ern abging. Eine tolle Gay-Gruppe hat mich sozusagen adoptiert, auch ein bisschen bemuttert und auf eine schöne Art auf mich aufgepasst. Da hatte ich Glück.“

Tanzgruppen aus der ganzen Welt traten damals in Berlin in Theatern auf. Britt kann sich erinnern, dass sich alle in einem ganz verrückten Laden trafen. In dieser Zeit lernte Britt Marianne Kipp kennen, die damals beste Jazz- und Balletttänzerin aus Holland, die in dieser Zeit ein Studio in Berlin eröffnete. Sie lud Britt in ihr Studio ein und schenkte ihr eine Tanzausbildung.
Als Britt mit ihrem Tanzpartner ihr Debut in einem Theater hatte, standen die beiden auf der Bühne, der Vorhang war noch unten, alles war dunkel und sie warteten darauf, dass der Vorhang aufgeht. „Wir hatten absolute ‚Muffensause‘. Mein Tanzpartner Uwe hatte einen langen Brokatmantel an und ich saß zwischen seinen zitternden Beinen. Ich fragte ihn, ob er Angst habe, worauf er meinte, nee mir ist kalt“, lacht Britt. „Dann ging die Musik los und die ersten 3 Minuten waren wunderbar – danach hatten wir gleichzeitig einen Filmriss, ein furchtbares Gefühl für uns, aber wir improvisierten, was weiß ich bis heute nicht- als die Musik zu Ende ging, waren wir sehr beschämt – es hat wirklich eine Weile gedauert, bis wir realisierten, dass das Publikum uns applaudierte.“ Gerne denkt Britt an die unglaubliche Energie und Power zurück, die sie beide fühlten. Es war der Beginn ihrer langjährigen Tanzkarriere, obwohl Britt das gar nicht ‚auf dem Schirm‘ hatte, wie sie schmunzelnd meint.
„Als Tanzausbildung und Abi parallel fertig waren, überlegte ich Kunst und Kunstgeschichte zu studieren. Aber zur Karriere als Tänzerin konnte ich dann nicht nein sagen. Nachdem ich darüber nachgedacht hatte, sagte ich mir, dass jeder Erfolg auch eine Herausforderung an die Bescheidenheit ist, und dass es wichtig ist, dass ich immer in mir und bei mir bleibe, egal welchen Erfolg ich habe. Das habe ich geschafft und bin dafür sehr dankbar.“

Große Liebe
Britt stand 10 Jahre erfolgreich auf der Bühne, als sie 1977, im Alter von 27 Jahren, in Lugano die Liebe erwischte – und auf einmal war alles anders. Sie begegnete ihrem späteren Ehemann William, einem wohlhabenden Amerikaner. „In Lugano war ich in einer ‚Clique‘ von Künstlern, die sich täglich trafen und etwas unternahmen. Weißt Du, nach einer Bühnenshow kannst du nicht einfach in dein Appartement gehen, das lässt das Adrenalin nicht zu und Du musst erst runterkommen – und meist sind wir dann in Clubs gelandet oder trafen uns zu Gesprächen in Künstlerkreisen. Und eines Abends sitze ich in unserem Lieblingsclub und dann kam William: ein Amerikaner der eher italienisch aussah, dunkle lockige Haare und grüne Augen. Als er mir später vorgestellt wurde, war es, als bliebe die Zeit stehen und für mich war ganz klar, ‚das ist er‘. Und in seinen Augen konnte ich sehen, dass bei ihm genau das Gleiche passiert. Doch das Paradoxe war, dass ich es gleich wieder vergessen hatte und so beschnupperten wir uns erst mal über sechs Wochen“, lacht sie. Als Britt, die sehr spirituell und feinfühlig ist, eines Morgens nach einem Traum aufwachte, sagte sie zu ihm: „Yes, I know, you are my man.“
Britt überlegte eine Weile, ob sie ihrer Tanzkarriere oder ihrem Traum folgen sollte. Sie erfüllte noch ein halbes Jahr lang alle Verträge, „und dann habe ich mich während des letzten Tanzes von meinem Tanzpartner verabschiedet. Ich glaube, das war mein schönster Tanz gewesen, denn ich habe in ihn alles reingepackt, alles Schöne, meine Dankbarkeit, dass wir sowas zusammen machen durften und so einen Erfolg hatten.“

