Schauspieler und Produzent Dennis Dewall zeigte im Vorjahr seinen mehrfach ausgezeichneten Spionagefilm SPY CAPITAL 2 in Cannes. Heuer hatte er seinen neuen Film THE TRAIN im Gepäck – wieder ein Film voller Action und spannender Spionage.

Seinen Actionfilm THE TRAIN zeigte Dennis heuer für ein Screening in Cannes und ich möchte wissen, warum ein Screening. “Ein Screening dient dazu, Filme besser zu machen oder Fehler auszubessern – vor allem jene, die man selbst nicht mehr sieht. Ein Film ist ja ein Prozess, beginnend vom Drehbuch bis zum fertigen Film selbst. Durch das so wichtige Screening hört man zum ersten Mal die Meinung anderer Menschen – nicht nur freundlich gemeinte Meinungen von Freunden, sondern auch kritische Anmerkungen. Der Film kann ja z.B. noch kleine Problemstellen haben, wo eine Story nicht für jeden klar kommuniziert ist, Musik, Sprache oder Bewegung können nicht perfekt passen – und Vieles kann man dann noch korrigieren.“
Magie der Filmwelt
Spionage ist ein ‚Lieblings-Genre‘ des attraktiven und sympathischen Filmschaffenden, der aber auch Action. „Wir hatten wieder das Glück, mit Filmregisseur Boris Volodarsky zu arbeiten, der ja ein Historiker und Spionage-Experte ist. Die Story basiert beginnend vom Dreh im Majestic Imperator Train komplett auf einer wahren Begebenheit. Dieser Zug sollte tatsächlich verkauft werden und es gab wirklich viele Attentate auf Eisenbahnen bzw. Schienen. Und da unsere Stärke die Spionage ist, die Handlungen in Russland, England und China genau in unsere Zeit passen, haben wir uns für diese wahre Story entschieden.“

Um Förderungen hat Dennis für seinen Film gar nicht angesucht, da er und sein Team der Meinung ist, dass es ohne Filmförderung und deren Anforderungen schneller und günstiger zu schaffen ist.

Die Begeisterung für Film ist bei Dennis immer wieder spürbar. Dabei ist er fast eine ‚One-Man-Show‘, er agiert als Produzent und Schauspieler und kümmert sich um die gesamte Organisation. Auf meine Frage, wieviele Stunden sein Tag habe, schmunzelt er: „Liebe Hedi, kein Projekt ist eine ‚One-Man-Show‘. Tatsächlich sind immer sehr viele Menschen involviert, die bedauerlicherweise wirklich zu wenig Applaus bekommen. Ich vergleiche es gerne mit ‚Cheerleading‘, auch dabei bekommen meist diejenigen den meisten Applaus, die oben stehen. In Wahrheit aber ist es ein Zusammenspiel von Vielen und der unten steht und hält, müsste den meisten Applaus bekommen“, meint er sehr bescheiden, denn ich weiß, wieviel sich Dennis selbst mit einbringt.
‚Film-Glück‘ auf Malta
Bei einem unserer Treffen heuer in Cannes erzählte mir der Filmschaffende eine liebe Geschichte zum Film. „In jedem Land gibt es sogenannte ‚Local Fixer‘, die einen unterstützen, Türen öffnen oder Produktionen möglich machen. Als wir in Malta drehen wollten, wurde uns gesagt, das sei möglich, aber eine Yacht oder ein Boot würde uns ungefähr 200.000 Euro kosten – was mir zu viel war. Als ich dann am Hafen spazieren ging, sah ich wunderschönen Yachten und auf einer saß ‚Eddie‘, wie sich später herausstellte. Als ich ihn auf Englisch ansprach, ob ihm die Yacht gehöre, sagte er ‚Mensch, ich spreche eh deutsch, komm herauf‘. Ich erzählte ihm, dass ich gerne auf seinem Schiff drehen würde und ob das möglich wäre bzw. was es kosten würde.“ Auf die Frage nach dem Budget meinte Dennis, er habe eigentlich keines, worauf ihm Eddie erklärte, dass er die Yacht je nach Saison zwischen 12.000 und 20.000 Euro vermiete. Dennis bot ihm 5.000 Euro – und Eddie sagte ja, machen wir. „Es war fantastisch, in Malta auf einer wunderschönen Yacht zu drehen und das noch bei schönem Wetter“, schwärmt Dennis und meint noch: „Ich glaube, dass man bei fast allem, was man tut, auch Glück benötigt. Und ich hatte wahnsinnig viel Glück.“

