Film, Reisen und außergewöhnliche Begegnungen prägen das Leben von Daniela Matschnig und sorgen dafür, dass es garantiert nie langweilig wird. Gerade erst ist Daniela Matschnig vom Internationalen Filmfestival in Donostia San Sebastián zurückgekehrt und noch immer liegt dieses besondere Strahlen in ihren Augen. Kaum erzählt sie von den vergangenen Festivaltagen, wird ihre Begeisterung deutlich spürbar. Internationale Stars wie Orlando Bloom, Brad Pitt, Naomi Watts, Rami Malek, uvm, spannende Filme, Begegnungen und diese ganz besondere Atmosphäre: Für Daniela ist San Sebastián jedes Mal aufs Neue „unfassbar magisch, vibrierend und elektrisierend“.

Heuer war sie bereits zum dritten Mal dort und noch immer genauso begeistert wie bei ihrem ersten Besuch. San Sebastián war allerdings längst nicht ihre einzige Festivalstation. Zuvor führten sie ihre Wege nach Málaga und Venedig. Gerade Venedig 2025 war für die Filmschaffende etwas ganz Besonderes: Dort feierte „The Souffleur“ mit Willem Dafoe Premiere, ein Film, bei dem Daniela als 1. Aufnahmeleiterin tätig war.
Willem Dafoe und ein kleiner Mini
Die Zusammenarbeit mit Willem Dafoe ist Daniela in besonderer Erinnerung geblieben. „Ich war immer schon ein Fan von ihm. Als ich das Angebot bekam, habe ich ohne zu überlegen zugesagt. Ich muss gestehen, dass ich danach noch ein größerer Fan wurde. Willem war einer der angenehmsten Schauspieler, mit denen ich jemals zusammenarbeiten durfte.“
Dass daraus auch eine ganz persönliche Anekdote entstehen würde, ahnte sie zunächst nicht. Dafoe, der mit der italienischen Regisseurin und Schauspielerin Giada Colagrande verheiratet ist und in Italien unter anderem eine Tierfarm mit Alpakas besitzt, erwies sich am Set als ausgesprochen unkompliziert. Sonderwünsche? Fehlanzeige. Meist ging er zu Fuß zum Set und wollte nicht abgeholt werden, außer, es regnete.

Bis eines Tages, es regnete, seine Fahrerin völlig verzweifelt bei Daniela anrief: Ihr Auto war abgeschleppt worden und sie würde Willem nicht abholen können.
„Ich habe ihn dann mit meinem Auto abgeholt und mich entschuldigt, dass er mit meinem kleinen Mini mitfahren muss.“ Die Reaktion des Hollywoodstars brachte sie zum Schmunzeln. Als er sich rein setzte und sich umsah und sagte: „Oh, I like your Mini!!!“
Die beiden verbrachten die Fahrt zum Set schließlich mit spannenden Erzählungen von Willem’s diversen Dreharbeiten.
Reisen als Energyboost
Dass solche Begegnungen überhaupt möglich werden, liegt auch an Danielas großer Leidenschaft: dem Reisen.
„Reisen ist mein größter Energyboost“, sagt sie mit einem Lächeln. „Es macht den Kopf frei, bringt dich auf ganz andere Gedanken und Ideen. Ich liebe es, rauszugehen und neue Menschen und neue Kulturen kennenzulernen. Das war immer schon so.“

Vielleicht ist es genau diese Offenheit, die auch so gut zu ihrem Beruf passt. Denn Daniela arbeitet seit vielen Jahren in der Filmbranche und war bereits an zahlreichen nationalen und internationalen Produktionen beteiligt. Dazu zählen unter anderem die Netflix Erfolgsserie „Crooks“ von Marvin Kren, „The Souffleur“ mit Willem Dafoe, „Der Pass“ mit Nicholas Ofczarek, „The American Bachelor“ für Warner Bros., „Der Trafikant“ mit Bruno Ganz, „Die Affäre Cum-Ex“, „Bibi Blocksberg“, „Ein Münchner im Himmel“, „Sentimental Fail Club mit Iris Berben“, und einige mehr.
Auf die Frage, welches Projekt ihr davon besonders in Erinnerung geblieben ist, muss Daniela nicht lange überlegen: „Jedes ist für mich in gewisser Weise spannend und herausfordernd. Egal ob groß oder klein, kein Projekt ist gleich wie das andere. Jeder Tag in dieser Branche bringt neue Herausforderungen. Langweilig wird es nie!“
Wenn aus einer Idee eine Location werden muss
Als 1. Aufnahmeleiterin ist Daniela zu einem großen Teil für die Locations verantwortlich. Sie sorgt dafür, dass die gefundenen Motive am Ende auch tatsächlich bespielbar werden. Dazu kommen die gesamte Logistik, täglichen Callsheets und, und, und …
Schon bei den ersten Motivbesichtigungen ist sie häufig mit Szenenbild, Regie und Kamera dabei. „Ich bin gerne schon von Beginn an dabei, um einzuschätzen was auf mich zukommt“.
Die Motive können dabei kaum unterschiedlicher sein: Lost Places, prachtvolle Palais, Berggipfel, heruntergekommene Innenräume oder Schauplätze im Untergrund, die logistisch schnell zur Herausforderung werden können.
„In den meisten Fällen steht es aber gar nicht zur Diskussion, ob etwas machbar ist. Es muss einfach machbar gemacht werden“, sagt Daniela und schmunzelt.

