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Meine 7 Fragen an Regina Ahlgrimm-Siess

Die gebürtige Grazerin Regina Ahlgrimm-Siess ist promovierte Kunsthistorikerin und nach beruflichen Stationen im Benediktinerstift Admont und am Campus Sacré Coeur Graz seit 2017 für den Bereich Kommunikation bei der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs in Wien zuständig.

Regina Ahlgrimm-Siess ist promovierte Kunsthistorikerin und seit 2017 für den Bereich Kommunikation bei der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs in Wien zuständig. (Foto cotas)
Regina Ahlgrimm-Siess ist promovierte Kunsthistorikerin und seit 2017 für den Bereich Kommunikation bei der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs in Wien zuständig. (Foto cotas)

Die Kreativität für ihre hauptberufliche Aufgabe bezieht Ahlgrimm-Siess aus ihrer zweiten Leidenschaft, der Malerei. In der Schulzeit gefördert durch ihre Lehrerin und Wiener Malerin Erika Wolf-Rubenzer, widmete sie sich während des Studiums der Aquarelltechnik und malt seit 1997 in Acryl auf Leinwand, vorwiegend abstrakt und großformatig. Sie übernimmt auch  Auftragsarbeiten für Privatpersonen und Firmen.

Regina, Deine beruflichen Stationen als Kommunikationsexpertin waren immer in „Ordensbereichen“.  Was fasziniert Dich an den Orden?
In meiner Zeit im Benediktinerstift Admont habe ich gelernt: Orden denken nicht in Jahren, sondern in Jahrhunderten. Diese andere „Zeitrechnung“ hat mich fasziniert, weil sie gegenläufig ist zum allseits präsenten Mangel an Zeit und der Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft. Das bedeutet aber nicht, dass die Zeit in Orden stehen und alles immer beim Alten bleibt. Ganz im Gegenteil: Orden sind in der Geschichte seit jeher innovative Vorreiter in den verschiedensten Bereichen wie Bildung, Gesundheitswesen, Soziales und sie sind es ungebrochen bis heute. Auch diese Pionierleistungen und die ungebrochene Präsenz, Relevanz und Wirksamkeit der Orden faszinieren mich.

Die Künstlerin Regina Ahlgrimm-Siess arbeitet vorwiegend in Acryl auf Leinwand, über die Jahre hat sie zu einem Malstil mit Pinsel und Spachtel in Schichten gefunden. "Der sorgt für eine Tiefendimension in meinen Bildern." (Foto cotas)
Die Künstlerin Regina Ahlgrimm-Siess arbeitet vorwiegend in Acryl auf Leinwand, über die Jahre hat sie zu einem Malstil mit Pinsel und Spachtel in Schichten gefunden. „Der sorgt für eine Tiefendimension in meinen Bildern.“ (Foto cotas)

Seit 2017 leitest Du die Stabsstelle Kommunikation bei der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs (VOSÖ). Was fällt da alles in Deinen Aufgabenbereich?
Meine Aufgaben sind so vielfältig wie unsere Bildungsstandorte und diesen Abwechslungsreichtum und das projektbezogene Arbeiten schätze ich sehr.

Ich arbeite im Wesentlichen in drei Themenfeldern: das eine betrifft die Gestaltung und Redaktion aller Kommunikationsmedien der VOSÖ im Print- und Onlinebereich. Das zweite Feld ist die Beratung und Begleitung unterschiedlichster Kommunikationsprozesse an unseren 17 VOSÖ Bildungsstandorten wie beispielsweise Leitbildprozesse, Homepage-Relaunches oder Kommunikationsmittelgestaltung.
Der dritte Bereich betrifft das Kuratieren von Ordensgründerräumen in Kooperation mit der Abteilung „Kultur und Dokumentation“ der Österreichischen Ordensgemeinschaften. Das Pilotprojekt dazu, der Mary Ward Raum an den Mary Ward Schulen in St. Pölten, wurde im Mai 2021 fertiggestellt. Diese Ordensgründerräume dienen der Vermittlung des jeweiligen Ordenscharismas an Kinder und Erwachsene sowie der Bewahrung kultureller Zeugnisse der Ordensgemeinschaft als Brücken für die Zukunft.

Das "LIEBSTOECKL" von Regina Ahlgrimm-Siess hängt im Biocafe Linz. (Foto cotas)
Das „LIEBSTOECKL“ von Regina Ahlgrimm-Siess hängt im Biocafe Linz. (Foto cotas)

Du bist aber auch ein sehr kreativer Mensch, malst schon seit Deinem Schulalter. Welche Deiner Eigenschaften helfen Dir bei Deiner Arbeit als Kommunikationsexpertin und welche als Malerin?
Definitiv hilfreich bei meiner Arbeit in der VOSÖ ist es, dass ich eine grundsätzliche Freude am Gestalten habe, ein Teamplayer bin und lösungs- & zielorientiert arbeite. 

Beim Malen kann ich meine Spontaneität, Kreativität und Intuition voll ausleben.  Für mich bedeutet Malen innere Freiheit. Das Schönste am Malprozess ist, dass ich dabei Zeit und Raum vergesse, ganz im kreativen Tun bin. Malen ist für mich eine Form der höchsten Konzentration und Intuition.

In den letzten Jahren hast Du wieder vermehrt mit der Malerei begonnen. Womit arbeitest Du und wie würdest Du Deine Arbeiten/Deinen Stil beschreiben?
Ich arbeite vorwiegend in Acryl auf Leinwand und habe über die Jahre zu einem Malstil mit Pinsel und Spachtel in Schichten gefunden, der für eine Tiefendimension in meinen Bildern sorgt. Die Formate orientieren sich am jeweiligen Projekt.

