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Junge Industrie Steiermark: Plattform für angehende Führungskräfte

Aus der Reihe „Frauen und Technik“ in Kooperation mit der Industriellenvereinigung Steiermark: Die JI Steiermark ist die Nachwuchsorganisation der Industriellenvereinigung Steiermark und bietet jungen und angehenden Führungskräften in der Industrie eine Plattform für den Austausch von Meinungen und Erfahrungen. Im Team des JI Steiermark Vorstandes herrscht auch starke Frauenpower:

DI Julia AICHHORN, MBA (IV Bundesvorstand - BV der JI, GF Dr. Aichhorn GmbH und GIG Karasek GmbH, im Vorstand der Stiftung für Wirtschaftsbildung). (Fotos Thomas Luef, Maria Kanizaj)
DI Julia AICHHORN, MBA (IV Bundesvorstand – BV der JI, GF Dr. Aichhorn GmbH und GIG Karasek GmbH, im Vorstand der Stiftung für Wirtschaftsbildung). (Fotos Thomas Luef, Maria Kanizaj)

DI Julia AICHHORN, MBA (IV Bundesvorstand – BV der JI, GF Dr. Aichhorn GmbH und GIG Karasek GmbH, im Vorstand der Stiftung für Wirtschaftsbildung)
Wie können wir die aktuellen ‚Krisen‘ überwinden?
Für mich beginnt erfolgreiche Krisenbewältigung bei den Unternehmen: Wir müssen ehrlich und klar handeln – auch wenn Maßnahmen unpopulär sind. Das bedeutet in jedem Unternehmen etwas Anderes, z.B. etwa Prozesse optimieren, in Digitalisierung investieren und nachhaltiger wirtschaften. Gleichzeitig braucht es Mut, neue Geschäftsfelder aufzubauen und Innovation voranzutreiben.

Für die Politik gilt dasselbe: Transparente Entscheidungen, gezielte Reformen (längst überfällig ist Pensionsreform aber auch die Lohnkostensenkung) und Investitionen in Bildung (das beginnt mit der Elementarpädagogik), Infrastruktur und Forschung sind entscheidend. 

Nur durch die Kombination dieser beiden Ansätze – mutige Reformen und zukunftsorientierte Investitionen – können wir langfristig Stabilität und Wachstum gewährleisten. Der Zukunft immanent ist die Unsicherheit, leider wird das allzuoft beängstigend wahrgenommen. Dabei sehe ich das als Chance sie aktiv mitzugestalten. 

Kerstin OTTER, BA (Head of Business Development, Neuroth International AG). (Fotos Fotos Thomas Luef, Maria Kanizaj)
Kerstin OTTER, BA (Head of Business Development, Neuroth International AG). (Fotos Fotos Thomas Luef, Maria Kanizaj)

Kerstin OTTER, BA (Head of Business Development, Neuroth International AG)
Sie verfügt über umfassende Erfahrung in Business Development, strategischem Projektmanagement und Controlling. In der Logistikbranche war sie in Funktionen von Projektmanagement über Mergers & Acquisitions bis hin zur Unterstützung auf Vorstandsebene tätig und vertiefte ihre Expertise in strategischer Steuerung, Finanzanalyse und operativer Umsetzung. In späteren Führungsfunktionen verantwortete sie die Entwicklung kundenzentrierter Geschäftsmodelle und Wachstumsinitiativen – von der strategischen Konzeption bis zur operativen Implementierung.
Ihre erste Karenzzeit nutzte sie für den Abschluss ihres MBAs und baute damit ihre strategischen Kompetenzen weiter aus. 
 