Sie ging mit William nach Amerika und lebte in San Diego direkt am Strand. „Er war zwar sehr reich, aber ich wäre auch mit ihm gegangen, wenn er Schuhputzer gewesen wäre. Davor waren wir zuerst aber noch in Cleveland, dem Hauptwohnsitz seiner Eltern. Seine Mutter hatte die gleiche Expressivität wie ich und sah mit ihren 62 Jahren fantastisch aus. Es war wie Liebe auf den ersten Blick.“ Amerika aber war schon ein Kulturschock für Britt, trotz Luxus erschienen ihr viele Menschen fremdgesteuert und ohne innere Freiheit. Es überfiel sie eine leichte Melancholie und sie musste mit der neuen Situation erst einmal klarkommen. „Mir wurde bewusst, dass ich ganz schnell nicht nur diesen ‚American Way of Talking‘ lernen musste, sondern dass hinter den Worten auch andere Bilder sind. Letztendlich habe ich aber gelernt, dass ich immer ich selbst bleiben kann, egal ob reich oder arm, und mir selbst vertrauen kann.“
Ein tiefer Einschnitt in Britts Leben war die unerwartete Trennung von ihrem Mann Ende 1983. Sie war mit William auf dem Weg zum Flughafen, um ihre Mutter in Deutschland zu besuchen, als er vor einem Anwaltsbüro hielt. Er wollte, dass sie Ehe-Auflösungspapiere unterzeichnet – was sie nicht tat. „Erst während des Fluges wurde mir bewusst, dass meine Ehe vorbei war. So blieb ich in Berlin und meine Mutter half mir sehr in dieser schwierigen Zeit.“

Herausforderungen und Club 90°
„Ja, ich liebe Herausforderungen, weil ich dadurch einen Schritt in meiner Entwicklung weiter gehe. Sie sind eine Bewusstseinserweiterung für mich“, weiß Britt. Ihr ist auch bewusst, dass sie polarisiert, „aber die meisten Menschen mögen mich dennoch.“ Gerne erinnert sie sich an die Zeit im legendären Berliner Nachtclub 90°, der 1989 mit Bob Young eröffnet wurde. Der Club und sie waren berühmt für rauschende Partynächte.
Es war eine Zeit der Aufbruchstimmung und Britt wurde zur prägenden Figur einer kreativen Partyszene. Im Club trafen sich Künstler, Bankiers, Royals und Stars wie Leonardo DiCaprio, Hugh Grant oder George Clooney.
„Einmal im Monat gestaltete ich meine Partys, die immer ein bestimmtes Thema hatten. Dafür habe ich dann mit meinem Team den ganzen Tag den Club, dem Thema entsprechend umdekoriert, und überall frisches Obst, Leckereien und Blumen auf den Tischen verteilt. Danach war ich im Kreativmodus des Clubs und wusste, was ich zum jeweiligen Thema anziehen werde. Noch bevor der Club öffnete, kam ich zurück und holte noch die Blumen vom Blumenladen an der Ecke, die das Wochenende nicht überlebt hätten. Ich lief noch ein letztes Mal durch das 90 Grad, schaute, ob alles liebevoll aussieht und streute an nicht so entsprechenden Ecken die Blütenblätter aus.“
Ihre letzte Party feierte sie an ihrem 58. Geburtstag und verabschiedete sich damit aus dem Nachtleben.