Sehr ehrlich meint Dennis, dass es als österreichische Filmproduktion schon sehr herausfordernd war, alles selbst zu organisieren. „Aber es macht mir jedes Mal unglaubliche Freude und ich mag es, immer wieder neue Menschen kennen zu lernen. Die Teams vor Ort sind großteils super professionell und oft ergeben sich wunderschöne, fast familiäre Beziehungen.“ In seinem großartigen Cast findet sich als die weibliche Hauptrolle Madalina Bellariu Ion, eine mehrsprachige Schauspielerin und Produzentin. „Auch da hatten wir großes Glück“, erzählt mir Dennis, „dass ich diese großartige Schauspielerin im Vorjahr in Cannes kennenlernte, die mit Schauspielgrößen wie Scott Adkins oder Jude Law dreht und gerade das Gesicht der weltweiten Werbekampagne für den vollelektrischen Lexus RZ. ist.“ Und zu der großen Rolle von Profiling in seinen Filmen meint Dennis, dass Profiling ihm deshalb so wichtig ist, weil jeder Film auch eine psychologische Handlung haben muss. „Wir sind daher sehr froh, dafür die bekannte und professionelle deutsche Profilerin Suzanne Grieger-Langer dabei zu haben.“

Gefährliche Stunts
Als Schauspieler liebt es Dennis, die meisten Stunts selbst zu machen. „Ich habe mich daher sehr bemüht, so authentisch wie möglich rüberzukommen. In einer wirklich herausfordernden Szene bin ich tatsächlich selbst vom fahrenden Motorrad auf den Zug aufgesprungen. Wir haben dafür den ganzen Bahnhof in Gödele gemietet und der Zug ist für diese Szene immer wieder vor und zurück gefahren. Die verschiedenen Einstellungen müssen ja immer bei gleicher Geschwindigkeit und an derselben Stelle passieren. Aber ich war mir sicher, dass ich das schaffe, auch wenn Regisseur und Stuntteam nichts von meiner Idee hielten“, schmunzelt Dennis in der Erinnerung. „Ich bin froh und dankbar, diese Stuntszenen mit nur einem Dreh und völlig ohne Verletzungen geschafft zu haben, weil es auch für mich eine großartige Erfahrung war.“

Filmfestival Cannes
In Cannes dabei zu sein, ist für Filmschaffende schon sehr wichtig, meint Dennis, da nach Cannes die komplette Filmindustrie, Geschäftspartner und internationale Medien kommen. „Nicht umsonst gibt es den Spruch ‚Cannest Du oder Cannest Du nicht“, lacht Dennis.
Aber gibt es den Moment zu sagen, jetzt ist der Film perfekt, möchte ich von Dennis wissen und erfahre: „Ich glaube, es gibt niemals dieses perfekte Endergebnis. Ein Film ist meiner Meinung nach ein Kunstwerk – und Kunst gefällt dem einen und dem anderen vielleicht nicht. Ein Film ist ja auch immer eine Vision des Regisseurs. Als Produzent habe dann ich den Job, das Ganze kommerziell und möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Dennoch ist es jedes Mal ein Kunstwerk, das man produziert, und immer auf die Gefahr hin, es gefällt oder gefällt nicht.“

Für den Produzenten ist es sehr wichtig, mit seinem Film auf Festivals zu gehen. „Ich sage immer, dass Festivalpreise einem zwar nicht die Miete bezahlen, aber es ist eine wunderbare Erfahrung, eine Anerkennung und natürlich auch Werbung. Je breiter der Zuspruch ist, umso erfolgreicher wird kann ein Filmprojekt werden, und das ist letztendlich auch das Ziel: denn ohne Erfolg kein Geld und ohne Geld keine neuen Projekte.“
Nutzung von KI
„Ich bin jetzt 43 Jahre alt, also kein super junger Mann mehr“, schmunzelt Dennis. „Ist man beispielsweise früher von Österreich nach Italien gefahren, schaute man auf seine Landkarten und machte sich Notizen. Was ich damit sagen möchte, heute hat man sein kleines Handy, auf dem man die ‚Final Destination‘ eingibt und das mir dann den Weg zeigt. Die künstliche Intelligenz ist wahnsinnig unterstützend und sehr hilfreich, denke ich. Aber ich möchte vorsichtig sagen, dass die künstliche Intelligenz gar nicht intelligent sondern abhängig vom Input ist, der ihr zur Verfügung steht. Der Vorteil von KI ist aber die Möglichkeit, in Sekundenschnelle auf all die eingegebenen Ressourcen zuzugreifen. Ich finde die KI wahnsinnig wichtig, wahnsinnig unterstützend – aber sie hat nicht den menschlichen Faktor und ich hoffe wirklich, dass Menschen nie ‚ersetzt‘ werden können.“

Filmfestivals – eine intensive Zeit
Die Zeit eines Filmfestivals ist erfüllt von Meetings, Events und tollen Begegnungen. „Natürlich ist es wichtig, diese Zeit für Networking zu nutzen, sich mit Kollegen auszutauschen und selbstverständlich Promotion zu machen und nach Verkaufsmöglichkeiten für den eigenen Film zu suchen. Trotz des wahnsinnigen Stresses und der Intensität genieße ich den ‚Movie-Magic‘, den Glamour am Red Carpet und die vielen schön gekleideten Menschen in Cannes“, lacht Dennis.“ Aktuell wird THE TRAIN auf weiteren Festivals gezeigt und ab September beginnen die Kinopremieren u.a. in Österreich, Deutschland, England und Rumänien.
Großes Beitragsfoto: Dennis Dewall als Produzent und Schauspieler in „The Train“. (Foto Westside Studios)