Wie sehen Sie die wirtschaftliche Entwicklung/Aussichten für unsere Firmen?
Die wirtschaftlichen Aussichten für unsere Unternehmen in der Steiermark sehe ich trotz aktueller Herausforderungen grundsätzlich solide. Energiepreise und internationale Unsicherheiten sind spürbar, zugleich verfügt der Standort über eine starke industrielle Basis und hohe Innovationskraft.
Entscheidend für die Zukunftsfähigkeit ist, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz konsequent voranzutreiben. KI ist längst ein Wettbewerbsfaktor und bietet Antworten auf Effizienzfragen, Fachkräftemangel und neue Geschäftsmodelle – im internationalen Vergleich ist das ein klares Must-have.

Ebenso zentral bleibt die Verfügbarkeit von Fachkräften. Dazu gehört für mich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Flexible Arbeitsmodelle und verlässliche Kinderbetreuung sind wesentliche Standortfaktoren. Nur wenn technologische Entwicklung und moderne Arbeitsbedingungen zusammengedacht werden, bleibt die steirische Wirtschaft langfristig wettbewerbsfähig.
 
Welche Forderungen/Maßnahmen der JI sind aus Ihrer Sicht und Erfahrung gerade jetzt sehr wichtig?
Aus meiner Sicht braucht es eine ganzheitliche und langfristige Strategie für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz – nicht nur regional oder national, sondern auf EU-Ebene. Unternehmen investieren nur dann konsequent, wenn klar ist, wohin die Entwicklung geht. Dafür braucht es Orientierung, stabile Rahmenbedingungen und politische Verlässlichkeit über Wahlperioden hinaus. Digitalisierung und KI sind keine kurzfristigen Projekte, sondern eine strategische Zukunftsfrage für Europa.
Gleichzeitig müssen Ausbildungssysteme digitale und KI-Kompetenzen konsequent verankern, und Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Um junge Talente für Zukunftstechnologien zu begeistern, müssen wir klare Karrierewege aufzeigen und bestehende Strukturen im Bildungs- und Arbeitsumfeld zeitgemäß weiterentwickeln. Nur wenn technologische Ausrichtung, Qualifikation und moderne Arbeitsbedingungen zusammengedacht werden, sichern wir langfristig Wettbewerbsfähigkeit.

Hella RIEDL-RABENSTEINER, MSc, GF Geodata Informationstechnologie GmbH, Vorsitzende JI Steiermark. Fotos Thomas Luef, Marija Kanizaj)
Hella RIEDL-RABENSTEINER, MSc, GF Geodata Informationstechnologie GmbH, Vorsitzende JI Steiermark. Fotos Thomas Luef, Marija Kanizaj)

Hella RIEDL-RABENSTEINER, MSc, GF Geodata Informationstechnologie GmbH,  Vorsitzende JI Steiermark
„Die Junge Industrie ist ein unverzichtbares Netzwerk für junge Führungskräfte. Ich möchte die Interessen der jungen Generation in der Industrie noch stärker vertreten“, erklärt die Co-Vorsitzende der JI. „Es ist auch Schluss mit Jammern und Zeit fürs Tun. Denn: Unsere Zukunft entsteht nicht im Perfektionsmodus, sondern im Handeln. Die Steiermark hat das Potenzial – Innovation, Know-how, kluge Köpfe. Jetzt geht’s darum, dieses Potenzial zu nutzen.

Wie können wir Frauen in Wirtschaft und Industrie weiter stärken?
Frauen sollen in allen Phasen ihres Lebens Führung übernehmen können – ohne sich zwischen Familie und Karriere entscheiden zu müssen. Dafür braucht es Mut zur Sichtbarkeit, gegenseitige Unterstützung und Rahmenbedingungen, die Flexibilität ermöglichen.

Kinderbetreuung ist ein Schlüsselthema für die Fachkräftesicherung, gerade für Frauen entscheidet die Verfügbarkeit von Vollzeitbetreuungsplätzen über Karrierewege – und damit wird Elementarpädagogik zu einem wesentlichen Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts. Dafür braucht es in der Steiermark ein positives gesellschaftliches Mindset für elementare Bildung – mit dem Bewusstsein, dass gute Angebote Nachfrage schaffen. 
Sicherlich gehören dazu Themen wie Kinderbetreuung und Teilzeit.