Der plötzliche Stillstand während des ersten Lockdowns 2020 hat gerade für viele Kreative neue Räume geöffnet für künstlerische Auseinandersetzung mit dem Ungewissen, aber auch mit neuen gestalterischen Ideen. Für mich war diese Zeit des Rückzugs der Startschuss für eine intensive, schöpferische Malphase.

Gemeinsam mit der Sopranistin Renée Schüttengruber stellte Regina Ahlgrimm-Siess 2021 das Kunstprojekt „Heiteres Herbarium“ auf die Beine. (Foto cotas)
Gemeinsam mit der Sopranistin Renée Schüttengruber stellte Regina Ahlgrimm-Siess 2021 das Kunstprojekt „Heiteres Herbarium“ auf die Beine. (Foto cotas)

Gemeinsam mit der Sopranistin Renée Schüttengruber hast Du 2021 das Kunstprojekt „Heiteres Herbarium“ auf die Beine gestellt, gezeigt wurde es im Mozarthaus in St. Gilgen. Wie kam es dazu und was war das Besondere und auch Herausforderndste daran?
Diese reizvolle Idee zum Kunstprojekt kam von Renée Schüttengruber, die zugleich Wiener Volksopernsängerin und diplomierte Kräuterpädagogin ist Sie stieß im ersten Lockdown auf die Vertonung der Gedichte von Karl Heinrich Waggerls „Heiterem Herbarium“.

Das Büchlein, das Waggerl selbst illustriert hatte, dürfte sich weit über 600.000 Mal verkauft haben.
Der Band galt als einer der meistverkauften Lyrikbände deutscher Sprache überhaupt. Der Komponist Franz Salmhofer, der sowohl Direktor der Wiener Staatsoper als auch der Wiener Volksoper war, vertonte den Band bald nach seinem Erscheinen. Auf Schallplatten wurde das Werk dann Ende der 1950er Jahre von dem bekannten Opernsänger Julius Patzak interpretiert.

Renée interpretierte die vertonten Gedichte neu, ich die Aquarelle Waggerls. Mit im Projektteam waren Dr. Marie-Theres Arnbom, Historikerin und Direktorin des Wiener Theatermuseums und der international tätige Pianist, Organist und Dirigent Robert Lehrbaumer.
Es war ein wunderbar inspirierendes und gegenseitig befruchtendes Arbeiten im Team!

Regina Ahlgrimm-Siess: "Aktuell arbeite ich an Illustrationen für einen Gedichtband der dalmatinischen Autorin Jelena Sutlović." (Foto cotas)
Regina Ahlgrimm-Siess: „Aktuell arbeite ich an Illustrationen für einen Gedichtband der dalmatinischen Autorin Jelena Sutlović.“ (Foto cotas)

Gibt es ein weiteres interessantes Projekt, eine Gemeinschaftsarbeit, auf das Du Dich freust? Wo würdest Du Deine Werke gerne einmal hängen sehen?
Aktuell arbeite ich an Illustrationen für einen Gedichtband der dalmatinischen Autorin Jelena Sutlović, die in Radio Zadar 057 wöchentlich aus ihren Gedichten liest. Die Bildmotive zu den fünf Kapitelbildern entstanden in laufender Abstimmung mit der Autorin. So greifen sie am Beispiel der „posvećene poeme“ den Gedichttitel Maslačak (Löwenzahn) auf, setzen den Motivwunsch der Autorin, eine Rose, bei den „ljubavne poeme“ (Liebesgedichte) um oder assoziieren frei die Kapitelthemen der „ratne poeme“ (Kriegsgedichte), „misaone poeme“ (Gedankengedichte) und „autobiografiski poeme“ (autobiografische Gedichte).
Auf die gemeinsame Buchpräsentation und Ausstellung in Kroatien freue ich mich schon sehr.

Du machst auch Auftragsmalerei. Wie ist Deine Arbeitsweise bei Auftragsarbeiten? Welche war die bisher Herausforderndste, die für Dich interessanteste?
Besonders reizvoll und herausfordernd zugleich waren zwei junge Auftragsarbeiten, beide aus dem vergangenen Jahr: ein naturalistisches Bild für das Biocafé „Liebstöckl“ in Linz, für das es galt, die Leitblume für den Gastraum malerisch in Szene zu setzen und ein abstraktes Bild, ein großformatiges Diptychon, für eine Privatperson in Wien, deren Bildauftrag ein sehr persönlich angelegtes Überraschungsgeschenk für ein Geburtstagsjubiläum war. Für dieses Bild habe ich auch erstmals einen „Bildbrief“ verfasst, in dem ich die Geschichte hinter dem Bild erzählt und die Symbolik des Bildes beschrieben habe.

„Für mich bedeutet Malen innere Freiheit“
Regina Ahlgrimm-Siess

Bei Auftragsmalerei braucht es ein Einfühlen in Menschen und Räume, um ein auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittenes Bild zu kreieren. Ich nehme meine Auftraggeber*innen auch auf den Entstehungsweg mit, bespreche Zwischenetappen mit ihnen. Mein Ziel ist es, Bilder zu gestalten, die Ausstrahlung besitzen und Freude machen, mit denen es gelingt, in Resonanz zu gehen und die immer wieder neue Einsichten, Perspektiven, Assoziationen ermöglichen. Bilder zum Leben.

Großes Beitragsfoto: Regina Ahlgrimm-Siess ist promovierte Kunsthistorikerin und seit 2017 für den Bereich Kommunikation bei der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs in Wien zuständig. (Foto cotas)

www.schuettengruber.com/gesang/heiteres-herbarium-kunstprojekt/kontakt-malerin-und-bilder/

 

 

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