Bei ihr laufen die Informationen und Wünsche aller Departments zusammen. Ihre Aufgabe: alles zusammen führen, Lösungen finden und dafür sorgen, dass am Ende alle ihren Job machen können.
„Wir sind einfach da, um alles zu ermöglichen und wenn es brennt, dann sowieso. Hin und wieder bezeichne ich mich auch als Feuerwehrfrau, die ganz schnell irgendwelche Lösungen finden und alles hinkriegen muss.“
Erfahrung hilft – aber kein Dreh ist wie der andere
Ich möchte von Daniela wissen, ob eine solche Aufgabe mit der Zeit einfacher wird, worauf sie meint: „Natürlich ist die Erfahrung in der Aufnahmeleitung hilfreich und ein Grundstein. Man muss wissen, wen man in gewissen Situationen sofort kontaktieren kann oder muss.“
Denn selbst eine Location, die man bereits mehrfach bespielt hat, funktioniert bei jedem neuen Projekt völlig anders. Andere Anforderungen, andere Abläufe, andere Crew und damit auch neue Herausforderungen. Und natürlich gehören auch Behörden, Ämter und Bürokratie zum Arbeitsalltag. Vor allem aber hat Daniela mit Menschen zu tun, sehr vielen unterschiedlichen Menschen.
„Um gemeinsam tolle Arbeit zu leisten, benötigt man schon auch ein gewisses Fingerspitzengefühl. Man darf sich keinen Fehler erlauben. Mit zunehmendem Druck sind alle ein bisschen angespannt. Es gehört dann zu meinen Aufgaben, Ruhe zu bewahren und zu versuchen, für alles und alle die beste Lösung zu finden.“

„Never change a winning team“
Eine besondere Bedeutung hat für Daniela ihr Team. „In meinem Department heißt es definitiv: Never change a winning team.“ Wenn möglich, arbeitet sie mit Menschen, deren Arbeitsweise sie kennt und auf die sie sich verlassen kann. Über die Jahre ist daraus ein eingespieltes Team entstanden. „Wir sind so gut zusammengewachsen, dass wir uns während einer Produktion teilweise nur mehr mit Blicken verständigen. Jeder weiß einfach, was zu tun ist.“
Dass diese Konstante in der Filmbranche nicht immer möglich ist, weiß Daniela allerdings nur zu gut. Nach jeder Produktion beginnt für viele Crewmitglieder ein neues Projekt. Mal gibt es viel Arbeit, dann wieder weniger und nicht selten kommt der Vertrag für die nächste Produktion erst kurz vor Arbeitsbeginn.
„Ich habe wirklich ein sensationelles Team und hoffe, dass mir alle noch ganz lange erhalten bleiben. Leider ist das in unserem Wanderzirkus nicht immer möglich.“