Wofür setzen Sie sich da ein bzw. welche Erfolge haben Sie schon erreicht?
Wir setzen uns auf Landes- und Unternehmensebene für flächendeckende, ganztägige Kinderbetreuung ein – nicht als „Nice-to-have“, sondern als wirtschaftliche Notwendigkeit. Ein moderner Lebens- und Arbeitsort braucht qualitativ hochwertige Elementarpädagogik, damit Fachkräfte bleiben oder überhaupt erst kommen. Unternehmen profitieren von zusätzlichen Arbeitskräften, einer höheren Frauenerwerbsquote und besser planbaren Arbeitszeiten – damit leisten wir einen Beitrag zur Lösung des Fachkräftemangels und zur Bewältigung des demografischen Wandels.
Ein wichtiger Schritt war unsere neue Broschüre zur betrieblichen Kinderbildung und -betreuung: Damit geben wir Unternehmen erstmals eine kompakte Orientierungshilfe und eine zentrale Servicestelle für ihr proaktives Engagement. Gleichzeitig betonen wir, dass betriebliche Angebote immer nur Ergänzung sein können – das Rückgrat muss ein flächendeckendes, qualitativ hochwertiges öffentliches System sein.

Worauf sind Sie als Mitglied des Vorstandes bzw. jetzt als Vorsitzende am meisten stolz, was Sie erreicht haben?
Wir als Junge Industrie beschäftigen uns nicht erst seit Kurzem mit Kinderbetreuung, sondern tragen dieses Thema seit vielen Jahren konsequent in die öffentliche und politische Diskussion. Wir betrachten die Kinderbetreuung als zentralen Standortfaktor und zeigen klar: Frühkindliche Bildung und gute Betreuung sind die erste Investition in Chancengleichheit für Kinder, echte Wahlfreiheit für Eltern und in die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standortes. Studien zeigen, dass der Ausbau der Kinderbetreuung messbare Effekte auf Wohlstand und Wachstum hat – beim Erreichen der Ausbauziele ergibt sich ab 2030 ein zusätzliches BIP‑Wachstum von rund 0,2 Prozentpunkten pro Jahr. Dass wir als Junge Industrie diese Argumente laut aussprechen, in die politische Diskussion tragen und damit einen Business-Case für Kinderbetreuung formulieren, ist etwas, worauf ich als Vorsitzende sehr stolz bin.
 

DI Elisa WIELINGER, Leitung globale Vertriebsorganisation im Geschäftsbereich Pumpen Andritz AG. (Fotos Thomas Luef, Marija Kanizaj)
DI Elisa WIELINGER, Leitung globale Vertriebsorganisation im Geschäftsbereich Pumpen Andritz AG. (Fotos Thomas Luef, Marija Kanizaj)

DI Elisa WIELINGER, Leitung globale Vertriebsorganisation im Geschäftsbereich Pumpen Andritz AG“
„Das Tollste an meinem Job ist, dass ich täglich gestalten kann – international, strategisch und immer im direkten Austausch mit Menschen. Ich liebe es, komplexe Themen in klare Erfolge zu verwandeln, Teams zu verbinden und gemeinsam Wachstum voranzutreiben.“

Welche sind für Sie die aktuell wichtigsten Themen/Maßnahmen/ Forderungen, damit es Wirtschaft und Industrie, unseren Unternehmen wieder besser geht?
Ein wesentlicher Punkt ist, dass die österreichische Politik dringend an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen arbeiten muss, um die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes wieder herzustellen. Die stark steigenden Lohn- und Energiekosten machen Österreich zu einem der teuersten Standorte. Die Lohnkosten liegen bereits deutlich über jenen in Deutschland, und der Industriestrompreis ist dreimal so hoch wie in den USA.