Vintage-Mode
„Ich liebe Mode, auch wenn Mode mich eine ganze Zeit lang nicht so richtig fesseln konnte. Inzwischen lasse ich mich gerne von Details inspirieren, setze sie dann auf meine Art und Weise um und entwickle meine persönliche Note. Es gibt viele Designer, die mich inspirieren, aber ich kopiere nichts. Ich liebe es, wenn etwas eine bestimmte Eleganz und Leichtigkeit hat und auch kleine Brüche finde ich schön. Meine Präferenz gilt der Eklektik, aus allen möglichen Zeiten und Kulturen etwas zu mischen, denn so entsteht eigentlich mein eigener Stil.“
Bis heute trägt Britt Konfektionsgröße unter 32. Das war mit ein Grund, dass sie sich zunächst in Trödelläden nach Vintage-Schätzen umschaute. „Da ich als Teenager selbst nicht nähen konnte, habe ich zuerst alles mit Sicherheitsnadeln abgesteckt, später auch mit groben Heftstichen.“ Irgendwann begann sie doch selbst zu nähen und „heute kann ich alles für mich anpassen und bin meine eigene Designerin“, lächelt Britt, die an kühleren Tagen nie ohne Kopfbedeckung außer Haus geht. „Wenn es sehr heiß ist, und mich nur ein zartes Kleidungsstück ümhüllt, kann ich meines kleinen Kopfes wegen, die Haare nach hinten zum Chignon tragen.
Meine Körperproportionen sind zwar alle harmonisch, aber ich bin sehr zart und mein ganzer Knochenbau entspricht nicht der Norm. An meinem kleinen Kopf verzweifelt jeder Hutdesigner“, bedauert die Modeikone. Neugierig möchte ich wissen, wie kritisch sie sich selbst gegenüber ist, worauf Britt lachend meint: „Ich bin total tolerant anderen gegenüber, aber bei mir bin ich schon akribisch. Zum Glück habe ich die Gabe, das ich das Ganze und das Detail gleichzeitig sehen kann. Es ist wohl ein Geschenk der Natur, dass ich so sensitiv mit Materialien, Formen und Farben umgehen kann.“
„Du bist entweder Meister oder Sklave deines Schicksals – wenn du eins mit deiner Inneren Stimme bist und dieser Liebe vertraust, umarmt und behütet dich das Leben“
Leben voller Erfahrungen und Liebe
Britt kann auf ein Leben voller Erlebnisse und Erfahrungen zurückblicken, sie ist ein sehr positiver und einfühlsamer Mensch. Aber gibt es etwas, was Du heute nicht mehr machen würdest, frage ich sie: „Noch vor meiner Tanzkarriere hatte ich eine Phase, in der ich zwar Freunde und Spaß hatte – aber irgendetwas fehlte. Es fühlte sich an, als hätte mein Inneres Hunger aber keine Nahrung. Da erhielt ich einen Anruf, ob ich nicht Miss Berlin werden will. Und ich wurde 1969 gekürt und habe Geld und eine Reise nach London gewonnen. Diese Reise trat ich jedoch nicht an, blieb allein zu Hause und hatte eine leichte Depression. In einem Buch von Rainer Maria Borchard fand ich damals den Satz ‚wir müssen steigen, um zu fallen, und wir müssen fallen, um zu steigen‘. Und ich dachte, das stimmt, er hat recht. So hat sich in den vier Wochen, wo alle dachten, ich bin in London, mein Geist total neu geformt, ich verließ meinen bisherigen Freundeskreis und fing an, neue Menschen, Seelenverwandte, zu treffen.“ Gleich danach begann ihre Tanzkarriere.
Britt ist aber auch sehr gerne mit sich alleine. „Ich brauche jetzt in der Woche so zwei, drei Tage, wo ich nur bei mir bin und meine kreativen Arbeiten mache. Das ist dann wie eine Meditation und je älter ich werde, desto wichtiger wird mir diese Zeit.“

Zurück in Berlin
Für ständig nach Berlin zurückzukommen, war noch unklar für Britt, auch wohin das Leben sie führt. „Ich war als Kind oft in Norwegen, bin daher zweisprachig aufgewachsen und wurde früh mit einer anderen Kultur konfrontiert, genauso während meiner Tanzkarriere, die mich auf den Tourneen durch viele Länder führte. Bei jedem Ankommen im damaligen noch West-Berlin, wo der West-Berliner Funkturm steht, der ‚lange Lulatsch‘ – jedesmal dann, wenn ich den wiedergesehen habe, hatte ich Ameisen im Bauch und feuchte Augen. Da liebte ich diese Stadt. Aber ich hätte jetzt statt in San Diego auch sonst wo leben können. Als ich nach Berlin zurückkam, wusste ich nicht, ob ich hierbleibe. Aber meine Mutter war alleine und ich wollte mich um sie kümmern. Meine Ehe war zu Ende, ich habe von William auch kein Geld genommen und fast mein ganzes Geld für Übergepäck auf dem Londoner Flughafen ausgegeben. Ich musste hier alles neu aufbauen und mich neu erfinden. Und irgendwie hat die Stadt mich umarmt und das ist es, warum ich immer noch hier bin.“ Berlin umarmt Dich immer noch, meine ich schmunzelnd, worauf Britt meint: „Ja, doch die erste Zeit nach meiner Rückkehr war gar nicht so einfach. Ich habe gemerkt, dass ich mein Deutsch vernachlässigt hatte und musste die Feinheiten meiner Sprache neu erlernen. Mir fehlte einfach der geschliffene Wortschatz, da ich schon beim Tanzen fast nur englisch und durch meine Reisen auch ein bisschen Spanisch, Französisch oder Italienisch gesprochen hatte. Aber jetzt, wo wir darüber reden, merke ich, dass es gut war, dass ich mir Mühe geben musste, meine Muttersprache noch mal neu zu entdecken. Denn über Sprache habe ich bereits in Amerika nachgedacht. Ich war schon ein paar Jahre dort, als ich mich fragte, in welcher Sprache denke ich eigentlich? Denke ich in Deutsch oder Amerikanisch? Und ich konnte mir das zunächst gar nicht beantworten, erst etwas später merkte ich, dass ich Englisch träume und in Englisch denke. Und dann habe ich aus englischer Sicht auf meine deutsche Sprache geschaut und merkte, was sie für ein Schatz ist. In ihr kann ich alle meine Gedanken in Worte fassen und wurde dankbar, dass sie meine Muttersprache ist und auch für das Glück, dass ich jetzt hier in Berlin lebe.“
Großes Beitragsfoto: Britt Kanja beim Filmfestivals in Cannes. (Foto Sven Kohler @kohler_photography)