Vienna Spanish Film Festival
Vielleicht ist es genau diese besondere Mischung aus Arbeit, Reisen und Begegnungen, die Daniela immer wieder in die internationale Filmfestivals führt. Ein schönes Beispiel dafür ist ihre enge Freundschaft mit der spanischen Schauspielerin und Gründerin des Vienna Spanisch Film Festivals Mery Cabezuelo, die sie 2024 bei Dreharbeiten kennenlernte.
Aus der Begegnung wurde schnell eine enge Freundschaft. Mery hatte schon lange einen großen Traum: ein spanisches Filmfestival in Wien zu veranstalten. „Wir haben dafür gemeinsam viel Zeit verbracht und waren auf einigen Filmfestivals, zum Beispiel in San Sebastián, bei dem damals Javier Bardem ausgezeichnet wurde.“
Schlussendlich wurde Mery‘s Vision Realität. Sie hat hart an dem ganzen Projekt gearbeitet und schaffte es spanisches Flair und internationales Filmgeschehen nach Wien zu bringen. Zahlreiche spanische Produzenten, Regisseure und Schauspieler folgten der Einladung, darunter Enrique Arce und Jaime Lorente, bekannt aus der Netflix-Serie „Haus des Geldes. Wir sind schon sehr gespannt auf nächstes Jahr. Den auch im April 2027 wird das Festival wieder stattfinden.
Drei Kontinente in einem Monat und mehr
Dass Daniela das Reisen nicht nur mit ihrer Arbeit verbindet, sondern auch ganz bewusst als Ausgleich nutzt, zeigt ein Blick auf ihre vergangenen Reisen.
Lange Zeit war Brasilien ihre große Leidenschaft. Mehrmals verbrachte sie dort mehrere Monate in Rio de Janeiro und spielte sogar mit dem Gedanken, länger zu bleiben. Doch Wien wurde zunehmend zu ihrem Lebensmittelpunkt und ein Projekt folgte auf das nächste.
„Ich habe dir schon vor vielen Jahren in einem Interview gesagt, wie wichtig Reisen für mich ist und dass es Luxus für mich bedeutet. Und diesen Luxus habe ich jetzt zu 100 Prozent wieder für mich entdeckt.“
Wenn sich ein kleiner Zeit-Slot ergibt, ist Daniela unterwegs. Im Dezember ging es gleich auf drei Kontinente. Nach einem fast durchgehend arbeitsreichen Jahr beschloss sie, sich ganz bewusst eine Auszeit zu nehmen. „Ich hatte fast das ganze Jahr durchgearbeitet und habe dann gesagt: Jetzt ist Schluss. Jetzt ist wieder einmal Me-Time.“
Zwei Wochen Dubai waren der Auftakt. „Ich gestehe, ich bin ein absoluter Dubai-Fan.“ Danach ging es weiter nach Sri Lanka und schließlich nach Delhi, wo sie bei Freunden eingeladen war. Dort wurde die Reise allerdings unerwartet beendet. Die Luftqualität war extremst schlecht, Daniela wurde krank und entschied sich bereits am dritten Tag zur Rückreise.
Selbst der Rückflug wurde noch zu einem Abenteuer: Das Flugzeug stand vier Stunden auf der Startbahn und konnte wegen des Smogs nicht abheben. Erst als sich ein kleines Sichtfeld von rund 125 Metern auftat, konnte der Airbus A380 mit besonders geschulter Crew schließlich abheben.

Aber es müssen nicht immer ferne Kontinente sein. Auch Europa bietet Daniela jede Menge Möglichkeiten, spontan dem Alltag zu entfliehen. 2026 war sie deshalb auch innerhalb Europas viel unterwegs. Gemeinsam mit ihrer Freundin Doris ging es mit ihrer Harley Davidson an den Gardasee oder nach Sardinien. Dazu kamen spontane Ausflüge nach Edinburgh, Madrid und ins italienische Chioggia. Besonders Chioggia hat es ihr angetan. „Chioggia ist eine Kleinausgabe von Venedig. Ich habe dort zwei Wochen gedreht und mich in den italienischen Ort verliebt.“
Ob drei Kontinente in einem Monat, ein spontaner Kurztrip oder eine Reise mit der Harley, für Daniela spielt die Entfernung dabei eigentlich keine Rolle. Entscheidend ist, unterwegs zu sein, neue Eindrücke zu sammeln und den Kopf wieder frei zu bekommen.
Abschalten mit Sport
So sehr Daniela das Reisen liebt, für ihre Erholung gibt es noch einen zweiten wichtigen Faktor: Sport. Nach einer anstrengenden Arbeitswoche mit bis zu 60 Stunden sei es für sie entscheidend, wirklich komplett abschalten zu können.
Sport hilft ihr dabei, den Kopf freizubekommen. Und auch das Reisen hat für sie genau diese Funktion.
„Wenn ich in Österreich bleibe, muss ich immer irgendwie an das letzte Projekt oder an das nächste Projekt denken. Aber wenn ich auf Reisen bin, ist das wirklich absolute Me-Time und ich kann sofort abschalten und mich erholen.“
Vielleicht erklärt genau das, warum Daniela nach all den Jahren noch immer dieses besondere Leuchten in den Augen hat, wenn sie von ihren Reisen erzählt. Denn für sie sind Reisen nicht einfach nur Urlaub oder ein Tapetenwechsel. Es sind neue Menschen, neue Geschichten, neue Kulturen und neue Inspirationen neue Abenteuer. Und vielleicht auch deshalb passt das Reisen so gut zu ihrem Leben in der Filmbranche: Beides lebt von Begegnungen, Überraschungen und der Fähigkeit, aus jeder Situation etwas Neues entstehen zu lassen.
Eines steht jedenfalls fest: Langweilig wird es Daniela Matschnig auch in Zukunft nicht werden.
Über ihr nächstes Projekt darf sie noch nichts verraten. Nur so viel: Es wird wieder eine große spannende internationale Produktion.
Und wer Daniela kennt, darf wohl davon ausgehen, dass die nächste Reise nicht lange auf sich warten lassen wird.
Großes Beitragsfoto: Daniela Matschnig. (Foto Mario Traar)
www.crew-united.com/de/Daniela-Matschnig
www.viennaspanishfilmfestival.com