Dass global ausgerichtete Unternehmen Standorte verlagern und lokale Betriebe zunehmend unter Druck geraten oder insolvent werden, hören wir laufend aus den Medien. Was es braucht, ist eine klare Veränderung bei den Staatsausgaben und strukturelle Reformen. Konkrete und fundierte Vorschläge gibt es beispielsweise von der Industriellenvereinigung oder von Agenda Austria – etwa Staatsausgaben zu bremsen und den Föderalismus nach dem Schweizer Vorbild zu leben, Arbeit ähnlich wie in Polen niedriger zu besteuern oder das Sozialsystem so nachhaltig zu sanieren wie in Dänemark.

Mit ihren weitreichenden Erfahrungen, was machen manche Unternehmen aktuell gerade richtig?
Ich sehe vor allem jene Unternehmen erfolgreich, die Veränderung nicht nur akzeptieren, sondern aktiv gestalten. Bei ANDRITZ erleben wir das ganz stark. Wir befinden uns weltweit mitten in einem intensiven Wandel – und wir gehen diesen Weg mit voller Überzeugung.
Unter unserem Motto „For the Change“ und „Creating growth that matters“ machen wir deutlich, dass wir Veränderung nicht als Störung unseres Alltags sehen, sondern als Treiber für Zukunftsfähigkeit. Gerade jetzt, wo vieles in Bewegung ist, brauchen Unternehmen Mut und Klarheit. Beides spüre ich bei uns sehr stark.

Mag. Nina ZECHNER, MBA, Stv. GF IV Steiermark, GF JI Steiermark. (Fotos Thomas Luef, Marija Kanizaj)
Mag. Nina ZECHNER, MBA, Stv. GF IV Steiermark, GF JI Steiermark. (Fotos Thomas Luef, Marija Kanizaj)

Mag. Nina ZECHNER, MBA, Stv. GF IV Steiermark, GF JI Steiermark
Als Stv. GF der IV Steiermark ist sie Ansprechpartnerin für die Mitgliedsunternehmen und deren Standortthemen. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind aktuell unter anderem auch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, Dauerbrenner bleibt leider die Elementarbildung, darüber hinaus zeichnet sie für die Pressearbeit verantwortlich und leitet die Junge Industrie Steiermark.  

Welche sind aktuell die größten Herausforderungen im Bereich Wirtschaft und Industrie?
Wir befinden uns nach wie vor in einer Phase multipler Krisen. Geopolitische Unsicherheiten, hohe Energie- und Produktionskosten, zunehmende Regulatorik, Fachkräftemangel und eine insgesamt schwächelnde Konjunktur treffen unsere Unternehmen gleichzeitig. Für die steirische Industrie kommen strukturelle Herausforderungen hinzu bedingt durch die Twintransition. Diese Veränderungen erfordern Investitionsspielräume, Planungssicherheit und ein wettbewerbsfähiges Umfeld.

Wir leben in ‚Krisenzeiten‘, welche sind Ihre wichtigsten Forderungen an Politik und Zuständige?
Gerade in Krisenzeiten braucht es klare Prioritäten: Der Standort darf nicht weiter belastet werden. Wir gezielte Maßnahmen, für wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie und eine Entlastung bei Abgaben und Lohnnebenkosten. Eine der größten Herausforderungen ist derzeit die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Wenn Standortbedingungen hier nicht mithalten, verlieren wir Wertschöpfung, Innovation und letztlich Arbeitsplätze. Ich sehe politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aller Ebene gefordert, den Standort wieder attraktiv zu machen.

Welche Rolle spielt die Interessenvertretung in so einer Situation?
Eine starke Interessenvertretung lebt vom aktiven Austausch mit ihren Mitgliedern. Je klarer und konkreter Unternehmen ihre Herausforderungen und Anliegen einbringen, desto gezielter können wir sie vertreten. Wir erleben unsere Mitglieder sehr aktiv und engagiert, vor allem der Vorstand der Jungen Industrie setzt auf Austausch und Beteiligung. Wir haben etwa ein eigenes Mentoringprogramm gestartet.  

Fotocredits: Thomas Luef, Marija Kanizaj

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